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17. - 26. Oktober 2013 Argentinien
Buenos Aires - Zaráte

Mit 16 kg Seesack und zwei Rucksäcken Handgepäck fliegen wir am 17.10.2013 um 21.50 Uhr mit Condor Richtung Südamerika. Wir haben schon eingecheckt und warten auf das Zeichen zum Boarding, als über die Lautsprecher ein Upgrade in die Businessclass für 150 EUR pro Person angeboten wird.

Wir entscheiden uns für etwas mehr Raum und als wir die Plätze für den zehn Stundenflug nach Santo Domingo – Dominikanische Republik – einnehmen sind wir doch sehr glücklich über unsere Upgrade-Entscheidung.

In der DomRep verlassen dann die meisten Pauschalreisenden den Flieger und wir können uns ausbreiten. Wir müssen hier 1 ½ Stunden warten bis aufgetankt ist, können aber auch dann nicht los, weil man hier einem Abschiebehäftling die Einreise verweigert. Nach einer weiteren Stunde Verhandlung dann endlich der Start nach Panama.

In Panama warten wir 6 Stunden auf den Anschlussflug, dürfen aber auch hier das Flughafengebäude nicht verlassen. Nach weiteren 9 Stunden Flug kommen wir entsprechend geschlaucht um 21.20 Ortszeit in Buenos Aires an.

Die Einreiseformalitäten sind unkompliziert, Kopie Reisepass, Foto und rechter Daumenabdruck. Danach geht’s schnell ins Taxi und ca. 35 km Richtung Palermo, einem Ortsteil von Buenos Aires, wo wir ein Apartment gebucht haben.

Der Taxifahrer rechnet die 398 Argentinischen Pesos in 60 USD um. Aus den 60 USD werden mit folgendem Trick 69 USD: Wir zahlen mit 6 zehn Dollarscheinen, der Taxifahrer nimmt sie entgegen und zeigt uns fünf Zehndollar- und einen Eindollarschein.

Müde entschuldigen wir uns für das Versehen und tauschen den Eindollarschein gegen einen Zehndollarschein aus. Den Trick erkennen wir erst am nächsten Morgen, als wir ausgeschlafen unser Geld nachzählen.
Auch erst jetzt lesen wir im Reiseführer, dass man mit den städtischen "Radio Taxis" für 98 Pesos inkl. Maut in die Innenstadt gekommen wäre. Dazu muss man am Stand der städitischen Taxis im Voraus bezahlen. Schön, was wir jetzt schon wieder alles gelernt haben.

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Das gebuchte Apartment ist nicht ganz so strahlend, wie im Internet dargestellt (http://www.bytargentina.com), trotzdem sehr sauber und absolut OK.

In unserem "Stefan Loose" Reiseführer hatten wir den Hinweis gefunden, dass der für Buenos Aires zuständige Autor Mike Unterkötter Stadtführungen anbietet (http://www. Buenosaires-insider.org) und haben eine solche Führung gebucht.

Samstag morgen 10.00 Uhr steht Leo vor der Tür, um uns vier Stunden durch die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu führen.

Leo ist waschechter Argentinier und hier im Ortsteil Palermo aufgewachsen. Er will seine Tour unseren Wünschen anpassen. Zunächst ziehen wir zu Fuß in das Einkaufszentrum AltoPalermo und besorgen eine ClaroSimCard fürs Handy. Weiter geht’s mit dem Bus zur Avenida 9 de Julio. Wir bewundern die reichverzierten Gebäude aus dem späten 19.Jhd. in Verbindung mit moderner Architektur.

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Wieder zu Fuß geht’s weiter längs der Avenida Corrientes, einer 5 km langen Straße quer durch Buenos Aires bis zur Fußgängerstraße Florida. Hier werden wir auch gleich angesprochen Cambio, Cambio, USD, Euro.

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Seit 2012 gibt es einen zweiten Wechselkurs. Statt der offiziellen 5,8 Argentinischen Pesos werden zur Zeit 9,7 Argentinische Pesos für einen USD geboten. Die Kurse werden sogar im Internet (http://www.preciodolarblue.com.ar) angeboten. Leider haben wir nicht viel Bargeld zum wechseln bei uns.

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Die Tour geht weiter über den Plaza Mayo mit dem "Kanzleramt" Casa Rosa die Avenida de Mayo entlang, die teils von Straßenbesetzern mit ihren Zelten blockiert wird. Für Buenos Aires ein absolut normaler Zustand wie wir erfahren, daneben ein lustiges Straßenfest deutschsprachiger Einwanderer.

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Am Plaza Congreso besteigen wir wieder den Bus, zurück nach Palermo. Inzwischen ist es fast 15 Uhr und wir haben Hunger. Leos Stammkneipe "Mini-Bar" liegt ganz in der Nähe unserer Wohnung und bietet ein leckeres Tagesgericht dazu eine Flasche grundehrlichen Wein. Die Rechnung über knapp 24 EUR können wir bei dem Wechselkurs großzügig übernehmen.

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Der Sommelier Leo schenkt uns im Gegenzug eine Flasche seines Lieblingsweines Equilibristo. Buenos Aires beginnt zu gefallen. Auf dem Heimweg noch schnell im Carrefour das Nötigste einkaufen, dann geht’s um 20 Uhr früh ins Bett. In Deutschland ist es jetzt schon 1 Uhr Sonntag morgen.

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Der Sonntag beginnt recht gemütlich und erst am frühen Nachmittag marschieren wir zu einer Bushaltestelle der gelben Tourist-Bus-Flotte. 3 ½ Stunden Stadtrundfahrt auf dem Oberdeck mit der Stadtkarte in der Hand geben uns einen groben Überblick über die Hauptstadt.

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Kurz vor 20 Uhr sind wir wieder zurück in Palermo und beenden den Tag mit einer Argentinischen Pizza, das heißt reichlich Käse, und einer Literflasche Stella Artois.

Leider haben wir versäumt rechtzeitig einen der montags beginnenden Sprachkurse zu buchen und müssen nun einen anderen Weg finden Spanisch zu lernen. Im Internet bei www.babbel.com buchen wir für drei Monate einen Anfängerkurs.

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Am Mittag dann mit rauchenden Köpfen ein Spaziergang zu Leo’s Restaurant Empfehlung "Parilla Rolaso" in der Straße Julian Alvarez 600 (S 34° 35.959 | W 58° 26.026). Um 17 Uhr ist es leider noch geschlossen. Die Argentinier essen zwischen 13 und 15 Uhr und nach 20 Uhr. Also zurück zu Leos Minibar. Dort gibt’s ein dickes Argentinisches Steak mit Salat, Pommes und Wein. Die servierten Steaks lassen vermuten, dass die viel gelobten Südafrikaner sich ziemlich warm anziehen müssen um hier mitzuhalten.

Leo kommt vorbei und übergibt eine SUBE-Buskarte, mit der wir wie Porteños (Einwohner von Buenos Aires) subventioniert die städtischen Busse nutzen können.

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Gleich am nächsten Morgen testen wir das und fahren zum Hafen um mit dem Agenten von Grimaldi in der Straße 25 de Mayo 702 (S 34° 35.962 | W 58° 22.285) Kontakt aufzunehmen.

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Wir buchen das Rundumsorglospaket für die Abwicklung der Zollformalitäten in Zárate und verabreden uns für Freitag, um die restlichen Unterlagen zu bringen.

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Ein Spaziergang durch den Parc Reserva Ecológica gibt erste Einblicke in die Argentinische Fauna und Flora. Dieses Naturschutzgebiet entstand in den 1970ern, als im Zuge des Schnellstraßenbaus in Buenos Aires Schutt von abgerissenen Gebäuden in den Fluss entlang der Avenida Costa Nera gekippt wurde. Mit der Zeit entstand dieses einzigartige Ökoreservat.

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Wir zerbrechen uns den Kopf wie wir an USD kommen um den besonderen BlueDollar-Kurs hier in Buenos Aires nutzen zu können. Eine Internetrecherche bringt die richtige Idee. „Ausflüge nach Uruguay sind von Buenos Aires ganz einfach. Täglich fahren mehrere moderne Schiffe ins hübsche Kolonialstädtchen Colonia del Sacramento“ so schreibt der Reisführer.

Dort können wir mit der Visa-Card Dollar am ATM ziehen. Am nächsten Morgen geht’s in den Fährhafen. Bei BUQUEBUS (S 34° 35.858 | W 58° 22.063) buchen wir eine Überfahrt. Leider ist nur noch Platz auf der langsamen Autofähre, die für die fast 60 km 3 Stunden braucht.

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Es bleiben 3 Stunden das Örtchen zu besichtigen und die ATMs anzuzapfen. Zurück geht’s mit der Schnellfähre, die für die gleiche Strecke nur eine Stunde braucht.

Freitag führt der Weg mit der U-Bahn ins Zentrum. Leider sind die legendären Wagen aus 1913 der Linie A erst vor wenigen Monaten gegen moderne Chinesen ausgetauscht worden. ¡que pena!

So fahren wir eben mit einem hochmodernen Zug zur Versicherungsagentur von Roby Speiser in der Avenida Presidente Roque Saenz Peña 651 (Diagonale Norte) (S 34° 36.376 | W 58° 22.567).

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Vor knapp 10 Tagen hatten wir Roby Speiser (www.speiserseguros.com.ar) die Fahrzeugdaten gemailt und heute können wir den Versicherungsschein der Allianz Argentina abholen. Versteckt im ersten Stock des antiken Gebäudes finden wir die nur spanisch sprechende Sekretärin. Aber ¡no problema!, alles ist vorbereitet. Roby erläutert in perfektem Deutsch am Telefon die Unterlagen. Neun Monate Versicherung für Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay, Brasilien, Bolivien kosten 3.900 Arg-Pesos. Eine so unproblematische Abwicklung haben wir nicht erwartet. Absolut zu empfehlen.

Nur knapp 10 Blocks weiter ist das Büro von Grimaldi und wir können die nun kompletten Unterlagen übergeben. Man bestätigt, dass der Frachter Grande Senegal bereits vor Santos kreuzt. Wenn nichts dazwischen kommt, können wir den OF-EN Mitte nächster Woche in die Arme schließen.

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Samstag vormittag ist wie jeder Tag mit Spanisch lernen ausgefüllt, zwischendurch immer wieder einen Blick auf http://www.marinetraffic.com. Die Position der Grande Senegal ist seit mehr als 20 Stunden unverändert. Erst Sonntag morgen gibt’s Entwarnung, das Schiff liegt im Hafen von Santos.

Samstag Mittag treffen wir David, den wir mit seiner Frau Sabrina im November 2011 in Ruanda kennegelernt hatten. Der nette Porteño betreibt seit einem halben Jahr einen Großhandel für chinesische Produkte in Montevideo. Die beiden lieben das Reisen und verbinden bei ihren Einkäufen in China so die Arbeit mit den Träumen.

In zwei Stunden haben wir uns über die vergangenen zwei Jahre ausgetauscht und versprechen Ende Januar, wenn unsere Reiseroute Montevideo berührt wieder anzuklingeln.

Da wir inzwischen auch Kontakt zu Chrigi und Kölbi (http://chrigikoelbi.ch/) haben, zwei  netten Schweizern, die wir in Windhoek kennegelernt hatten, wollen wir unsere geplante Reiseroute ändern. Wir werden von Zárate direkt nach Süden, nach Puerto Madryn / Halbinsel Valdez fahren, wo wir die beiden, die Mitte des Jahres direkt von Namibia nach Südamerika verschifft hatten, treffen.
Jetzt warten wir erst mal auf unser Auto.

