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die vortour (marokko l)Marokko

in Marokko haben wir unsere ersten Erfahrungen mit
Auto und Piste gemacht.

wie alles begann click here ... We're on the road.


1. März 2011 (km 3173)

Nach einem Autobahnmarathon sind wir seit heute endlich in Marokko.

fähre
auf zur Fähre

Die Grenzformalitäten nach Marokko sind unkompliziert. "Die am Zoll" jedoch sind sehr wichtig. Auch der Herr mit den 3 Streifen muss nochmal auf die Papiere schauen. Das Auto will keiner untersuchen. Nach ca. 5-10 Minuten Gesprächen pro Fahrzeug, bei denen die Zollbeamten nicht gestört werden dürfen, dann noch die Frage: "Haben Sie Waffen dabei? Bumm, Bumm, you know?" dürfen wir, weil wir das verneinen können, weiterfahren.

In Tetuan dann, im Kreisel eine Ausfahrt zu spät genommen, hier gehts nach Oued-Laou, Richtung Südost. Naja, kommt sicher gleich ein Abzweig nach Süden oder Westen. Während der Vorbereitung auf diese Testreise hatte Wolfram gelesen, in Marokko gibts keine Pisten (unbefestigte Straßen) mehr. Wir fahren jetzt noch keine 50 km auf Marokkos Straßen und sind nach den knapp 40 km kostenpflichtiger Autobahn (20 Dirham = 2 €) in Afrika.

keine piste

Dieser Naturpfad entlang der Mittelmeerküste hat auch keinen Abzweig. Das heißt die ursprüngliche Route, wir wollten ja von Tarifa nach Tanger übersetzen und an der Atlantikküste nach Süden Richtung Westsahara fahren, muss geändert werden. Aber was sind in unserem neuen Leben schon Pläne? Wir wollen ja was erleben.

In Oued-Laou können wir dann die ersten Dirham bunkern. Auf dem Markt dort müssen wir auch gleich deren Wert testen.
5 Orangen, 5 Äpfel, 3 Tomaten für 25 Dirham, geht doch.

Weiter gehts nach Chefchaouen. Diese Bergpiste über das Rifgebirge ist eine einzige Straßen-Baustelle. Wir kommen nur langsam voran, aber die Bauarbeiten machen die Sache kurzweilig. Allerdings geht der Sprit zur Neige, und so ganz sicher, was unser OF-EN so schuckt sind wir doch noch nicht.

baustelle

In Chefchaouen dann die erlösende Tanke. Für 600 Dirham können wir 82 Liter speichern. Wir hatten also noch 13 Liter Reserve.
Doch, 82 Liter für 60 Euro, das sind 73ct / Liter. In D zahlen wir z.Zt. fast das Doppelte.

tanke

Wir legen unser Tagesziel neu fest. Wie bei der Planung zuhause hilft dabei Frau Kohlbachs Campingführer: "Ouezzane, Motel RIF, an der Straße nach Fes! ...von der Straße durch hohe Bäume getrennt ..."
Bei diesem Stellplatz mit zugehörigem "Bio-Restaurant " wird richtigerweise die Straße zweimal erwähnt. Der Verkehr ist nicht zu überhören. Da war es auf unseren Autobahn-Raststätten-Übernachtungen ruhiger. Trotzdem, saubere Sanitäranlagen und Stromanschluss für zwei Personen + OF-EN 70 DH ist nicht überzogen. Das 3-Gängemenue für zwei inkl. ein Liter Bier für 256 DH wäre bei uns auch teurer gewesen.

Motel RIF

Zusammengefasst war unser erster Tag in Afrika etwas anders als geplant, was die Strecke angeht. Unsere Erwartungen sind jedoch erfüllt.

2. März 2011 (km 3390)

Wir wollen die bereits erwähnte Straße nach Fes nutzen. Wir kommen gut voran und sind gegen 14 Uhr auf einem Parkplatz, auf dem ein junger Marokkaner uns erklärt die Parkgebühren für unser Auto lägen bei 2 Euro. Nach einiger Diskussion sieht er ein, dass wir nur einmal zahlen, nämlich wenn wir zurückommen. Sonst zahlen wir jetzt und nachher bei einem neuen Parkwächter nochmals. Eine Parkwächterlizenz hatte der Junge natürlich nicht umhängen, nicht mal ne offizielle Kappe auf dem Kopf.

