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marokko 2020 ...

09. - 31. Januar 2020 (km 268.780)
auf dem Weg zur Feuerwehr im Süden Marokkos

Die erste Etappe unserer Winterreise 2020 führt uns nach Kaufbeuren. Wir haben einen Termin bei CABOTRON, einem Elektronikfachbetrieb für Caravan und Boote. Schnell sind unsere Probleme behoben und weiter geht’s Richtung Lindau.

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Dort stellen wir am Abend fest, dass die Heizung nicht funktioniert. Wir fahren zurück zu CABOTRON. Freitag früh die Diagnose, Wackler in der Dieselversorgungspumpe der Heizung.

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Wir entscheiden weiterzufahren. Für die Schweiz holen wir ein Schwerlastpermit für Fahrzeuge über 3,5 to, 32,50 SFR sind der Preis dafür, dass wir an 10 Tagen innerhalb eines Jahres auf Schweizer Straßen fahren dürfen. Wir kommen auf der Autobahn zügig voran und brauchen nur zwei halbe Tage bis Frankreich.

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Dort sind die Autobahngebühren zu teuer, die Strecke von Genf über Montpellier und Perpignan bis Spanien dauert deshalb zwei Tage. Durch Spanien geht’s wieder schneller. Hier gibt’s neben den mautpflichtigen immer noch gut ausgebaute gebührenfreie Autobahnen. Letztlich brauchen wir für die 2500 km von Kaufbeuren bis Algeciras fünf Tage; ja wir wollen ins Warme.

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Carlos verkauft uns für 200 Euro ein Hin- und Rückfährticket und eskortiert uns persönlich in den Hafen. Die 14.30 Fähre legt um 16:30 ab und wir sind um 18 Uhr in Afrika.

Zügig geht’s auf Autobahnen längs der Atlantikküste bis Mohammedia. Hier treffen wir auf dem Campingplatz von Said und Saida Susanne und Roland, die in ihrem Bimobil auf Mercedes G die letzten zwei Monate Marokko bereist haben. Wir verstehen uns auf Anhieb und wissen, dass es nicht bei dem einen Abendtreffen bleibt. Ihr Zuhause in Weinheim ist nur 25 km von unserem in Schwetzingen entfernt.

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Deshalb ist der Abschied am nächsten Morgen nicht schwer und wir düsen weiter nach Süden, wo Ricarda und Peter, die wir vergangenes Jahr hier in Marokko kennengelernt haben, auf uns warten. Nach etwa 350 km zeigt aber unsere Mercedes plötzlich Schwächen am Berg. Die Kühlertemperatur ist auf über 120 °C angestiegen und der Motor geht in den Notlauf um Schlimmeres zu verhüten.

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Nach einer Pause, in der sich die Maschine abgekühlt hat, fahren wir noch 80 km bis zu unserem Übernachtungsplatz. Am nächsten Tag scheint zunächst alles ok bis zu einer Steigung 30 km hinter Tiznit, und der Motor ist wieder übertrieben heiß. Vorsorglich halten wir und wenig später hält ein Münchner Iveco-Allrad mit Wohnkabine gesteuert von Ralf, der sehr schnell diagnostiziert der Visko-Lüfter läuft nicht, weil der ihn antreibende Keilriemen gerissen ist.

Wir müssen zurück nach Tiznit in eine Werkstatt: Hilfsweise überbrückt Ralf das Thermostat, das die beiden Zusatzlüfter steuert und wir kommen problemlos zurück. Google schickt uns in eine Gasse parallel zur Hauptstraße, wo ein einsamer Handwerker an einem uralt Landy schraubt.

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Er lässt sofort alles liegen, schaut sich unser Problem an und ruft seinen Patron, der nach wenigen Minuten auf dem Fahrrad eintrudelt. Sofort geht’s los, der Landy muss warten. Nach 3 Stunden haben die beiden die Vorderfront einschl. Kühler demontiert. Den Flügel des Viskolüfters schaffen sie nicht zu lösen, morgen geht’s weiter. Wir machen Camping im Garagenhof und außer den Rufen der Muezzin stört nichts die Nachtruhe. Um sieben Uhr Sonntag soll‘s weitergehen, kann ja gar nicht, ist noch dunkel.

Um 8 Uhr ist der Patron wieder vor Ort und klopft mit Stahlhammer und Meisel auf die Lüfterschraube, um 9 Uhr verstärkt ihn sein Adlatus. Das Unerwartete gelingt, die Schraube löst sich, der Lüfterflügel wandert zu den anderen demontierten Teilen. Die Reste des zerfetzten Keilriemens werden gelöst und auch der Keilriemen zur Lichtmaschine. Da auch dieser schon kleine Macken aufweist, heißt es nun die beiden Riemen zu finden.

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Nacheinander verschwinden Meister und Helfer auf ihren Fahrrädern, kommen aber tatsächlich mit Keilriemen, Kühlerflüssigkeit und Ersatzschrauben wieder. Ein passender Keilriemen zum Generator ist recht schnell gefunden, der zum Lüfter braucht mehrere Anläufe. Dann beginnt der Wiederaufbau. Um 15 Uhr ist eine Probefahrt erfolgreich beendet und wir bekommen die Rechnung präsentiert.