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¡Hasta Pronto!

27. 10. - 3. November 2013
Buenos Aires - Zaráte -Campagna

Nach dem Pflichtprogramm, Tagebuchupload und Spanisch lernen, geht’s am Nachmittag zum Plaza Palermo Viejo. Hier verbringen die Familien ihren Sonntag. Ein Karussell für die Kinder ist aufgebaut, für die Erwachsenen wird Kunsthandwerk und Nützliches an kleinen Ständen angeboten. Es macht Spaß hier zu Bummeln und wir ziehen gerne weiter zum Plaza Planeta Buenos Aires, der von idyllischen Kneipen umzingelt und von kleinen Ständen gefüllt ist.

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Auf dem Weg zu unserem apartamento (S 34° 35.442 | W 58° 25.778) gibt es noch ein sooooo leckeres Eis. Als wir in einem auch sonntags geöffneten Carrefour eine Flasche Wein für den Abend kaufen wollen, ist die Spirituosenabteilung wegen der stattfindenden Wahlen leider geschlossen. An allen Ecken begegnen wir langen Menschenschlangen vor den Wahllokalen. Die Argentinier kommen an diesem schönen Sonntag mit Eifer ihrer Wahlpflicht nach.

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Wir hatten eigentlich geplant um 18 Uhr die Straßen-Tangotänzer am Plaza Dorrego (S 34° 37.230 | W 58° 22.296) im Ortsteil San Telmo zu besuchen, trauen uns aber nicht recht. David hatte gewarnt, dort gäbe es viele Touristen und auch die dazu passenden Gauner. Außerdem hätten wir im Dunkeln zurückfahren müssen. Wir entscheiden uns gegen das Risiko und für den Verzicht auf Tango.

Unter www.marinetraffic.com verfolgen wir die GRANDE SENEGAL mit unserem OF-EN. Das Schiff kommt immer näher und unsere Hoffnung wächst. Vielleicht schafft sie es ja bis morgen, Dienstag in den Hafen nach Zaráte. Wir wollen auf jeden Fall bis Mittwoch hier im Apartment bleiben und dann erst mit dem Bus nach Zaráte fahren.

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Heute werden wir uns anschauen, von wo welcher Bus dorthin fährt und nehmen erst mal die Metro Richtung Busbahnhof Palermo. Nach erst 7 Tagen Spanisch-Kurs ist alles nicht ganz so einfach. Zwar wollen die netten Porteños alle helfen und deuten dorthin und dahin, Afrika, ick hör dir trapsen. Es dauert aber einige Zeit und kostet etlichen Fußmarsch bis wir auf der gegenüberliegende Straßenseite, nur 20 m von der Metro-Station, bei der wir ausgestiegen waren, dann die richtige Bushaltestelle finden.

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Für 18 Uhr sind wir mit Leo in der Cerveceria "The Shanghai Dragon" (S 34° 35.6647 | W 58° 25.693) verabredet. Es gibt verschiedene Sorten vom Fass, wir entscheiden uns für Warsteiner, herrlich! Leo ist auch bald da und wir sind gerade so relaxed am klönen, als Leo mitten im Satz aufspringt, "raus hier, schnell, schnell", und schon losrennt. Wir sitzen direkt neben dem Eingang, Iris rennt los. Wolfram, der mit dem Rücken zum Eingang sitzt hat noch nichts geschnallt.

Als er sich umdreht sieht er wie ein Maskierter, Tuch um Mund und Nase und Sonnenbrille Iris am Arm festhält. Als Wolfram dazukommt, lässt der Maskierte Iris los und drückt Wolfram auf eine Bank vor dem Lokal. Der folgt wohlerzogen. Iris läuft zurück in die Kneipe um unseren Rucksack mit all den Wertsachen zu schnappen. Leo ist verschwunden. Als Iris wieder rauskommt, rennt sie direkt los und Wolfram rekordverdächtig hinterher.

Erst 100 m weiter, als wir um eine Ecke biegen, finden wir Leo wieder, der schon die Polizei am Telefon hat. Keine 3 Minuten später sehen wir das Blaulicht vor der Bar.

Iris hatte jemanden auf dem Boden liegen sehen, das muss wohl ein Überfall gewesen sein. Jetzt, wie die Polizei Vorort ist, sind die Gangster schon über alle Berge. Wie wir hören hatte der Barkeeper dem bewaffneten Räuber die Kasse überlassen, was soll er auch sonst tun.

Jetzt erst mal noch ein Bier und noch eins und die Spannung lässt nach. Auf dem Heimweg zu Fuß begleitet uns Leo, Fahrrad schiebend bis zu unserem Apartment, das glücklicherweise in der Nachbarschaft seiner Wohnung liegt. Dank Warsteiner haben wir eine ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen während unseres Spanischkurses kommt dann die ersehnte Mail: "... die GRANDE SENEGAL wird morgen gegen 12 Uhr den Hafen Zaráte erreichen ...Wir beginnen dann das Entladen, das dauert bis Donnerstag Mittag, Sie können also unsere Agentin für die Zollformalitäten Freitag früh treffen. Falls schon Donnerstag Nachmittag möglich, werden wir Sie benachrichtigen."

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Wir freuen uns und brechen auf, die noch notwendigen Dinge in Buenos Aires zu erledigen. Zunächst fahren wir zum Argentinischen Automobil Club (S 34° 34.944 | W 58° -25.984), wo wir passende Straßenkarten für unser Tour erstehen, als ADAC Mitglied zu vergünstigten Preisen. Die ebenfalls erhältliche Liste von Campingplätzen ist dürftig, wir werden an die Tourist Info Downtown verwiesen.

Vom ACA geht’s zum Geldtauschen in die Avenida Florida. Es werden zwischen 9,6 und 9,7 ARG Pesos für den USD geboten offiziell sind es derzeit 5,9. Mit ausgebeulten Hosentaschen machen wir uns sofort auf den Weg zurück in unsere Wohnung, wo wir uns erleichtern.

Um 14 Uhr sind wir noch mal mit Leo im Alto Palermo verabredet, wo er hilft eine SimCard von CLARO fürs i-Pad zu erstehen. Die Sim kostet 10 Pesos und ist 2 Stunden später freigeschaltet. Scratch-Cards die wir auch fürs Telefon benutzen können kosten 20 Pesos und müssen für die Internetnutzung vorher im Telefon gewandelt werden. Mit Iris Erfahrung auch ohne die Spanische Hotline ¡No problema!.

Problema endet zwar im spanischen auf –a ist aber "el problema", also männlich; wahrscheinlich ein Kompromiss!?

Wir verabschieden unseren argentinischen Freund Leo, der uns bei den ersten Gehversuchen in Argentinien so herzlich und hilfsbereit mit wertvollen Tipps und Taten unterstützt hat. Wir werden uns sicher wiedersehen wenn wir wieder Richtung Norden unterwegs sind.

Den letzen Abend chillen wir in unserer liebgewonnen Wohnung. Früh am nächsten morgen wird gepackt und die Wohnung ordnungsgemäß um 10 Uhr zurückgegeben.

Mit Gepäck machen die wenigen 100 m zur Metro Station lange Arme, aber wir sind bestens motiviert. Auf den Bus warten wir keine 10 Minuten (er kommt lt. Fahrplan alle Stunde) und wenn der auch nicht die Nummer 194 trägt, ist er doch mit dicken Lettern ZARÁTE gekennzeichnet.

Wolfram sitzt schon, als das Palaver mit dem Busfahrer losgeht. Auf der SUBE Card stehen nur noch 25 Pesos Guthaben, für die knapp 100 km werden jedoch von jedem 25 Pesos erwartet. Barzahlung ist im Bus nicht möglich. Jetzt kommen wieder die überaus netten und hilfsbereiten Argentinier zum Zug. Eine Dame bietet Iris ihre SUBE-Card, die kann damit bezahlen und vergütet den Betrag der netten Dame in bar. Puh, gerettet. Alles ganz einfach, warum das Palaver vorher, fragt sich Wolfram.

In 1 ½ Stunden sind wir in Zaráte und lassen uns von einem Taxi in das nächstgelegene Hotel fahren. Na, für max. zwei Nächte wird das schon gehen. Das Doppelzimmer kostet ja nur 190 Pesos. Trotzdem, die meiste Zeit wollen wir uns möglichst nicht hier aufhalten. Erst mal ein Spaziergang zum Hafen um festzustellen, wo die Fähre ankommt.

Aber es gibt mehrere Häfen und nach 1 ½ Stunden Wanderung haben wir den richtigen noch nicht gefunden. Also erst mal una comida. Ein Tagesgericht, das 59 Pesos kostet ist selbst für Wolfram zu reichhaltig, obwohl es großartig schmeckt.

Zurück im Hotel wollen wir neues zur Anlegestelle erfahren, aber erhalten zunächst nur die Nachricht: "... der Hafen in Zaráte ist überfüllt, wir werden für die GRANDE SENEGAL keinen Liegeplatz vor Freitag/Samstag bekommen. Die Abfertigung kann erst Montag oder Dienstag erledigt werden"

Der Frust muss raus und so marschieren wir nach Internetrecherchen Richtung Fährhafen. Nach einer Stunde sehen wir die großen Containerschiffe und Ladekrane in der Ferne.

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Wir kehren zurück, unterwegs kaufen wir eine Flasche Wein und einen Korkenzieher, so muss es funktionieren. Im Hotel, hier gibt’s  WLAN, suchen wir für die nächsten fünf Nächte ein erschwingliches Landgasthaus und buchen gleich.

„Knapp 20 km von hier, in die Hosteria Las Fraulis“ (S 34° 18.509 | W 58° 56.502) können wir dem Taxifahrer irgendwie vermitteln. Es sind dann fast 40 km und die Fahrt kostet uns 200 Pesos.

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Das Zimmer ist ganz OK und als dann der Koch mit einigen Brocken Deutsch erklärt, er habe 1967 als 17-jähriger ein halbes Jahr in Deutschland gelebt, blühen wir auf. Seine junge Frau spricht etwas Englisch und wir fühlen uns gut aufgehoben.

Als am späten Nachmittag das Essen serviert wird, wissen wir’s ganz genau. Auch bei Regenwetter lässt sich’s hier bestens aushalten. Es regnet dann tatsächlich reichlich und wir nutzen die Zeit zum Spanisch lernen. Die fleißigen Helfer und der einzige weitere Gast, ein älterer Herr, dürfen Probehören. Da sie nur Spanisch reden, werden wir mit Kopfschütteln und viel Gelächter ziemlich beste Freunde.

Endlich lässt der Regen etwas nach und Samstag Vormittag können wir einen Spaziergang um den Block machen. Inzwischen zeigt marinetraffic.com, dass die GRANDE SENEGAL im Hafen von Zaráte angelegt hat. Zuversicht keimt auf.

Für Abwechslung sorgt auch der Fernsehen der Deutschen Welle und wir erfahren die wichtigsten Ereignisse des Tages: Dortmund deklassiert Stuttgart und Bayern kann geradeso den 1. Bundesligaplatz in Hoffenheim retten. Von dem berühmten Sack Reis in China wird nicht berichtet.