Im Internetcafe hilft uns der Eigentümer auch mit einer Telefonkarte weiter. Iris kann unsere website pflegen, nach einer Stunde Internet zahlen wir 8 DH und kehren zum Auto zurück.

Inzwischen scheinen uns 2 Euro (20 DH) Parkgebühren zuviel und wir versuchen den Parkwächter mit 2 DH zufriedenzustellen. Der rastet fast aus, es seien 2 Euro vereinbart, Palaver, Palaver. Schließlich einigen wir uns auf 12 DH und wissen viel zu viel bezahlt zu haben.

Da Fes z.Zt. noch keinen Campingplatz anbieten kann, der soll erst im Laufe des Jahres fertig werden, entscheiden wir uns die selbster-nannten Touristenführer und Souvenirhändler zu verlassen. Der Verkehr nervt. Hier gilt nur eine Regel, wer zuckt das heißt geht vom Gas, hat verloren. Als wir einen Fußgänger über die Straße lassen, wirft sich der vor Dankbarkeit beinahe vor die Räder und die Hinterleute danken es uns mit einem Hupkonzert.

Endlich sind wir draußen und kommen über 2200 m hohe Berge bei –3,5°C nach Azrou.

schnee

Dort empfängt uns ein Campingplatz besonderer Art:
"... pompöse festungsartige Anlage aus schwerem Felsstein ganz im Stil der Emirate..." (so steht’s im Campingführer). Wie pompös die Anlage ist werden wir morgen bei Licht sehen.

3. März 2011 (km 3665)

Tatsächlich pompös. Auf dem Weg zu den Sanitärblocks kommt man an einem Pool vorbei, der bei diesen Temperaturen nur von Enten und Gänsen genutzt wird.  Der weitere Weg zu den Sanitäranlagen ist beschissen, weil er von den hier lebenden Hühnern genutzt wird. Die Sanitäranlagen allerdings sind sauber und das Wasser heiß. Sogar die Brauseköpfe sind neuwertig und entsprechend lange fällt das Duschvergnügen aus. 20 Minuten später, als Iris geht ist das Wasser kalt. Gorbi lässt grüßen.

gorbi

Heute wollen wir auf Nebenstraßen den Tislit-See bei Imilchil im Hohen Atlas erreichen. Zur Sicherheit noch mal voll tanken. Tatsächlich Diesel kostet auch heute nur 73ct der Liter. Trotzdem fahren wir zuhause mit unserem Golf günstiger. Der schluckt nämlich weniger als die Hälfte unseres OF-ENs. Dafür haben wir aber auch unser Häuschen huckepack. Das ganze Teil wiegt knapp 4,3 to einschließlich Wolframs zarten 105 Kilo.

Die Nebenstraßen stellen sich als Teerstraßen mit „stark ausgefransten“ Rändern und tiefen Schlaglöchern dar. Die Märkte in den ursprünglichen Dörfern sind faszinierend. Zum Stroh wird das zugehörige Pferd oder Vieh geboten. Die gekauften Kälber werden zum Transport auf die Autodächer verfrachtet. Im Auto (meist Sprinter) ist kein Platz. Da steht die Kuh mit 3-4 Passagieren. Wer keinen Platz mehr bekommt muss auch aufs Dach. Das Kälbchen muss ja auch gehalten werden.

kalb

Die Stellplätze ohne Strom und Wasseranschluss am Tislit-See werden von einer sehr freundlichen Frau angeboten, die auch für unser Abendessen sorgt: Lamm-Tajine. (Lamm = petit määäh) Nach dem Essen erfahren wir von der Chefin Maleke und ihrem Neffen einiges über die Berber (Amazir) und deren Sprache Tamazight. Iris lernt unsere Namen in arabisch und mit Tamazight zu schreiben. Beweisen können wirs nicht das gibt die Tastatur nicht her.   

see


4. März 2011
(km 3930)

Die Überraschung ist groß. Iris hatte zuerst aus dem Fenster geschaut. „Wir stehen im Schnee!" Wolfram glaubt’s nicht, denkt die Frau übertreibt wieder mal maßlos. Vielleicht auf den umliegenden Gipfeln etwas mehr weiß. Blick durchs Fenster. Nicht nur mal so gepudert, nein mindestens 10 cm Neuschnee, eine echte Winterlandschaft.