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Die Summe der Ersatzteile beläuft sich umgerechnet auf akzeptable 115 Euro, die 20 Arbeitsstunden der beiden werden großzügig mit 200 Euro berechnet, für marokkanische Verhältnisse ein Vermögen. Wir diskutieren nicht lange und sind glücklich vom Hof zu kommen. Zeitweise haben wir nicht mehr daran geglaubt.

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Bis zur heißen Quelle von Fask, wo Ri und Peter auf uns warten, sind es 140 km etwas mehr als zwei Stunden. Außer den beiden mit der Feuerwehr hat sich hier eine kleine Hippie Gemeinde versammelt meist deutschsprachig.

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Josef und Franzi mit ihren nicht ganz 2 jährigen Zwillingen und einer ebenfalls umgebauten Feuerwehr, Uwe mit seinem wunderbar eingerichteten antiken Reisemobil und etliche andere. Ri zaubert für die hungrigen Ankömmlinge eine sehr leckere Tajine, Peter sorgt für‘s Lagerfeuer. Nach 9 Tagen Autobahn und Werkstattstress, erleben wir so etwas wie einen Kulturschock.

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Der Montag wird noch zur Erholung genutzt, aber dann will Ri los. Über eine Woche an der heißen Quelle warten auf die Freunde ist genug. Die Wüste ruft. Peter, ein Holländer mit einer Wohnkabine auf einem Toyota Landcruiser schließt sich uns an. Über Targua, Akka und Tata geht es nach Osten. 400 km und zwei Tage später sind wir in Foum Zguid, dem Örtchen, indem wir Ri und Peter vergangenes Jahr kennengelernt haben.

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Hier auf dem Campingplatz, Khayma Parc stoßen Heidi und Willi mit ihrem 47 Jahre alten Steyer zu uns. Gemeinsam wollen wir in den nächsten Wochen Lak Iriki, Erg Chegaga und die Piste zum Erg Chebbi bezwingen. Die Vorbereitung dazu dauert 4 Tage. Wäsche waschen, Souk besuchen, das marokkanische Essen genießen, immer wieder neue Begegnungen mit „Wüstenfahrern“.

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Montag geht’s dann los. Peter der Holländer fährt voraus, er kennt einen besseren Einstieg zum Lak Iriki, als die Rüttelpiste, die wir im letzten Jahr gefahren sind. Zunächst geht es 50 km auf Asphalt zurück bis kurz vor Tissint, bevor wir auf die Piste Richtung Süden einsteigen. Den ersten Übernachtungsplatz erreichen wir nach drei Militärkontrollen etwa 20 km nördlich der algerischen Grenze. Wir fahren meist im Flussbett des „trockengefallenen“ Draa.

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Dienstag geht’s nach einer ruhigen sternenüberfluteten Nacht weiter Richtung Osten und nach einer Mittagspause weiter Richtung Nordost auf dem trockenen Lak Iriki.

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Hier fährt sich Wolfram in einem Weichsandfeld fest. Alle helfen schaufeln, der Holländer zieht Wolfram dann mit seinem Toyota aus dem Weichsand. Weil Wolfram wohl nicht alles so macht wie der Holländer befiehlt, fallen erste harte Worte. Bis zum Café Titanic fahren wir noch gemeinsam weiter. Als dann aber nach einer Teepause wieder noch heftigere Wortwechsel das Klima in der Gruppe zerstören, entscheidet Wolfram nicht mehr gemeinsam weiterzufahren.

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Traurig verabschieden wir uns von den Freunden mit der Absicht den Holländer nicht mehr wiederzusehen. Wir fahren zunächst 10 km zurück nach Westen und dann auf der steinigen Piste P1522 Richtung Zaomia. Die Piste ist mindestens so schlecht wie unsere Stimmung. Aber wir sind zu zweit und wissen, Lebbe geht weiter.

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Nach 15 km und 2 ½ Stunden auf steinreicher Piste übernachten wir am Rand, weit und breit nur wir und Ronja. Auch am nächsten Tag sind es noch fast 30 km über drei Stunden bis wir hinter der Oase Sacreé auf eine sandigere besser zu befahrende Piste stoßen.

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Jetzt macht die Wüstentour wieder Spaß. Noch ca. 30 km surfen durch manchmal auch etwas tieferen Sand und wir kehren im Bivouac Hassi Smara im Osten des Erg Chegaga 3 km vor M’Hamid ein. Hier treffen wir auf Fritz und Marille aus Antdorf, die wir schon aus Foum Zguid kennen.

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Wir entschließen uns auch für die Nacht zu bleiben. Weitere deutschsprachige Camper hier sind Gabriel und Leni aus Österreich sowie Dieter aus Mainz. Sternenhimmel und Lagerfeuer lassen nichts vermissen oder vielleicht doch? Eigentlich kann man alles ersetzten nur liebe Freunde nicht.

Jetzt sind wir schon drei Wochen unterwegs und die Freunde zu Hause haben noch nichts von uns gehört. Das Tagebuch muss gepflegt werden. Nein die Freunde sind’s.

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