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Der Sonntag Morgen begrüßt uns mit Sonnenschein, Für den Nachmittag dürfen wir uns auf das erste Argentinische Asado freuen, Gegrilltes.

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Die richtige Zeit wohlgelaunt den Bleistift zu schwingen um das Tagebuch wieder aufzufrischen.

¡Hasta luego en Valdes!

4.-10. November 2013 (km 103.590)
Zaráte - Valdes

Der Montag läuft ab, wie die vergangenen Tage. Gegen 9 Uhr Frühstück, danach babbel.com. Um 10.30 die Mailnachricht von Martin:“ We will meet tomorrow at 9 am at the port for the clearance.“ Auf marinetraffic.com sehen wir dann auch, die Grande Senegal hat den Hafen von Zaráte schon wieder verlassen.

Der OF-EN muss also schon ganz in der Nähe sein, hoffentlich ist alles in Ordnung. Der Tag vergeht nicht schnell genug. Nach dem Mittagessen schon mal Abschied von Ernesto und Solaria, die beiden Manager, die uns die Zeit in Las Fraulis so angenehm gemacht haben. Ernesto bestellt noch für den nächsten Morgen 8 Uhr ein Taxi. Vorsorglich lassen wir uns die Telefonnummer von Fernando geben, der uns fahren wird.

Das war unnötig, pünktlich wie ein Preuße steht der Argentinier vor der Tür und 35 Minuten später sind wir im Hafen von Zaráte. Fernando lädt uns am Gate 2 (S34 04.301 W59 02.787) ab, wo wir auf Nathalia warten, die die Abfertigung für uns organisieren soll.

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Zunächst kommen aber Carolien (ja sie schreibt sich so) und Leo aus den NL, die auch ihr Auto abholen wollen. Kurz nach 9 ist auch Nathalia da und nimmt unsere Papiere in Empfang, mit denen sie auch gleich wieder verschwindet.

Eine Stunde später kommt auch Martin mit fünf Italienern und zwei –innen, beide unattraktiv. Es geht langweilig weiter, bis Martin vorbeikommt und 200 Pesos pro Paar zur Beschleunigung der Abfertigungsarbeiten für die Zöllner haben will. Jetzt kommt Leben in die Bude. Mit Iris Ausbruch hat der 1,85-Meter-Mann nicht gerechnet und wird ganz klein. Geschickt trennt er die Italiener von uns und kassiert nur dort ab, während er uns erklärt, seine Gesellschaft werde das für uns übernehmen.

Wir sind wieder ruhig gestellt, die Zöllner auch. Sie machen von 13 bis 15 Uhr erst mal Pause. Um 15.30 Uhr dann bekommen wir unsere Papiere und es geht Richtung Gate 1 (S34 04.551 W59 02.602), wo wir bei der Security gelistet werden.

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Noch 'ne halbe Stunde warten und die Fahrer dürfen ins Hafengelände um die Fahrzeuge zu holen. Da steht er unser OF-EN, auf den ersten Blick unversehrt. Auch bei einer Umrundung keine neuen Schrammen zu finden. Nur die Siegel an den Türen sind neu und unverletzt. Der Zöllner interessiert sich nicht für das Camperinnere, eine Unterschrift und Wolfram darf das Hafengelände mit dem Auto verlassen.

Am Gate noch Iris einsammeln und dann erst mal Richtung Carrefour (S34 06.785 W59 01.249) in Zarate zur Erstversorgung. 16.30 hatten wir den OF-EN übernommen, um 18 Uhr ist der Kühlschank und die Weinkiste gefüllt und wir fahren zum Camping Tejas über den Rio Paraña. Unverschämte 40 AR$ Brückenzoll müssen wir jetzt zur Hauptverkehrszeit abdrücken, ein normaler PKW kostet nur 14.

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Dafür werden wir bei Camping Tejas (S34 05.984 W58 59.935) freundlich von Thomas empfangen, einem jungen Deutschen, der hier seit zwei Jahren bei seinem Onkel lebt. Weil wir Deutsche sind ist die Übernachtung im Camp frei. Die Infrastruktur in diesem wunderschönen Naturcamp ist sehr dürftig, aber da "fer ume", klagen wir nicht.

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Außerdem freuen wir uns unendlich, jetzt beginnt die Südamerikareise. Auf dem Platz  sind außer uns und den Holländern noch der Schweizer Cedric mit Frau Evelyn und ihren vier Kindern. Die Familie fährt aber erst mal wieder, tanken und Wasser bunkern, da es hier auf der Insel nur Flusswasser gibt.

Als sie zurückkommen, haben sie für uns 50 Liter Wasser in Kanistern dabei. Sind sie nicht großartig die Schweizer, oder sind alle Reisenden so? Wir wollen jedenfalls auch so sein, das nehmen wir uns immer wieder vor. Diese Hilfsbereitschaft, die wir auf unserer Reise immer wieder erleben, ist die größte und tollste Erfahrung dieses Reiselebens.

Am nächsten Morgen haben wir geschlafen wie schon lange nicht mehr. Im eigenen Bett in der freien Natur ist’s mit am Schönsten. Jetzt ist aber erst mal Organisieren angesagt. Für die Überfahrt hatten wir alles etwas anders verstaut, deshalb ausräumen, sichten und zurück an den gewohnten Platz. Carolien und Leo sind zuerst fertig. In ihrem Toyo hat's nicht soviel Platz, also gibt’s weniger zu räumen. Die beiden verabschieden sich von uns und brechen auf Richtung Nordwesten, Cordoba.

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Um halb Eins sind auch wir soweit. Noch von den Schweizern verabschieden und los geht’s Richtung Südost. Auf unterschiedlich guten Straßen schaffen wir bis 8 Uhr 450 km. In Olavaria schauen wir uns nach einem Übernachtungsplatz um, fühlen uns aber in der belebten Stadt nicht wohl und fahren nach einer Besichtigungsrunde zurück auf die RN3 Raststätte Los Piños (S36 56.120 W 60 13.856), wo wir zwischen den Fernfahrern übernachten.

Früh am nächsten Morgen brechen wir auf, es wird nur zum tanken (7,14 AR$ / Liter Diesel, 8,49 AR$/ Liter EuroDiesel) gestoppt, wir wollen Kilometer machen.

Bis San Antonio Oueste schaffen wir insgesamt 735 km. Auf dem Campingplatz Oasis (S40 46.064 W65 02.263) gibt’s nicht viel, keine anderen Reisenden, nur eine Schulklasse auf Zeltlager. Wir können Wasser bunkern und die Sanitäranlagen sind so lala. 40 AR$ pro Person sind viel Geld dafür, aber am nächsten Morgen ist die heiße Dusche angenehm und gibt Frische für die restlichen 320 km bis Puerto Madryn.

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Hier ist wieder Einkaufen angesagt. Vor der YPF Tankstelle (S42 46.375 W65 02.435) im Ort hat sich eine lange Autoschlange gebildet. Das deutet auf Spritmangel hin und wir reihen uns vorsichtshalber in die Schlange ein. Chrigi hatte schon in ihrer letzten Mail so was geschrieben. Diesel bunkern!

Im Tankstellencafé können wir Mails abrufen. Zum Skypen ist das Netz zu langsam. Wir haben sowieso den Eindruck, das Internet war in Afrika überall schneller. Vielleicht liegst aber auch daran, dass hier im Café zu viele Leute vor ihren Laptops sitzen und das freie WiFi nutzen.

Unser Ziel für den Abend ist der 20 km nordöstlich von Puerto Madryn gelegene Strand El Doradillo. Hier schlagen wir unser BushCamp (S42 39.469 W64 59.286) auf.

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Wir haben einen tollen Blick über den Golfo Nuevo, den unser Reiseführer für besonders geeignet zum Wale beobachten hält. Dieser Tipp ist ein Treffer, schon kurz nach unserer Ankunft sehen wir die ersten Fontainen, Wal in Sicht!

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Keine 200 m von uns entfernt zieht einer der Riesen vorbei und etwa 1 km weiter draußen übt sich ein weiterer in Sprüngen. Mit dem Fernglas ist alles ganz nah, das Abendprogramm ist gesichert.

Für den Samstag haben wir die Umrundung der Halbinsel Valdes geplant, ca. 300 km. Um 9 Uhr sind wir am Gate zum Nationalpark. 130 AR$ pro Person und wir dürfen bleiben so lange wir wollen! Zunächst fahren wir an Puerto Piramides vorbei Richtung Punta Delgado im Südosten.

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Hier sollen wir ein Mittagessen einnehmen um anschließend eine Tour zur Steilküste machen zu dürfen. Pinguine und Seeelefanten kann man hier beobachten.

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Da fahren wir lieber 30 km weiter zur frei zugänglichen Bucht Caleta Valdes, wo ein Spaziergang mit Erklärungstafeln mehr einlädt.

Da liegen sie faul am Strand. Seeelefanten, Seelöwen, Robben zu Hunderten. Wir halten den geforderten Abstand um die Tiere nicht zu stören. Einen Seelöwen, der sich kurz mal aufrichtet und gähnt, hätten wir schon gerne gefragt, was ihn so müde macht.

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Sattgesehen fahren wir weiter nach Punta Norte. Auch hier Seelöwen, -elefanten und Robben reichlich. Hier sind die Bilder gemacht worden, auf denen Orkas am Strand jagen. Die letzten Orkas waren hier vor wenigen Tagen. Dieses Glück haben wir heute nicht, dafür können wir aber ein Gürteltier ablichten.

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Auf dem weiteren Weg zur Estancia San Lorenzo (S42 07.925 W63 53.422) begegnen wir noch einer Horde Guanacos und Choiques (Vecinos Corredores, springende Nachbarn).

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Auf der Schaffarm ist wohl um 16 Uhr der Feierabend eingeläutet. Wir werden zwar sehr freundlich empfangen aber außer vier Empanadas kann man nichts zu Essen anbieten. Wir waren auf Lammbraten eingestellt.

Also vespern wir im OF-EN und ziehen wieder Richtung Süden. Wir wollen am Playa Partellas (S42 37.118 W64 15.542) unser Lager aufschlagen. Chrigi hat diesen Punkt empfohlen:“... für mich der definitiv schönste Platz auf Valdes“

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und auch der Reiseführer schreibt:“ ... kann man nicht nur gut Tauchen sondern in der Saison auch besonders gut Wale beobachten.“

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Es ist Saison!

Wolframs Abendstatistik 100 Fontainen, 20 Köpfe, fünf Fluken, einmal 2/3-Body wird am nächsten Morgen widerlegt. Immer wieder tauchen die Glattwale aus dem Wasser oder schlagen mit ihrem Schwanz auf die Oberfläche, als würden sie für uns tanzen.

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Heute gelingen sogar ein paar Fotos. Gegen Mittag haben wir uns erst mal wieder sattgesehen und wollen ganz aufgeregt erzählen.

Das Tagebuch ist der beste Zuhörer.

11. – 18. November 2013 (km 105.403)
Valdes - Bariloche - San Martin

Schon früh um sechs Uhr sind wir auf, um den Sonnenaufgang zu bestaunen. Es ist absolut windstill und zunächst sind keine Wale in Sicht.