vorher nachher

Bis wir gefrühstückt, gezahlt und die Mädels sich voneinander verabschiedet haben ist es 10 Uhr. Auf den Straßen ist der Schnee weitgehend weggetaut.

maleke

Dass wir den Wechsel auf eine Piste, die von der Todra-Schlucht zur Dades-Schlucht verpassen ist gut. So können wir auf den nächsten Kilometern die atemberaubende Schönheit dieses Oase-Tals erleben. Leider ist auch dieser Touristenmagnet von Händlern und selbsternannten Reiseführern übersäht. Für größere Ausflüge und Händel nehmen wir uns auf dieser Testreise keine Zeit und weiter geht’s ins Paralleltal zur Dades-Schlucht. Hier sind es die Felswände und deren Formen, die beeindrucken.

todra

Nach 60 km sind wir im Ort Msemir. Hier endet die verpasste Pistenverbindung aus der  Todra-Schlucht. Es ist erst 16 Uhr und herrliches Wetter. Die 45 Kilometer nach Tamtatouchte sollten noch zu schaffen sein. Auf der Karte ist diese Piste als strichlierte Linie dargestellt. Die Legende sagt dazu „Karrenweg“. Schneller als ein Karren können wir uns auch nicht bewegen.

straße

Eine Stunde ist vergangen und knapp 6 km Geschaukel und Gewackel liegen hinter uns. Plötzlich klapperts mächtig. Iris klettert nach hinten in die Kabine um zu untersuchen welche Schränke wieder nicht geschlossen sind. Doch alles ist in bester Ordnung. Was kann das nur gewesen sein? Wolfram sitzt noch in Fahrposition, entspannt von der anstrengenden Kurbelei der letzen Kilometer und muss im rechten Außenspiegel das Grauen erkennen:

Bei unserem letzen Stop hat frau wohl vergessen die Außentreppe zur Wohnkabine einzufahren. Nachdem wir damit die Felswand gestreift haben, hängt sie deformiert an der Seite. In dieser Form lässt sie sich von dem zuständigen Elektromotörchen natürlich nicht bewegen. Versuche durch Biegen, Ziehen und Treten das Teil wieder in Form zu bringen, führen nicht zum Erfolg. Der Werkzeugkasten muss raus, die Treppe wird demontiert. Der eine Meter (!) Einstiegshöhe muss demnächst wohl anders überwunden werden.

vorher nachher

Nach ca. einer halben Stunde Arbeit, die Treppe ist gerade verstaut, der Werkzeugkasten aufgeräumt, kommt ein französischer Motocross-Trupp vorbei. Unsere Frage wie lange wir für die noch restlichen 35 Kilometer benötigen beantworten die mit ermutigenden 3,5 Stunden. Inzwischen ist es fast 18 Uhr in 1,5 Stunden wird es stockdunkel sein. Nach 10 Kilometern, es dämmert bereits, entscheiden wir am Straßenrand stehen zu bleiben.

Gerade wollen wir eine ebene Stelle neben der Piste ansteuern, da springt in dieser menschenleeren Gegend ein Kind ans Auto. Weitere schwarzvermummte Gestallten tauchen aus dem Nichts auf. Diese Nomadenfamilie hütet hier in den Bergen ihre Ziegenherde. Wir schaffen weitere 5 Kilometer, dann ist es stockdunkel. Jetzt wird’s wirklich gefährlich. Bei diesem Licht sind sicher auch keine Ziegenherden mehr unterwegs.

Wir halten an, schließen alle Jalousien, damit unser Licht niemanden anlockt, ein kurzes Abendessen und um 20 Uhr liegen wir in den Betten. Beim ersten Tageslicht wollen wir morgen weiter.

5. März 2011 (km 4194)

Es ist 6 Uhr, wir besprechen gerade noch eine halbe Stunde abzuwarten, dann ist es sicher hell genug. Wir hören Motorengeräusche. Schnell in die Klamotten und raus. Da ist nix. Wir haben uns wohl getäuscht. Zähneputzen und Katzenwäsche und wir sind wieder auf der Piste. Nach einem Kilometer weiterem Geschaukel verbessert sich deren Zustand deutlich. Wenn wir das mal gestern abend noch gesehen hätten. Jetzt geht’s zügig voran. Vorbei an abgestellten Straßenbaugeräten, die diesen verbesserten Pistenzustand erklären.

todra

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir am Ziel. Dem nördlichen Eingang ins Todra-Tal, das wir jetzt zum zweiten Mal genießen dürfen.