Erst gegen neun Uhr entdecken wir eine Walkuh mit ihrem Baby, von dem selten etwas zu sehen ist. Am Vortag, als der Wind noch heftiger ging und die Oberfläche der Bucht deutlich rauer war, waren die Wale weitaus agiler. Trotzdem ist es spannend die Walkuh, die bis auf 20 Meter an den Strand kommt, zu beobachten.

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Gegen Mittag entscheiden wir nach Puerto Piramides aufzubrechen. Das gemütliche Fischerdörfchen liegt noch im Mittagsschlaf, so nutzen wir nach einem kleinen Bummel die Zeit um bis Puerto Madryn weiterzufahren.

Nachdem wir dort unsere Erledigungen gemacht haben, übernachten wir auf einem ACA Campingplatz (S42 46.866 W64 59.932). Nach Vorlage unseres ADAC Ausweises werden die 130 Pesos auf 90 Pesos reduziert. Am nächsten Morgen starten wir Richtung San Carlos de Bariloche ins Argentinische Seengebiet an der Chilenische Grenze.

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Zunächst geht die Fahrt 200 km auf der RN3 zurück nach Norden, dann biegen wir ab nach Westen auf die RN23. Die Straßen sind gut bis sehr gut, bis Maquinchao. Dort tanken wir nach 570 km und fahren danach noch 3 Stunden weiter auf 150 km Piste bis kurz hinter Cabo Onelli. Um 20:30h schlagen wir auf einem Hochplateau unser Camp auf. Aber schon bald müssen wir weiterziehen, da uns die starken Böen keine Ruhe lassen. Drei km weiter finden wir Windschatten für eine ruhige Nacht. (S40 51.858 W71 03.451)

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Um 6:30h sind wir wach, es ist eisig kalt. Als wir gegen 7 Uhr den OF-EN starten zeigt das Thermometer –3,5°C. Nach 130 km Fahrt kommt zum ersten Mal der Lago Nahuel Huapi in Sicht und wir sind sicher, wir haben eine der schönsten Regionen der Erde vor Augen. Um halb zehn sitzen wir in einem kleinen Bistro in Bariloche, dem größten Wintersportort Argentiniens und frühstücken.

Jetzt im Spätfrühjahr ist von Massentourismus nichts zu merken und die gelben Ginstersträucher vor tiefblauem Himmel bestimmen farblich den ansonsten an die Schweiz erinnernden Ort.

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Wir drehen eine kleine Erkundungsrunde, bevor wir längs der Uferstraße nach Westen zum Camping Petunia (S41 05.747 W71 26.814) aufbrechen. Hier wollen wir Chrigi und Koelbi die beiden Schweizer, die wir Anfang des Jahres in Namibia kennengelernt haben, treffen.

Wir stehen in der Warteschlange vor einer Straßenbaustelle kurz vor dem Campingplatz (km 13,5 hinter Bariloche), als eine SMS meldet „stehen hinter euch!“ Die Freude ist riesig und kaum haben wir uns auf dem Platz installiert, wird die erste Flasche Wein geöffnet, und noch eine, und noch eine. Schon sehr früh wird’s dunkel und Wolfram muss ins Bett.

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Der Donnerstag ist total verregnet, die Temperatur steigt kaum über 10°C und die Männer sind verkatert. Erst gegen Abend machen wir uns gemeinsam mit Regine und Walter, zwei weiteren weltreisenden Schweizern im öffentlichen Bus auf nach Bariloche zum Abendessen.

Das gelobte Restaurant der Familia Weiss ist unser Ziel. Die Speisekarte verspricht viel, die Küche leistet es nicht ganz. Trotzdem sind wir nicht unzufrieden und haben einen geselligen Abend mit Geschichten aus „aller Herrenländer“.

Der Wetterbericht hatte es vorhergesagt und die Sonne hält sich daran. Ein strahlender Freitag lädt zum Aufbruch in die Berge. Die kleine Wanderung bringt uns auf den etwas mehr als 1000 Meter hohen Campanario, von wo wir einen herrlichen Ausblick über den Lago Nahuel Huapi und die teils noch schneebedeckten ihn umringenden Berge haben.

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Mit dem Sessellift geht’s wieder ins Tal, wir umrunden zwei weitere kleinere Seen und verlassen dann Bariloche längs des Rio Limay nach Norden.

Schon am frühen Nachmittag schlagen wir unser Bushcamp auf (S40 51.858 W71 03.451) traumhaft schön, zwischen Bäumen an kristallklarem Wasser. Ein Lagerfeuer rundet das Wohlfühlen ab. Als es dann am Abend etwas kühler wird, kommt der erfahrene Outdoor-Fachmann Koelbi zum Zug.

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Jeder erhält einen Schaufel Glut unter den Campingstuhl. Mit warmen Hintern lässt sich der Abend verlängern.

Samstag Morgen ziehen wir weiter ins Tal des Lago Traful. Die Straße am Südufer ist unbefestigt aber gut zu befahren. Im Dorf Traful ein kurzer Internetstop, denn jetzt geht’s wieder in die Wildnis.

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Der Campingplatz (S40 37.605 W 71 29.660) an den Casadas de Arroyo Blanco bietet keinen Luxus aber zweckmäßige Duschen und Toiletten. Dafür Natur pur, klares Seewasser, herrliche Berge, teils mit schneebedeckten Gipfeln und Grün zur Beruhigung der Augen.

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Ein bisschen Bewegung bietet die halbe Stunde Wanderung zum Wasserfall. Am Abend backt Christa ein Brot, anschließend liegen ein Kilo Rinderlende auf dem Grill. Wer jetzt noch nicht neidisch ist, hat total falsche Lebensvorstellungen. Ach so, auch der argentinische Rotwein schmeckt wieder.

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Vom Parc National Nahuel Huapi fahren wir an der Nordwestspitze des Lago Traful vorbei am Lago Hermosa nach San Martin de Los Andes, am Ostufer des Lago Lacar. Wir sind auf der Straße der sieben Seen, glauben aber nur die großen sind gezählt worden. In San Martin de Los Andes bläst ein heftiger Wind, aber das Café Deli (S40 09.741 W 71.21.426) bietet neben schnellem WiFi auch Lee.

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Gestärkt fahren wir weiter in den Parc National Lanin am Fuße des gleichnamigen Vulkans. Als wir am Abend unser Lager aufschlagen, haben wir in den letzten drei Tagen keine 300 km zurückgelegt aber unendlich viel Schönes erlebt.

Auf dem offiziell noch nicht geöffneten und damit kostenfreien Campingplatz Nonthue (S40 09.052 W71 37.472) campieren wir zwischen einheimischen Anglern.

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Von hier bis zum argentinischen Grenzübergang Hua Hum nach Chile sind es nur wenige Kilometer. Bevor wir nach einem Monat Argentinien verlassen, müssen wir uns aber noch etwas bewegen. Zum Cascadas Chanchin ist es ein Spaziergang. Der Aussichtspunkt dort wird von einer freundlichen Jugendgruppe besetzt und nach wenigen Fotos treten wir den Rückzug an.

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Die Ausreise an der Grenze dauert etwa eine ¾ Stunde für uns vier und die beiden Fahrzeuge. Auf der Chilenischen Seite, auch hier sind wir die einzigen Grenzgänger, zieht sich’s etwas hin. Die Formalitäten sind es nicht, der Zoll und speziell die Dame von der Nahrungsmittelkontrolle sind sehr genau.

Freundlicherweise nimmt sie uns nicht nur Wurstpäckchen und einige Ceralien ab, sie entsorgt auch unseren Müll. Wir verabschieden uns mit handshake und fahren weiter nach Piriueico, wo wir auf die Fähre über den gleichnamigen See warten müssen.

Wir sind in Chile! 

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02. - 11. Dezember 2013 (km 107.618)
Pehuenia - San Martin - Bariloche - El Bolsón

Bis zur Grenze in Icalma sind es nur 10 Minuten. Auch die Einreiseformalitäten einschließlich Zoll sind in 10 Minuten erledigt, keiner will den OF-EN inspizieren. Dann fahren wir über den 1300 m hohen Pass über die Grenze.

Die Argentinische Grenzstation liegt erst kurz vor Villa Pehuenia. Hier dauert es etwas länger, bis alles registriert ist, aber nur weil die junge Beamtin wohl das erste mal einen europäischen Pass in der Hand hält.

Auch am Zoll im gegenüberliegenden Gebäude müssen sich die beiden Uniformierten immer wieder austauschen bis der OF-EN wieder für Argentinien und die NSA ;-) im Netz ist. Für das Innere des OF-EN interessiert sich auch hier wieder niemand, und wir haben doch so schön aufgeräumt.

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In Villa Pehuenia machen wir eine Ortsrundfahrt. Der Ort wirkt wie Zürs im Sommer, verlassen, nahezu alles ist geschlossen. Wir finden doch noch einen Supermarkt und füllen den Kühlschrank, bevor wir den Circuito Pehuenia gegen den Uhrzeigersinn starten.

Erst noch am Lago Aluminé nach Westen, weiter zum Lago Moquehue und in den gleichnamigen Ort. Hier macht Iris wieder ein paar Sprachübungen und wird äußerst freundlich in der Touristinfo verstanden. Auf einem Plan werden die beachtenswerten TOPs der nun folgenden beeindruckenden Landschaft gekennzeichnet und außer den Condoren finden wir auch alles Versprochene.

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Vom Lago Ñorquinco geht’s weiter zum Lago Pulmari längs des Rio Pulmari bis zur RN23 insgesamt nur 90 km, aber See an See, Natur satt. Uns begegnen keine fünf Autos und das ist gut so, die Schotterstraße ist trocken und staubig.

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Gleich auf der RN23 Richtung Süden biegen wir wieder rechts ab. Hier gibt es eine kleine Käserei (S 36 6.414 W70 57.326) , ein Ein-Mann-Handwerksbetrieb. Iris lässt sich die Herstellung dieses ohne irgendwelche „künstlichen“ Zutaten schmackhaften Käses erklären. Eine Kugel wird gekauft und wir fahren bis einen Kilometer vor Aluminé, wo wir auf dem Camping am Rio Aluminé (S39 13.691 W70 54.729) das Nachtlager aufschlagen.

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Dienstag geht es weiter an Aluminé vorbei immer im Tal des Rio entlang, wo es tolle Felsformationen zu bestaunen gibt. Kaum haben wir das Tal verlassen und sind über Serpentinen über die Höhe geklettert, zeit sich im Westen der 3728 m hohe Vulkan Lanin. Für die Argentinier ist er mit seinem perfekten Schneekegel der schönste Vulkan der Erde.

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Am Straßenrand fotografiert Iris einen der kleinen Altare für die noch nicht heilige María Antonia Deolinda y Correa. Sie war im 19. Jhd. auf der Suche nach ihrem Mann angeblich in der Wüste Argentiniens verdurstet. An der Brust der toten Mutter saugend überlebte ihr Baby. Seither werden Wasserflaschen ihr zu Ehren an diesen Kultstätten niedergelegt, manchmal auch was zu rauchen.

In Junin de Los Andes halten wir uns nicht auf und machen erst wieder Stopp in San Martin de Los Andes, dem Städtchen, das uns schon als wir mit Chrigi und Koelbi hier waren so gut gefallen hatte. Bei Pizza Cala nehmen wir unseren Lunch ein, Pizza und leckere Salatplatte, absolut zu empfehlen!

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Da danach wieder fast alle Geschäfte bis 16 Uhr Siésta haben, fahren wir zum Camping Lolen (S40 10.521 W71 24.227) am Playa Cartrite, vier Kilometer südwestlich von San Martin.

Dort treffen wir auf Ken und Jeff, zwei Motorradfahrer aus Neuseeland. Wir stoßen mit Bier, die beiden mit Whiskey-Soda an. Unsere kleine Empfangsparty wird durch Antje, eine deutsche Radlerin ergänzt. Sie ist auch seit Mitte Oktober in Südamerika unterwegs, zunächst mit einer Freundin, jetzt allein mit ihrem Fahrrad. Ganz schön tough!

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Am nächsten Morgen geht’s zurück nach San Martin, dort geben wir unser Gasflasche zum Füllen ab (S40 09.260 W71 21.329).

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Iris lässt sich endlich die Haare schneiden und in einem Locutorio befragen wir das Internet. Das Örtchen gefällt uns ausgesprochen gut und wir spazieren noch ein bisschen durch die Gassen, bis wir pünktlich um 15.30 Uhr die gefüllte Gasflasche (5 kg Butan = 100 AR$) abholen können.

Bis Villa Angostura und dem erwählten Camping Cullumche sind es nur knapp 110 km, allerdings werden hier gerade Elektrokabel verlegt und wir können nicht bleiben. Auch Camping Unquehue hat die Saison noch nicht eröffnet, unverständlich, denn der Ort macht ansonsten einen quirligen Eindruck.

Erst 17 km weiter, längs des Nordostufers des Lago Nahuel Huapi finden wir im Camp Estaca (S40 50.291 W71 32.297) Aufnahme. Nur zwei Fliegenfischer sind ebenfalls hier und wir haben freie Auswahl unter den Plätzen am Seeufer mit grandiosem Blick.

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Der wunderschöne Platz hält uns noch einen Tag fest, waschen und Routenplanung sind angesagt, sowie ein gutes Buch.

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Am Spätnachmittag grillen wir und genießen unsere Zweisamkeit. Erst Freitag Vormittag fahren wir auf der sehr gut ausgebauten RN40 (früher hieß und auf den meisten Karten heißt sie noch RN231) die 80 km nach San Carlos de Bariloche.

Eineinhalb Stunden Stadtbummel und wir kennen den touristischen und geschäftigen Ort weitgehend, sodass wir uns bald auf den Camping Petunia zurückziehen.

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Die beiden Franzosen Marianne und Bernard kommen gerade vom Süden, wo wir hinwollen und geben gute Tipps. Sonntag dann parken Andreas und Margrit neben uns. Er Deutscher, sie Österreicherin, leben seit 28 Jahren in Neuseeland und haben 2012 ihre Südamerikareise im eigenen Auto gestartet. 2014 soll das südliche Afrika folgen, hier gibt’s also auch einiges auszutauschen.

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Esthi und Roland stellen ihren Phoenix-Camper hier auf dem Platz ab, um für einige Tage zurück in die Schweizer Heimat zu fliegen.

Jetzt am Wochenende bevölkern auch Argentinier den Platz und nutzen das herrliche Wetter für einen Asado-Ausflug. Den ganzen Tag brutzeln die Feuer und Grillduft liegt in der Luft. Wir essen zu sechst in der Resto Bar am Seeufer, eine hervorragende aber für argentinische Verhältnisse teure Pizza ( 130 AR$). Die Schweizer schmunzeln über diese Erkenntnis. In Luzern hätten sie dafür das Doppelte zahlen müssen.

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Montag fahren wir gemeinsam mit Andy und Margrit mit dem Bus nach Bariloche. Leider hat unser Campwart nur noch eine Buskarte, im Bus selbst kann man nicht zahlen, und so müssen wir den ersten Kilometer bis zum Kiosk am UNO Supermarkt zu Fuß gehen. Die Linie 20 bringt uns die restlichen 12 km bis in die Ortsmitte. Hier tauschen wir Geld und genießen im Café Mamu Kaffeegetränke.

Weil Margrit und Andy so nett und spannend sind, entscheiden wir uns für eine vierte Nacht im Petunia Camp. Auf dem Rückweg dorthin decken wir uns für ein Asado ein. Der Spätnachmittag bleibt für weiteren Erfahrungsaustausch.

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Nach dem Abendessen gibt’s es noch Bilder vom Antarktisausflug der beiden zu bewundern. Ein neues Reiseziel reizt sehr, allerdings kostet so ein 10 Tagesausflug 6000 und mehr EUR pro Person, was den Reiz dann doch stark lindert.

Dienstag dann der Aufbruch gen Süden nach El Bolsón. Wieder mal Abschied von liebgewonnene Gleichgesinnten. Bis El Bolsón, entlang den Lagos Gutierrez und Mascardi sind es 125 km.

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Unterwegs überholen uns zunächst vier Münchner Motorradfahrer bei einem Photostopp am Lago Guillelmo treffen wir eine weitere Gruppe deutscher Mopeds. Sie bilden alle zusammen eine 16 köpfige Truppe, die einen Monat lang Patagonien bereist.

Wir werden uns am Abend auf der Farm von Klaus Schubert und Claudia Metz wiedersehen. Von den beiden ist der Bestseller „Abgefahren! 16 Jahre mit dem Motorrad um die Welt“. Vor 10 Jahren haben sie dann hier bei El Bolsón Land gekauft und bauen eine Farm auf. Wenn man sich per Mail rechtzeitig anmeldet, besteht die Möglichkeit auf ihrem Privatcamp am Fluss gegen kleine Gebühr zu stehen.

Zunächst aber geht’s weiter nach El Bolsón. Hier soll jährlich, Mitte Dezember ein Jazz-Festival stattfinden, was in der Touristinfo auch bestätigt wird. 13. – 15. Dezember, hier auf dem Dorfplatz, der Eintritt ist frei. Dienstags und Samstags ist hier auf dem Platz ein kleiner Markt. Es gibt nettes kleines Kunsthandwerk auch Schund, aber vor allem super frittierte (!) Empanadas.

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Im Cafe am Markt mit Reggae und WiFi gibt’s nichts Neues und so verlassen wir den chilligen Ort wieder Richtung Farm, wo uns Klaus Schubert begrüßt.

Er ist gerade damit beschäftigt das Feuer für das Asado der Motorradgruppe anzuheizen. Am Morgen war ein Lamm aus seiner Zucht geschlachtet worden und die Explorergruppe wird zusätzlich mit frisch zubereiteten Salaten und anderen Leckereien aus Claudias Küche verwöhnt werden. Auch wir finden einen Platz mit Andensicht. Die nächsten drei Nächte bis zum Festival wollen wir hier bleiben.

Argentinien Argentinien Argentinien Zeit und Ruhe, nachdem sich die Motorradfahrer verabschiedet haben für einen neuen Eintrag in unserem Tagebuch. Die Jungs waren absolut ruhig und nett, aber bis zu ihrer Abreise gibt’s doch ne Menge zu gucken und quatschen.

zweiteradvent

12. – 20. Dezember 2013 (km 108.304)
El Bolsón - Cholila - Esquel - Perito Moreno - El Chaltén

Am Abend des 11. sind wir von Klaus eingeladen an der kleinen Abschiedsparty für Antonio am Lagerfeuer teilzunehmen. Antonio ist ein Helfer aus Spanien, der gegen Kost und Logies hier auf der Farm in letzter Zeit geholfen hat. Es gibt immer wieder Freiwillige, die auf diese Weise ihr Interesse am Farmleben vertiefen oder aufgeben.

Die Töchter von Claudia und Klaus haben eine Freundin zu Besuch, mit der sie den Tag über ausgeritten waren, mit den eigenen Pferden natürlich. Die Mädels erzählen vom argentinische Schulsystem. „Was ist wenn ihr 18 seid und mit der Schule fertig?“ „Mal sehen, vielleicht Studium oder Lehre in Deutschland!?“

Zum Abendessen können wir noch Reste vom Lamm genießen. Die sechszehn Motorradfahrer hatten gestern nicht alles geschafft. Na ja, es gab ja auch für jeden noch ein Steak und Beilagen.

Donnerstag entscheiden wir uns noch einen Tag auf der Farm zu bleiben. Das Jazzfestival in El Bolsón soll ja erst morgen starten und so schön wie hier können wir dort kaum campieren. Am Nachmittag fährt ein Radfahrer vor, Klaus aus Frankfurt-Bockenheim. Er fährt die Panamerikana von Norden nach Süden. Iin 18 Monaten bisher 26.500 km. Vorne hat er immer noch den selben Reifen drauf, Reife Leistung!

Für uns sind die Radfahrer, die mit Zelt unterwegs sind die härtesten und genügsamsten Reisenden. Wind, Wetter, Bergen sowie teils übelsten Straßenverhältnissen ausgesetzt, dafür sind wir schon viel zu verweichlicht.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Claudia und Klaus um ins 15 km entfernte El Bolsón umzuziehen. Camping, Cervezeria El Bolsón (S41 56.545 W71 32.197) war von den meisten Travellern als der Tipp genannt worden. Wir sind die einzigen Gäste auf dem Platz und können uns aussuchen, wo wir stehen wollen.

Kaum haben wir es uns gemütlich gemacht, als Gabi und Klaus aus Rosenheim mit ihrem Camper vorfahren. Wir hatten die beiden auf Valdez in Puerto Piramides kennengelernt. Sie gehören zu einer Seabridge-Gruppe, die die Panamerikana von Süden geführt bis an die Grenze zur USA fahren, danach ist jeder sich selbst überlassen.

Gut, dass wir uns den aus unserer Sicht besten Platz bereits gesichert haben. Im Laufe des Tages trudeln die anderen 15 Wohnmobile ein, aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Einige klagen über die schlechten Straßen hier in Argentinien und Chile, die sie ihren schönen weißen Wohnmobilen zumuten müssen. Aber im Großen und Ganzen sind sie zufrieden mit ihrer Tour.

Am Abend marschieren wir die etwa 2 km bis ins Ortszentrum, wo das Jazzfestival stattfinden soll. Weil wir nicht gleich Bühne und Ränge finden, fragen wir noch einmal bei der Touristinfo nach. Nein, an diesem Wochenende gibt’s hier keinen Jazz. Der Termin wurde verlegt auf Mitte Februar 2014. Nach zwei Jahren Afrika können wir mit so etwas locker umgehen ohne auszurasten.

Vor drei Tagen noch hatten wir schwarz auf weiß in einem Planer gezeigt bekommen, 13.-15.12.2013 Patagonia Jazzfestival in El Bolsón. Dann gehen wir erst mal ein Bier trinken. Der Bus Richtung Campingplatz fährt in einer dreiviertel Stunde von der Haltestelle etwa 200 m von hier.

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An der Haltestelle haben wir dann mehr als 20 Minuten Zeit das Freitagabendtreiben im Ort zu beobachten. Aufgemotzte Chicas steigen in aufgemotzte Autos. Bei den Autos besteht das Aufmotzen aus ausgeräumten Auspuffen und riesigen Lautsprecherboxen. Bei den Chicas aus Hotpants, Push-ups und Gesichtsbemalung. Der Bus fährt sechs Stationen bis zum Camp. Erste ist die Touristinfo, von wegen 200 m von hier.