In Tinerhir können wir Geld und Diesel fassen. Dann geht’s weiter in Richtung Osten. Ziel sind die Dünen des Erg Chebbi bei Merzouga.

Eine kleine Peinlichkeit wäre noch zu erwähnen: Auf der Suche nach einer Alimentation in Rissani folgen wir einem kleinen LKW von der Hauptstraße ab und befinden uns nach der nächsten Ecke mitten in dem Samstags-Souk. Inmitten von Menschen, zwischen Marktständen und Eselskarren kommen wir kaum noch voran. Überraschenderweise interessieren wir die Menschen überhaut nicht. Nichts ist normaler als unser OF-EN mitten im Souk. Anders als wir kommt der LKW bestens durchs Getümmel und ist plötzlich verschwunden.

Zum Hotel Kasbah Mohayut 300 m vor den Dünen des Erg Chebbi gehört ein Restaurant mit offenem Kamin und ein Campingplatz. Wenn wir im Restaurant essen, ist der Stellplatz frei und das WLAN im Hotel kann genutzt werden.

erg chebbi

Plan für die nächsten Tage ist eine Wüstentour entlang der Algerischen Grenze von Taouz nach Foum Zguid. Wahrscheinlich werden wir nicht vor Mittwoch wieder senden können.

6. März 2011 (km 4467)

Wir haben unser Lehrgeld bezahlt! Aber erst mal alles der Reihe nach:

frühstück

Nach dem Frühstück noch ein kurzer Fotoausflug in die Dünen des Erg Chebbi. Von den netten Nachbarn Ursula und Hans –Jürgen verabschieden und ab ins Abenteuer Wüste.

Nach Taouz an der Algerischen Grenze (äußerster Südwesten Marokkos) sind es nur wenige Kilometer. Dort werden wir sofort von einem freundlichen Helfer empfangen, der uns den Abzweig auf die Piste erklärt. Immer detaillierter wird das Vorhaben ca. 200 km längs der Algerischen Grenze zu fahren besprochen. Unser Helfer macht die Sache immer komplizierter und kommt auf den Punkt: Er bietet sich als Führer an.

Wir haben im Reiseführer gelesen, dass man die Touristen hier gerne in die falsche Richtung schickt um dann gegen entsprechendes Entgelt behilflich zu sein. Nein, wir können das alleine, wir wollen ja uns und unsere Ausrüstung testen.

Wir sind noch keine zwei Kilometer auf der Piste und bemerken, dass ein Mofafahrer in unserer Staubwolke folgt. Das muss doch nicht sein. Wir halten an und bieten an uns zu überholen. „Ich will euch helfen, wenn ihr liegen bleibt“.

Alles lässt sich gut an, Iris steigt immer wieder aus um spannende Bilder von der Piste zu machen. Wir folgen zwar nicht 100 % der Spur des GPS, aber so genau ist es ja wohl auch nicht. Keiner ahnt zu diesem Zeitpunkt wie der Tag ausgeht.

Nach kurzer Zeit enden die Spuren im Nichts. Wir halten an und erkunden erst mal zu Fuß die Weiterfahrt. Nördlich von uns läuft ein ausgetrocknetes Flussbett. Dort finden  wir auch die Fahrspuren wieder. 100 Meter vorher hatten wir den Einstieg, der bezeichnenderweise mit einem Kamelschädel markiert war, verpasst.

piste

Unser OF-EN überwindet die Einstiegsstufe problemlos, auch die folgenden ca. 1,5 Kilometer. Dann stecken wir im feinen Sand fest. Auch die noch unbekannte Technik der 3 Differenzialsperren hilft nicht weiter. Unser Begleiter sitzt inzwischen in der Loge zwei Meter hoch über dem Flussbett und beobachtet unser Traktieren

Mit jedem Versuch aus dem Sand zu kommen buddeln wir uns tiefer ein, bis der OF-EN fast aufsitzt. Zuerst mit Schaufel und Handarbeit versuchen wir die Räder wieder freizubekommen.

ende

Hilft alles nix. Iris steigt aufs Dach um die Sandbleche zu holen. Inzwischen haben sich die Zuschauerränge gefüllt. Vier kräftige Jungs verfolgen unser Bemühen gelangweilt vom Hang herunter. Wir schippen und schwitzen, die Räder drehen durch, der Wagen vergräbt sich immer tiefer in den Sand.

Es ist schon später Nachmittag. Nun ist Mustafas Zeit gekommen. Für 600 DH will er uns da rausholen. "Wie, ohne weiteres Werkzeug?" Ungläubig handeln wir ein bisschen rum, und schippen wieder weiter....

Neue Verhandlungen beginnen mit Said, der sehr gut Englisch spricht. Die Aufgabe wird konkretisiert: Freischaffen und Begleitung bis zur nächsten Auberge. 500 DH bei Erfolg werden versprochen. Said und Mustafa schlagen ein, Turban ab, Schuhe aus. Unsere Sandschaufel glüht, ansonsten geht’s mit bloßen Händen.

jungs

jungs

Zu den Sandblechen werden Gestrüpp und Zweige beigeschafft. Dann ist es soweit. Wolfram steigt ein und gibt Gas. Die vier hängen hinten an der Kabine und schaukeln bis der Wagen sich tatsächlich vorwärts bewegt.

Die folgenden 10 Kilometer im Flussbett bleiben schweißtreibend. Said fährt und schiebt abwechselnd sein Mofa im Tempo eines Marokkanischen Langstreckenläufers durch die Tiefsandpassagen des Flussbetts. Es ist vereinbart, bei Weichsand Vollgas. Wieder mal die Devise: Wer mit dem Gasfuß zuckt hat verloren.

Unser Haus liegt immer wieder beängstigend schief in dem schmalen Flussbett, aber Wolfram richtet das Auto gekonnt auf und Sicherheit verbreitet sich im Führerhaus. Wir haben wirklich das richtige Auto für unsere Ansprüche. Es wird immer dunkler und im Scheinwerferlicht suchen wir einen Ausstieg aus dem Flussbett.

Gegen 20.30 Uhr sitzen wir beim Tee in der Auberge Tazoult. Wir zahlen und es wird vereinbart, dass Mustafa uns am nächsten Tag noch bis Ramlia über ein Flussbett mit langen Weichsandpassagen begeleitet.

Fazit: Die Jungs waren das Geld wert. Wir hätten aus diesem Flussbett mitten in der Nacht nie alleine rausgefunden.

7. März 2011(km 4520)

Um 8 Uhr solls losgehen.
Vorher die Verhandlung über den Preis. Mustafa will 500 DH, dafür dass er bei uns im Auto mitfahren kann. Am Vorabend hatten wir noch gelacht. Der bis dahin nur englisch und französisch sprechende Said fragt plötzlich in akzentfreiem Deutsch: „Wie isst der Berber ein Kamel?“ Keine Ahnung. Seine Antwort wieder in bestem Deutsch: „Stück für Stück“.

Bei den Verhandlungen mit Mustafa kommt der Gedanke auf: sind wir die Kamele, die Etappe für Etappe gemolken werden? Aber die Erinnerung an den gestrigen Tag ist frisch, wir gehen kein weiteres Risiko ein und Mustafa begleitet uns für 300 DH auf dem Beifahrersitz während Iris in der Sitzecke der Kabine durch die Gegend fliegt.

Ca. 2,5 Stunden, rund 30 km später entlohnen wir Mustafa und es geht alleine weiter.

berber

Ab jetzt können wir die Erfahrung aus unserem gestrigen Abenteuer direkt umsetzen!
Mit dem GPS und den Militärkarten auf dem Rechner stellen wir exakt unsere Position fest. Wir halten immer wieder an und nötigenfalls fahren wir auf der aufgezeichneten Spur direkt zurück.

Gegen 17.00 Uhr sind wir dann an unserem Ziel Oum Jrane. Der freundliche Wirt Assou Ben Merzoug serviert in unserem OF-EN eine QUALIA (Tomate, Zwiebel, Rind, pochiertes Ei).

abend

Unsere Flasche Rotwein hat die Strecke überlebt, den Abend überlebt sie nicht.