Unser Abendprogramm wird von Jazz auf Bierprobe umgestellt. Der Campingplatz gehört wie sein Name Cervezeria sagt zu der "Brauerei El Bolsón", die ein ganz ordentliches Bier herstellt.

Samstag hält uns dann auch nichts mehr in El Bolsón und wir fahren in den Parc Nacional Los Alerces. Vorbei an der Blockhütte von Butch Cassidy und Sundance Kid, die hier etwas nördlich von Cholila nach ihrer Flucht aus den USA von 1901 bis 1905 gelebt haben.

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Von Cholila geht’s an den Lago Rivadavia, von dort weiter an den Lago Verde. Hier treffen wir den Radler Klaus wieder, der sich nach einer geeigneten Stelle für sein Lunch Picknick umsieht. Wir schließen uns an und pausieren eine Stunde gemeinsam, bevor wir längs des Nordufers des Lago Futalaufquen bis zum gleichnamigern Ort weiterfahren.

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Camping Los Maitenes (S42 53.430 W71 36.928) ist ein weiträumiger Platz, der an einen Park erinnert. Die Stellplätze sind alle mit Strom und Wasser ausgestattet. Wir wählen einen, keine 150 m vom Sandstrand des Sees. Zwei Stunden später trudelt auch Klaus ein und stellt sein Zelt auf dem Nebenplatz auf.

Leider hat Wolfram bei der Platzwahl den stehenden Tümpel übersehen und wir werden entsprechend von Mücken geplagt. Hatte alles so idyllisch ausgesehen. Dann doch noch ein Lichtblick, ein deutsches Bimobil mit Uli, Christine und Söhnchen Fin. Christine ist amtierende Segelflugweltmeisterin und Uli der Bundestrainer der Segelflieger. Ein nächstes Reisziel der drei soll Südafrika sein und wir dürfen am Morgen berichten.

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Von Villa Futalaufquen fahren wir weiter an Trevelin vorbei zu den Cascadas de Nant-Y-Fall. Schon an der Einfahrt in das Reserva Provincial wird Gästen eine Gebühr angedroht. Einheimische sollen zehn Pesos, Fremde 35 Pesos zahlen Wir fahren trotzdem rein, vielleicht ist ja gerade kein Kassierer da. Ist aber doch, und da die plakatierten Bilder der Fälle keineswegs den geforderten Preis rechtfertigen, verabschieden wir uns wieder Richtung Trevelin.

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Weder die Ortsdurchfahrt noch die Tageszeit laden zum Stop im Ort ein so fahren wir erst im 22 km nordöstlich gelegenen Esquel den Campingplatz La Colina (S42 54.677 W71 20.017) an. Nichts Besonderes, man hat einen Blick über die Dächer der Ortschaft. Erst nach Sonnenuntergang bei einer Flasche Wein wird der Blick romantisch.

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Am Nachmittag gehen wir erst noch zum Lunchen ins La Luna (S42 54.737 W71 19.148). Der Reiseführer wirbt mit preiswerten Mittagsmenüs, die werden hier nicht (mehr?) angeboten, aber der gelieferte argentinische Riesen-Hamburger und auch der Salat lassen dieses Restaurant empfehlen.

Argentinien Ushuaia 1.937 km | Anchorage 16.363 km

Für Montag haben wir uns die 540 km bis Perito Moreno auf der RN40 Richtung Süden vorgenommen. Bis 13 km vor Rio Mayo ist die Strecke bestens ausgebaut. Die Landschaft bietet nicht sehr viel, vorwiegend niedrigen Busch, hin und wieder einen Blick auf die Anden im Westen.

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Nach 400 km Ausbaustrecke folgen 54 km Baustellenstraßen, die nur ein Tempo langsamer 40 km/h zulassen. Danach wird’s wieder besser und gegen 17.30 Uhr fahren wir nach acht Stunden in Perito Moreno auf den Campingplatz Laguna (S46 35.743 W70 55.587)

Wir sind gerade beim Abendessen, als es klopft und eine Stimme in breitem Fränkisch erklärt „den G kennste doch!“ Wir hatten Linda und Ludwig schon mal vor ca. 3 Wochen nördlich von Bariloche getroffen und am Straßenrand einige Worte gewechselt. Jetzt ist Zeit gemeinsam eine Flasche Wein zu trinken und Reisegeschichten auszutauschen.

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Die beiden sind schon eine Weile unterwegs, Linda hat ein Reise Know How Büchlein über ihre Reise mit dem Camper durch Nordindien und Nepal geschrieben. Jetzt sind sie Richtung Buenos Aires unterwegs und wollen Ende Januar ihren dann 49 Jahre alten Mercedes Rundhauber 710 nach Europa bringen. Nach dem Frühstück sitzen wir am nächsten Morgen noch mit den beiden über ihrer Karte und sie geben uns Tipps zur vor uns liegenden Strecke.

Die berühmten Höhlen de Los Manos könnten wir ruhig auslassen, wer die Felsenmalereien in Namibia gesehen hat, wird hier nur enttäuscht. Wir folgen und fahren auf der anspruchslosen guten Asphaltstraße nach Süden. Nur der starke Seitenwind von Westen fordert etwas Konzentration, ansonsten bleibt Zeit für die Beobachtung eines Kondors in der Luft sowie Nandufamilien und Guanakoherden am Straßenrand.

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Zur weiteren Abwechslung werden ungewöhnliche Straßenschilder fotografiert. Die nach 290 km Asphaltstraße folgende Piste ist gut ausgebaut und lässt Geschwindigkeiten zwischen 70 und 80 km/h zu.

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Südwestlich von Gobernador Gregores biegen wir von der RN40 auf die RP29 Richtung Westen ab um am Nordostufer des Lago Cardiel unser Lager (S48 51.850 W71 03.461) aufzuschlagen.

Wenn auch die umliegende Steppe nicht viel bietet, der See strahlt so hellgrün-grün-grün-grün im Sonnenlicht, auf den Bildern gar nicht festzuhalten. Weit und breit kein Mensch, nur drei genügsame Kühe, zwei Guanakos und zwei Füchse bieten ein wenig Unterhaltung.

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Nach einer ruhigen Nacht fahren wir die 12 km zurück auf die RN40 um 120 km weiter südlich hinter Tres Lagos an der einzigen Tankstelle (S49 36.160 W71 28.737) „teuren“ Diesel zu tanken. Hier kostet der Liter 8,40 AR$, knapp einen Euro nach offiziellem Kurs. Noch 30 km geht’s weiter auf der RN40, dann biegen wir auf die RP23 nach El Chaltén der Bergsteigerhochburg ab.

Längs des Nordufers des Lago Viedma mit Blick auf die Andengipfel sind es noch 90 km. Am Ortseingang erwartet uns eine Information der Nationalparkverwaltung, die man nicht auslassen sollte. Hier wird in hervorragenden Illustrationen auch in deutscher Sprache über den Nationalpark de Glaciares informiert.

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Ein Guide hält auf Englisch einen Einführungsvortrag zu den möglichen Trekkingrouten rund um Cerro Torre (3128m) und Fitz Roy (3445m). In El Chaltén fahren wir dann auf den laut Reiseführer „best ausgestatteten Zeltplatz, einigermaßen windgeschützt“ Camping El Relincho (S49 19.520 W72 53.332).

Wir füllen gerade den Wassertank auf, da kommen Carolien und Leo, die beiden Holländer mit denen wir gemeinsam unsere Fahrzeuge in Zaráte in Empfang genommen hatten auf uns zu. Die beiden wollen nach ihrer Trekkingtour nur schnell duschen, wir installieren uns auf einem Platz, dann geht’s in den Ort, wo wir beim  Abendessen im Restaurant Ahonikenk unseren Reiseverlauf seit der Trennung austauschen.

Zurück auf dem Campingplatz finden wir im Windschatten des OF-EN auch noch Zeit um Mathew und Familie aus Kanada Quebec zu ihren Erfahrungen auf der Panamerikana zu hören. Dazu kommen dann noch Regine und Walter aus der Schweiz, schon mal getroffen in Bariloche.

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Sie haben eine Mountainbike Tour vom Lago Del Desierto im Norden nach El Chaltén hinter sich. Trotz guter Bikes mit Stoßdämpfern machen die beiden nach 37 km rauer Piste einen durchgerüttelten Eindruck. Bevor sie am nächsten Morgen nach fünf Tagen in El Chaltén weiter fahren, geben sie uns nochmals Empfehlungen zu Touren in der Umgebung.

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Wir wollen heute zur Laguna Torre, 11 km und 250 Höhenmeter wandern. Wie vorhergesagt haben wir einen strahlenden, nahezu windstillen Tag erwischt. Hoch motiviert gehen wir die Tour an. Belohnt werden wir immer wieder durch Blicke auf die wolkenlosen Berge Cerro Torre und Fitz Roy mit ihren Nachbarn.

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Nach drei Stunden erreichen wir, Wolfram doch schon leicht erschöpft, den See mit seinem prächtigen Panorama. Neben Torre, Egger und Standhardt schiebt sich ein Gletscher auf den kleinen See zu. Auf dem See schwimmen abgesprengte Eisformationen, ein überwältigendes Bild. Wir strecken uns auf dem steinigen Boden aus, zur Stärkung gibt’s Haddeworscht und Weißbrot, dazu frisches Bergwasser, zusammen mit den ausgeschütteten Glückshormonen ein Genuss.

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Nach einer Stunde Pause treten wir den Rückweg an. Nach einer weiteren Stunde sind bei Wolfram alle Glückshormone verflogen. Jetzt plagen ihn die auf dem Hinweg kaum wahrgenommenen bremseBremsen, die sich aggressiv auf Brille und in Ohren setzen, außerdem schmerzen die Beine.

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Die noch einzige Motivation, ankommen und relaxen. Nach drei Stunden Rückweg ins Tal kreuzt sich unser Weg mit dem von Tina und Marco, die wir aus Pucón kennen.

Zurück am OF-EN erst mal ein kaltes Bier, dann Schuhe aus und aufs Bett. Carolien und Leo haben gewartet um mit uns Essen zu gehen, Wolfram streikt, Iris die junggebliebene Mitfünfzigerin hört Essen und will nur noch schnell duschen.

Inzwischen endet der Tag mit leichten Regenschauern und Windböen. In der Nacht wachsen diese zu Güssen und Sturm, der OF-EN schaukelt beängstigend, glücklicherweise sind wir rechtschaffen müde. Auch am folgenden Morgen ist das Wetter recht unwirtlich. Erst morgen soll’s wieder leicht besser werden. Die richtige Gelegenheit, um im OF-EN vom Sturm leicht seekrank geschaukelt unser Tagebuch zu bearbeiten.

Fröhliche Weihnachten! vierteradvent

 

 

 

 

20. –25. Dezember 2013 (km 109.746)
El Chaltén - El Calafate

Nachdem unser Tagebuch-Update gestaltet ist, belohnen wir uns im Ahonikenk Chaltén mit einer riesigen Pizza. Hier gibt es Free WiFi, free muss es sein, weil hier in El Chaltén kann man für den Mist, den sie WiFi oder WLAN nennen nichts bezahlen. Eine Zumutung, um unseren Bericht oder die Bilder hochzuladen brauchen wir mehr Nerven, als wir haben und brechen ab.