8. März 2011(km 4716)

In der Auberge wird es heute ein Fest geben. Dazu wird ein Hammel geschlachtet. Das Tier ist an einem Baum aufgehängt, wird gehäutet und ausgenommen.

hammel

Zum Glück haben wir schon gefrühstückt. Vor uns liegen 80 km Piste bis Zagora. Wir brauchen dafür knapp 5 Stunden

laster

Die Steine, die uns vom Herzen poltern können unsere Dankesgebete an Allah nicht übertönen als wir endlich auf die nagelneue Nationalstraße einbiegen.

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Die 95 Kilometer bis Agdz schaffen wir in 1,5 Stunden. Dort finden wir einen wunderschönen Platz an der Kasbah Asslim.

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Zum Abendessen gibt es Couscous und wir entscheiden die restlichen 450 Kilometer zum Atlantik in 2 Etappen zu fahren. Vor dem Schlafengehen noch unsere Schreibarbeit, dann können wir morgen vor der Abfahrt unsere neuen Abenteuer einstellen.

9. März 2011(km 4900)

Die Geschichten nehmen kein Ende.

Kaum haben wir Agdz verlassen und sind einige Kilometer auf der Landstraße gefahren, da brauchen zwei marokkanische junge Männer unsere Hilfe. Sie stehen mit ihrem Peugeot am Straßenrand und haben die Motorhaube geöffnet. Wir werden ob unserer Hilfsbereitschaft freundlichst begrüßt. Iris mit Wangenküssen (hallo?), Wolfram, der im Auto sitzen bleibt mit herzlichem Handschlag.

Es fehlt nur Wasser für den Kühler. Iris übergibt aus unserem Bestand einen Liter Trinkwasser, ca. 10 cl davon gehen unter die Motorhaube, die Flasche verschwindet im Auto. Inzwischen hat der mit dem Turban Wolfram zu seiner Familie zum Tee eingeladen. Auch Iris ist einverstanden. Wir wollen ja Land und Leute kennenlernen.

strasse

Nur knapp einen Kilometer weiter folgen wir dem Peugeot durch ein Hoftor, wo wir dem Cousin vorgestellt werden.

Im Salon des Hauses wird uns von der Hausherrin Tee bereitet. Inzwischen erzählt der Cousin in fließendem Französisch (!) seine Geschichte. Er sei ein Nomade, der üblicherweise mit seinen Kamelen durch die Natur streift und nur jetzt gerade zuhause ist um Schaf- und Kamelwolle für die in dieser Region traditionelle Teppichknüpferei abzuliefern. Außerdem heiraten seine beiden Söhne und er müsse sieben Teppiche verkaufen um für die Hochzeit aufkommen zu können.

Die Pannenjungs sind nicht mehr zu sehen. Nachdem die Hausherrin den Tee serviert hat und wir zwei Schluck genommen haben, kommt die Frage nach einem Präsent aus Deutschland. Ob wir denn nicht vielleicht etwas zum tauschen hätten.

Im nächsten Schritt werden die Teppiche ausgelegt. Ob wir denn kein Interesse haben? Endlich macht’s klick. Iris meint zwar immer noch ein Geschenk da lassen zu müssen für die Teezeremonie. Wolfram bleibt stur. Wir treten den Rückzug an. Noch ein Bild mit dem Charmeur von der Straße.

jungs

Der Cousin wünscht eine OF-EN Führung und entdeckt dabei Beas Keksdose, die doch ein wundervolles Geschenk sei. Widerstrebend wird die Dose mit den selbstgebackenen Keksen übergeben. Nun aber nix wie weg.

Unsere Diskussion über diese Inszenierung nimmt kein Ende. Da steht ein großer LKW gut gesichert mitten auf der Fahrbahn. Wir fahren auf gleiche Höhe und bieten wieder unsere Hilfe an. Hilfe fürs Auto? Nee! Es gibt keine Probleme. Der junge Fahrer fragt nur nach einer Zigarette oder nach einem Pullover, den wir ihm schenken könnten. Unglaublich diese Wegelagerei. Diesmal lassen wir uns nicht einfangen.

kinder

Unser Tagesziel in Taliouine erreichen wir nach einem Einkaufstopp in der Ortschaft gegen 17.30 Uhr. Ein sehr schöner Platz  mit vier Terrassen für 90 WoMos, weniger als ein Viertel ist belegt und wir haben die Auswahl. Wir wählen einen Platz mit Blick über das weite Flusstal.