Hier, in dem ansonsten so liebenswürdigen Örtchen mit den vielen jungen Trekkern merken wir erstmals, wie unsere Reise vom Wetter beeinflusst ist. Bisher hatten wir es als gegeben hingenommen, mit dem Bewusstsein, dass es sich ändern wird. Hier aber bläst der Wind so stark, dass wir manchmal Sorge haben, er könne unseren OF-EN umwerfen.

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Gegen Abend dann leichte Beruhigung, am nächsten Morgen sogar gut genug für einen Spaziergang zu den Aussichtspunkten Mirador Condores und Mirador Las Águilas mit Blick auf El Torre und Fitz Roy, der bei den Ureinwohnern Chaltén = Rauchspukender Berg genannt wird.

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Nach der kurzen Wanderung noch einmal der Versuch eines Tagebuchuploads. Auch heute scheitern wir, das Internetcafé ist überfüllt, das Angebot des Locutorio unbrauchbar.

Wir entscheiden weiterzufahren. Vorher machen wir Sonntag einen Abstecher zur 37 km entfernten Laguna Desierto. Auch hier ist das Wetter nicht, wie im Reiseführer versprochen „meist besser“, es nieselt den ganzen Tag, aber der Wind ist deutlich ruhiger. So gibt’s nur kleine Erkundungstouren am See entlang und einen schönen faulen Nachmittag auf dem Parkplatz am See.

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Montag morgen können wir dann sogar eine Wanderung zum Glaciar Huemul machen, ein 45-minütiger Aufstieg durch einen Zauberwald, der mit einem unglaublichen Ausblick auf den türkisfarbenen Lago und gleichnamigen Gletscher Huemul belohnt wird.

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So gegen Mittag brechen wir dann auf Richtung El Calafate. Zunächst müssen wir über Schotterpiste zurück nach El Chalten und von dort auf bester Fahrbahn 90 km bis zur RN40, wo der Rückenwind aus Westen zum Seitenwind wird.

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Kurz nach vier Uhr fahren wir auf den Campingplatz El Ovejero (S50 20.137 W72 15.492) ein, wo wir freudig von Regine und Walter, den Schweizern begrüßt werden. Sie berichten auch gleich alles Wissenswerte zur geplanten Perito Moreno Tour.

Dieser Gletscher (S50 28.128 W73 01.775) wird im Reiseführer als der unbestrittene Star im Parque Los Glaciares bezeichnet, weil er so leicht zugänglich und seine Schönheit so unbeschreiblich majestätisch ist.

Wir beschließen gleich am nächsten Morgen aufzubrechen. Es ist schönes Wetter und schon kurz vor halb zehn Uhr haben wir die 50 km zur Nationalparkgrenze zurückgelegt.

Hier bezahlen wir 130 Pesos pro Person und bekommen dafür in gutem Englisch eine kleine Einführung und Verhaltensregeln im Park. Dazu noch eine Abfalltüte mit dem Hinweis auch die Reste, von dem was wir mitgebracht haben wieder mitzunehmen. Vorbildlich!

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Noch weitere 30 km längs des aufregenden Nordufers des Lago Brazo Rico, der nur durch den Gletscher vom deutlich größeren Lago Argentino getrennt ist. Und dann taucht ER auf. In der Ferne eine zähe Masse Schnee und Eis, die sich uns entgegenschiebt.

Bis 10.30 dürfen wir noch auf dem oberen, dem Gletscher näher liegenden Parkplatz fahren, das schaffen wir. Von dort führen verschiedene aufgestelzte Gitterrost-Wege zum Gletscher mit seiner 5 km breiten, 60 m hohen Abbruchkante, amazing!

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Wir spazieren 2 Stunden längs des Ungetüms, staunen und machen unzählige Bilder, die nicht wiedergeben können was wir sehen. Immer wieder brechen busgroße (so schreibt der Reiseführer - bei uns waren sie nur OF-EN groß) Teile ab und stürzen mit donnergrollendem Getöse in den See, amazing!

Irgendwann sind wir gesättigt von dem, auch vom Zug der Wolken bestimmten Schauspiel und treten die Rückreise an. Ein kurzer Halt am Glaciarum 6 km vor El Calafate, wo wir erfahren, dass die angebotene 3D-Gletscher-Tour für 100 Pesos / Person gerade begonnen hat. Nach der Liveshow verzichten wir auf weitere Ausgaben.

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Zurück im Ort versorgen wir uns für die zwei Weihnachtsfeiertage und wollen im Campingrestaurant das Heiligabendmenü buchen. 380 Pesos einschließlich Getränke pro Person sind dann doch zuviel, vor allem weil wir jetzt und nicht erst nach 21 Uhr Hunger haben. Ja, die Argentinier essen auch noch später.

Auch Regine und Walter sind unserer Meinung und wir ziehen in den Ort, wo unsere Ansprüche in der Pizzeria Pietro voll gestillt werden. Anschließend gibt’s noch ein Fläschchen Malbec im warmen OF-EN, ein entspannter Heiligabend.

Das Wetter am ersten Weihnachtstag macht diesen zum Arbeitstag. Wer weiß wann wir wieder ein Internet wie hier bekommen, das ein Tagebuchupdate nicht zur Nervensache werden lässt.

Unseren Lesern wünschen wir noch schöne Feiertage, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und die Kraft euch eure Träume zu erfüllen!

26. - 30. Dezember 2013 (km 110.195)

El Calafate - San Sebastian - Ushuaia

Als wir am 2. Weihnachtsfeiertag morgens um 10 Uhr in El Calafate aufbrechen, ist unser Plan heute etwa 360 km Richtung Südost bis Rio Gallegos am Atlantik zu fahren. Die Straße ist sehr gut und schon um zwei Uhr Nachmittags sind wir dort.

Argentinien Argentinien Argentinien

Der Ort bietet nicht viel und da es so gut gelaufen ist, fahren wir weitere 70 km bis zur chilenischen Grenze. Hier sind die argentinischen und chilenischen Behörden in einem Gebäude vereint und nach einer Stunde sind alle Ausreise- und Einreiseformalitäten erledigt.

Gegen 16.30 sind wir weitere 55 km gefahren und stehen in erster Reihe für die Fähre über die Magellanstraße an. Die Überfahrt, etwas mehr als 4 km ist auch bei rauem Wasser in 20 Minuten vollbracht, keine Zeit um seekrank zu werden.

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Bis Rio Grande sind es noch 175 km, höchstens 3 Stunden, lass es uns angehen. Aber schon nach 50 km auf der Insel Feuerland ist Ende mit Asphalt. Eine grobe Schotterpiste verlangsamt das Vorwärtskommen deutlich und so sind wir nach 3 Stunden erst wieder an der Grenze San Sebastian, diesmal von Chile zurück nach Argentinien.

Hier sind die Behörden wieder getrennt, zwischen den Abfertigungen liegen 14 km Schlaglöcher in Naturschotter. Inzwischen sind auch der Tank und die Reservekanister leer und wir freuen uns direkt hinter der argentinischen Grenze subventionierten Diesel für 6,02 AR$ pro Liter tanken zu können. Bei regulärem Tausch sind dies 67 €ct, nach Blue Dollar Kurs weniger als 50 €ct.

Hier in Argentinien ist die Straße auch wieder asphaltiert und da es zur Zeit ja bis fast 23 Uhr hell ist, fahren wir weiter auch noch an Rio Grande vorbei bis zu einer Polizeikontrolle (S53 51.101 W67 45.610) wo wir ein sicheres Nachtlager aufschlagen.

Inzwischen ist es kurz nach 22 Uhr, wir sind 676 km gefahren und haben zweimal die Grenze Argentinien/Chile bzw. Chile/Argentinien überschritten.

Schon um sieben Uhr am nächsten Morgen brechen wir auf, bis Ushuaia sind es nur noch 205 km. Die Straße ist gut, nur das Wetter wird immer schlechter. Hinter Tolhuin am Lago Fagnano sinkt die Temperatur auf 0°C. Leichter Schneefall und nasse Straßen hindern unseren Vorwärtsdrang. Trotzdem sind wir kurz vor 12 Uhr in Ushuaia und drehen erst mal eine Runde durch den Ort, der uns so gut gefällt.

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Leider verspricht der Wetterbericht für die nächsten Tage nichts Gutes und mit Wintercamping im Hochsommer haben wir keine Erfahrung. Glücklicherweise bietet der Campingplatz Andino (S54 48.759 W 68 21.015) neben einem traumhaften Blick über die Stadt einen gemütlichen und geheizten Aufenthaltsraum mit WiFi. Hier treffen wir Chrigi wieder und Koelbi ist auch nicht weit.

Argentinien das Ende der Welt????

Wir finden einen Stellplatz in deren Nähe und inzwischen sind auch Tina und Marco auf dem Platz. Außerdem lernen wir noch Maggi und Ruedi kennen, ein weiteres Schweizer Paar. Am Abend spazieren wir gemeinsam in den Ort hinunter, streifen zwei Museen und machen im Ramos Generalis (S54 48.480 W68 18.470) einer urigen Kneipe am Hafen eine kleine Bierprobe, bevor wir das Abendessen im Maria Lola Restó (S54 48.459 W68 18.753) einnehmen

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Dieses Restaurant liegt etwas erhöht und bietet einen wunderbaren Blick über die Stadt Ushuaia auf den Beagle Kanal. Das Essen, Lamm und Seafood sind ebenfalls sehr gut und wir genießen zu sechst den Abend, den wir bei einer Flasche Wein im Campingaufenthaltsraum ausklingen lassen.

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Samstag fahren wir alle Richtung  Parque Nacional Tierra del Fuego. Chrigi und Koelbi, die schon zwei Tage hier sind haben beschlossen, wieder Richtung Norden aufzubrechen, hier ist es einfach zu kalt.

Wir wollen erst in den Park und die südlichste Stelle der Panamerikana und unserer Reise erreichen. Kurz vor dem Parkeingang treffen wir uns dann doch wieder. Hier ist auf dem Camping Municipal (S54 49.945 W68 25.279) eine Gruppe anderer Langzeitreisender versammelt. Vor zwei Tagen hatte eine patagonische Böe Wolfram die OF-EN-Tür aus der Hand gerissen und jetzt ist das oberste Schnarnier verbogen und die Tür schließt nicht mehr 100%. Bei der Witterung hier unerträglich.

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Wolfram packt das Werkzeug aus und sofort kommt von allen Seiten guter Rat. Das verbogenen Scharnier muss gerichtet werden, dazu stellt Leo seinen Schraubstock zur Verfügung. Stefan hat gerade auch etwas an seinem 6 x 6 Allrad zu schrauben und tritt im Blaumann dazu. Da die das Scharnier haltende Schraube auch kein Vertrauen mehr einflößt, soll dieses mit zwei Nieten befestigt werden.

Wolfram steht nur noch daneben und lässt die beiden Experten wirken. So gut würde er es sowieso nicht hinkriegen. Ergänzend zu den Nieten gibt’s noch Kleber, am Ende ist die Konstruktion besser als im Neuzustand.

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Wir wollen nicht einfach weiterfahren, da ab und zu sogar die Sonne durchkommt bleiben wir auf dem weiträumigen Platz. Wenn allerdings Wolken die Sonne verdecken und es auch noch nieselt bleibt nur noch Flucht in den warmen OF-EN.