Beim Abendessen sind wir in dem großen Speisesaal die einzigen Gäste. Alle anderen lassen on bord servieren, obwohl das Restaurant auch Wein anbietet. Der Kellner der uns die Nachspeise, Früchte und Joghurt, bringt nutzt die Zeit bis wir das Hauptgericht beendet haben zu seinem 15-minütigen Gebet. Knapp 5 Meter von uns dreht er das Schild der Baseballmütze nach hinten, wendet den Blick nach Osten und spricht mit seinem Herrn. Für uns weintrinkende Ungläubige eine äußerst befremdliche Situation.

Wolfram verspricht das Weintrinken trotzdem nicht aufzugeben.

10.März 2011 (km 5077)

Wir haben noch eine Woche, dann wollen wir wieder auf der Fähre Richtung Europa sein. Noch 1200 Kilometer, die wir nach all den Abenteuern ruhig angehen wollen, Landschaft genießen, gut Essen, gepflegte Stellplätze.

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Internet gibts vor der Rezeption.

Heute wollen wir den Atlantik ca. 30 km südlich von Agadir erreichen. Doch auch die entspannendste Straßentour in Marokko bietet Neues. Ziegen haben wir immer für Säugetiere gehalten. Dann kommt ein junger Mann auf uns zu, der ein Zicklein vom Baum gepflückt hat.

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Wer glaubt das nicht? Guckst Du!

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Arganie

Nur die reifen sind schon runtergefallen und werden jetzt aufgelesen.

Unseren Zwischenstop in Quaid Teima nutzen wir zu einem Imbiss und feiern Beas Geburtstag, die unsere Reise aus Berlin verfolgt.

Am Rand der Hauptstraße kaufen wir beim Fleischer ein halbes Rind und lassen uns eine Mahlzeit bereiten!?

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Der Koch freut sich über Iris Wahl und sie kann Füssle
essen, ohne dass jemand pikiert schaut ;-)

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Am Atlantik gibts es dann nur noch eine Strandwanderung
bis uns die Dunkelheit zum Umkehren zwingt.

 

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Hier wirds übrigens früher dunkel, wir mussten nämlich unsere Uhren eine Stunde zurückstellen. Morgen wollen wir, weil das Wetter auch nicht so toll ist Richtung Essaouira aufbrechen.

11.März 2011 (km 5308)

Um 9 Uhr geht’s los. Richtung Norden immer an der Atlantikküste entlang. Tolle Landschaft und wir sind froh,
dass mal nichts passiert.

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Einzig aufregend ist wieder mal der Verkehr in Agadir, aber
das kennen wir ja schon.

Unser Reiseführer gibt einen Hinweis auf ein Restaurant inmitten von Weinbergen. Eigentlich ist es eine Olivenplantage, in der zwischen den Olivenbäumen die Weinreben stehen.

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Zum leckeren Menue aus eigenen Erzeugnissen werden
uns verschiedene Weine serviert.

12.März 2011 (km 5591)

Heute wollen wir uns Essaouira ansehen. Der Reiseführer lockt:
“ ... auch wenn die Stadt am Atlantik keine prächtigen Palastanlagen vorzuweisen hat, braucht sie den Vergleich mit ihren königlichen Schwesterstädten nicht zu scheuen. Wie eine Fatamorgana thront Essaouira – ein Gebilde aus Sonne und Licht – zwischen Himmel und Wasser, in dem die weiß gekalkten Häuser mit dem Dunst der Atlantikbrandung verschmelzen ...“

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Sonne scheint nicht. Es bläst der Wind, kräftige Regenschauer, riesige Wellen, es riecht nach Fisch, Unmengen von Möwen kreischen. Iris verliebt sich sofort in diese Fischerstadt.

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Zunächst gibt es wieder eine Parkwächterdiskussion. Der einarmige Marokkaner will uns press an den Nachbarn einweisen. Wir haben leider keine Schiebedach zum Aussteigen. Zwei Kollegen müssen ihm unter die, ähh den Arm greifen und beruhigen die Situation. Zu guter Letzt ergattern wir 6 m x 2,50 m Parkfläche für einen Tag und die Nacht zu 40 DH.

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Unsere Laune bleibt ungetrübt. Ab auf den Fischmarkt. Dort werden Haie, Muränen, große, kleine, graue, rote Fische angeboten.

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Daneben Hummer, Langusten, Krabben und anderes Meergetier.
Bereits um 11.00 laden die ersten Auslagen der Fisch-Hüttchen auf großen Brettern zum Essen ein.

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Die Aufforderung einzukehren lehnen wir ab, sollen uns aber die Hüttennummer merken, um dann in genau diese zurückzukehren.

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Die Altstadt bietet alles was man sich vorstellen kann: Obst, Gemüse, Fahrradreifen, Lederwaren, Haushaltswaren, Schmuck, und natürlich Fleischer. Bei denen gibt es übrigens tatsächlich immer nur Fleisch, direkt vom halben Tier: Rind, Hammel Ziege ... so ohne Kopf und Haare kann man das nicht gleich erkennen.

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Auch der Geflügelhändler schräg gegenüber, bietet seine Tiere kopflos, ganz und nackt an. Natürlich gibt es auch Textilien und Teppiche, Gewürze, Oliven, Seifen...

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Nach ca. 3,5 Stunden "Stadtbummel" hat Wolfram für einen halben Dirham ein Schräubchen erworben, Iris für 15 Dirham 3 Avocados (das war zuviel) und für 250 Dirham eine Hose und ein Oberteil erworben, was sie strahlen lässt. Das war also nicht zuviel.

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Zum Abschluss machen wir eine Teepause auf dem Place Moulay Hassan. Dem Eingang vom Hafen zur Medina. Wer sich zeigen will muss hier durch, und so gibt es viel zu sehen.

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Den Abend beschließen wir „Chez Sam“. Durch die Lage am Ende des Hafens fühlen wir uns wie auf einem Schiff. Die Besatzung unterstreicht das auch. Essensreste werden einfach aus dem Fenster in „die See“ gekippt.

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13. März 2011 (km 5615)

Es ist nicht viel passiert. Wir sind entlang der Küste gefahren

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und erschrocken, dass es in Marokko auch Industrie gibt (Phosphor in Safi). Nix wie weiter. Oualidia ist das neue Ziel. Wunderschöne Lagune. Gestört von Touristenbussen, die hier ausgekippt werden.

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Oualia Lagune

Also weiter nach El Jadida, wo Wolfram sich im Stadtverkehr verbal wieder voll austoben darf.

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Durch eine Umleitung gewinnen wir Freunde, dreimal an der selben Stelle vorbei und endlich gibt es Applaus, aber erst als Iris die Herren im Café nach dem Weg fragt. Wir fahren noch bis kurz vor Casablanca, dann gibt’s es endlich Rotwein und Käse ;-)

14. März 2011(km 5972)

Heute fahren wir nach Meknes, eine der vier Königsstädte. Ein Bummel dort soll wesentlich angenehmer sein, als in Fes oder in Marrakech. Man ist dort weniger auf den Fremdenverkehr ausgerichtet. Aber dafür müssen wir erst mal durch Casablanca und Rabat.

In Casablanca bekommt übrigens bei der Fahrprüfung, wer den Seetest beteht und rot von grün unterscheiden kann, eine Hupe geschenkt.

Grün und Orange sind auch die Farben in der Natur vor Meknes, die alle Gemüter wieder beruhigen.

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In Meknes selbst versuchen wir wieder Freunde zu finden, indem wir mindestens dreimal die Medina umrunden bis wir endlich den Parkplatz benutzen, an dem wir schon vor einer dreiviertel Stunde vorbeigefahren sind. Dem Parkwächter zeigt Iris, dass wir schon 2 Wochen in Marokko sind. Bei 10 DH muss er klein beigeben und darf uns einwinken.

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Bab Mansour

Morgen gehts übers Land weiter Richtung Ceuta.

16. März 2011 (km 6621)

Europa hat uns wieder. Die letzten Tage waren dann doch sehr touristisch ohne berichtenswerte Ereignisse. (Wir sind schon ganz schön abgebrüht ;-)

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Zusammenfassend haben wir ein winziges Stück Afrika kennengelernt. Wir konnten den OF-EN und unsere Ausrüstung testen und haben auch eigene Grenzen erkannt. Wir wissen was wir verbessern und ergänzen müssen.

Unser Vorhaben in den nächsten 2-3 Jahren Afrika zu umrunden ist mit dem nötigen Respekt gefestigt. Anfang Mai gehts los.stop

 

 

 

 


stop

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