Argentinien

Sonntagmorgen dann fahren wir in den Park bis ans Ende der argentinischen RN3. „Der schönste Blick auf die bei Sonne türkis leuchtende, fjordartige Bahia Lapataia mit ihren kleinen Inseln bietet sich von einem Aussichtspunkt, den man in 5 Minuten erreicht“, so klingt es im Stefan Loose Travelhandbuch Argentinien.

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Doch uns fehlt heute die Sonne und damit fehlt mehr als das türkise Leuchten. Wir halten uns nicht lange auf, stoppen noch mal auf einem Park-Campingplatz, wo wir uns mit Andi und Andrea aus Esslingen austauschen, bevor wir gegen Mittag den Park wieder verlassen.

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Was nun?

Eigentlich ist es ja superschön hier, aber übermorgen ist Silvester und bei diesem Wetter bliebe nur der Aufenthaltsraum im Andino Camping. Oder hasten wir hinter Chrigi und Koelbi her, Koelbi wird mit Sicherheit ein Lagerfeuer entfachen, das uns die Kälte vergessen lässt.

Also los auf die Panamerikana Richtung Norden. Nach etwa 100 km durch Nieselregen und leichten Schneefall, kommt uns ein beiges Unikat mit deutschem KN-Kennzeichen entgegen. Das sind Brigitte und Gerhard, die wir aus Namibia kennen. Auch sie erkennen uns und die Fahrer steigen in die Eisen.

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Am Straßenrand sitzen wir dann im OF-EN, trinken heißen Kaffee und tauschen unsere Erfahrungen und Pläne aus. Nach einer Stunde trennen sich unsere Wege, wissend, dass wir uns wiedertreffen werden.

Gegen 19.30 Uhr sind wir in Rio Grande, wo wir den Campingplatz des Yachtclub ansteuern. Den gibt es leider nicht mehr und wir verbringen eine sichere Nacht in einer Seitenstraße im nahen Wohngebiet (S53 47.760 W67 41.052).

Am nächsten Morgen lesen wir die Backpacker Charlotte und Rodriguez auf, sie ist Französin, er Brasilianer. Die beiden haben vor ihrer Südamerikareise gemeinsam in Portugal gelebt.

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02. - 04. Februar 2014 (km 116.763) aus Chile
Uspallata - Mendoza

Die Grenzformalitäten werden in einem gemeinsamen Drive-In auf Argentinischer Seite erledigt. Als wir in das Gebäude einfahren, werden wir von einer bei 3,05 m begrenzten Durchfahrtshöhe überrascht. Wir müssen auf die Busspur wechseln, und nach einer Stunde haben wir die nötigen Stempel in den Pässen, das Einfuhrpapier für den OF-EN, und insgesamt 5 Stempel auf dem Laufpass. Erst Kilometer später in Argentinien müssen wir diesen Laufzettel abgeben. Alles ist OK, wir atmen auf.

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Vom Grenztunnel bis nach Uspallata sind es knapp 85 km. Eine farbenprächtige Strecke quer durch die Anden. Kaum einer der Berge hier ist weniger als 5000 m hoch. Der höchste von ihnen, der Aconcaqua sogar 6926 m. Er steht damit an 188ter Stelle der hohen Berge der Erde, alle 187 die höher als er sind, stehen in Asien und auf der Nordhalbkugel.

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In Uspallata drehen wir eine Runde durch den ausgestorbenen Ort. Es ist wieder mal Sonntagnachmittag und da sind erfahrungsgemäß alle Orte in Südamerika ausgestorben.

Wo sollen wir Geld wechseln oder teure Argentinische Pesos aus dem Automaten ziehen? Bis Mendoza sind es nur 130 km etwa 2 ½ Stunden auf guter Straße, lass uns das probieren! So werden aus dem Plan heute gar nicht weit zu fahre 424 km!

Aber wir werden belohnt, im Parque Suizo (S32 51.311 W68 53.814) begrüßen uns Chrigi und Koelbi, die schon seit gestern hier sind. Wir haben gerade die Erfahrungen des letzten Monats ausgetauscht, als noch ein deutsches Auto auf den Platz rollt. Erst als Edelgard und Gerd aus dem H–ZJ ... Toyota aussteigen, erkennen wir auch das Fahrzeug wieder.

Wir hatten uns Ende letzten Jahres im NP Terra Del Fuego getroffen und ein paar Minuten verplappert. Die Runde wird erweitert und die große Reiserfahrung der Neuankömmlinge wird sichtbar: 98 Länder dieser Erde, davon 94 mit dem eigenen Fahrzeug alles in den letzen 45 Jahren. Zunächst während des Arbeitslebens in zusammengesparten 3-Monatsurlauben und mit kleinen Kindern. Jetzt sind die beiden pensioniert und reisen viel entspannter. Sie sind schon zum zweiten Mal in Südamerika und haben viele Geschichten drauf.

Montag Morgen nehmen wir Chrigi, die einkaufen will mit nach Mendoza. Nach vielen Runden durch die überfüllte Innenstadt auf der Suche nach einem Parkplatz lassen wir sie aussteigen, bevor die Geschäfte für die Mittagspause schließen. Dann haben wir Glück und finden einen zentralen Parkplatz. Nur wenige Schritte sind es bis in die Avenida San Martin, wo wir einen Geldwechsler suchen. Der findet uns dann auch bald und bringt uns in eine ganz offizielle Wechselstube, wo wir für den USD 11,5 ARG Pesos bekommen. Der offizielle Kurs liegt derzeit bei 8 ARG Pesos.

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Mit Geld ausgestattet fühlen wir uns gleich wohler und die ersten Pesos werden auf die Sim-Card geladen. Jetzt können wir wieder angerufen werden, denn auch dafür muss die Prepaid-Karte aufgeladen sein. Anrufe nach Europa mit dieser Telefonkarte sind gar nicht möglich.

Den Nachmittag und Abend verbringen wir dann wieder in bekannter gemütlicher Runde. Thema sind Autos und Bücher. Iris backt Brot und Kuchen, das Wetter ist zwar nur bedeckt bei 25 °C, aber es gefällt.

Am nächsten Tag brechen die beiden anderen Paare auf, Edelgard und Gerd nach Westen. Heute soll’s hier 34°C heiß werden und Edelgard will in die Berge. Chrigi und Koelbi ziehen weiter nach Norden.

Bevor wir Richtung Cordoba aufbrechen ist ein Tagebuchupdate angesagt.

05. – 12. Februar 2014 (km 117.199)
Mendoza - PN Talampaya - Cordoba

Am Mittwoch brechen wir auf mit dem Ziel eines der vielen Weingüter der Mendoza-Region zu besuchen. Der Stefan Loose Reiseführer beschreibt die Bodega der Familia Zuccardi als "Technisch innovative, aber auch sehr besucherfreundliche Kellerei mit besonderem Faible für die Tempranillo-Traube, die für interessante Verschnitte mit Malbec und Merlot genutzt wird".

Diese Beschreibung weckt Wolframs Interesse und wir versuchen das Weingut anhand der Karte im Reiseführerr zu finden. Aber erst nachdem wir die Website der Familie aufrufen, auf der exakte GPS-Koordinaten veröffentlicht sind, finden wir das keinesfalls kleine Gut (S32 58.150 W68 34.008). In der Casa Visitante wird uns ein 3-Gänge Mittagsmenü inkl. Wein für 320 AR$ / P. (nach offiziellem Kurs rund 32 €, nach von uns bevorzugten Kurs rund 20 €) angeboten.

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Sicherlich günstig, aber so richtig schlemmen wollen wir um diese Zeit noch nicht. Also lassen wir uns 1 ½ Kilometer weiter in die Villa Santa Julia fahren, vorbei und durch riesige Weinrebenfelder. Hier bekommen wir zwei Vorspeisen und zwei Hauptgerichte für 275 AR$ und dazu gibt es je ¼ Tempranillo Jhg. 2010 (6 €), ¼ Syrah (2011) und ¼ Malbec (2012),  jeweils 3.50 €. So lässt es sich leben!

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Nach 1 ½ Stunden entscheiden wir, jeweils zwei Flaschen der probierten Weine und eine halbe Flasche besten Olivenöls (4,40 € n.b.K.) mitzunehmen um diesen wunderbaren Nachmittag noch ein paar Mal in Erinnerung rufen zu können.

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Zurück in Mendoza schauen wir uns Camping Churrasqueras del Parque an. Hier werden 250 AR$ im Gegensatz zum bekannten El Suizo 150 AR$ für die Nacht aufgerufen, und Suizo (S32 51.311 W68 53.814) siegt.

Das ist gut so, denn am nächsten Morgen können wir auf dem Platz den Belgier André, unterwegs mit Frau Monique im Bimobil auf Iveco Allrad begrüßen. Außerdem Manfred und Begleiterin Marieluise im Phoenix Camper, ebenfalls auf Iveco.

Wir plaudern ein bisschen und beschließen die Abreise einen Tag zu verschieben. Der ganze Tag wird verquatscht mit diesen superinteressanten Menschen. Beide Paare hatten bei der Überquerung des Passo Negra (4765m) Schwierigkeiten mit ihren Autos und waren schon bei Iveco / Mendoza, wo man nicht helfen konnte. Andrés Katalysator ist außerdem mit dem südamerikanischen Diesel nicht zufrieden und die Maschine ist auf Notlauf geschaltet.

Für die Iveco Leute in Mendoza ist Katalysator noch ein Fremdwort. Also baut André den Kat aus, um den Filter aufzubohren. Leider können wir über das Ergebnis nicht berichten. André war Hubschrauber Pilot bei der belgischen Arme, ob das für Katalysatoren qualifiziert?

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Da André mit seinem Auto beschäftigt ist, sind es überwiegend Marieluise und Manfred, mit denen wir uns unterhalten. Die beiden haben sich für diese Reise über eine Partnervermittlung gefunden. Sie hatten sich 4 Stunden gekannt bevor sie die drei Monatstour im Reisemobil durch Patagonien angetreten haben.

Mutig, aber beide sind erwachsen (63 + 68 Jahre) und es funktioniert. Manfred hatte mit 50 seine Firma verkauft und war 12 Jahre mit einem Hightech Segelboot, meist allein um die Welt gesegelt. Jetzt will er, nachdem er die Küsten kennt, auch das Landesinnere kennenlernen und war im vergangenen Jahr mit dem WoMo von Deutschland bis Singapur gefahren. Jetzt ist Südamerika angesagt.

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Als wir uns am nächsten Morgen dann verabschieden, sind wir sicher, dass wir Manfred, der eine ähnliche Route wie wir geplant hat wiedersehen werden. Zunächst will er aber nach Buenos Aires, von wo Marieluise wieder nach Deutschland fliegt, während wir 280 km nach Norden über San Juan bis San José de Jachal fahren. Dort installieren wir uns im Camping Los Hornos (S30 15.308 W68 44.828), essen zu Abend und planen die kommenden Tage, als um 20 Uhr ein DJ die ersten Töne auflegt.

Die Musik ist nicht schlecht, aber so laut, als würden nebenan die Original-Musiker mit ihrem Auftritt Tausende beschallen wollen. Aus der Erfahrung, dass die Argentinier bis 3 Uhr und länger feiern, fragt Iris lieber mal bei der Patronin. Ja, das wird die ganze Nacht so gehen. Wir bekommen unsere 60 AR$ wieder, verabschieden uns wohlverstanden und fahren 35 km nach Osten, Richtung Parque Ischigualasto. Hier finden wir am Rand der nagelneuen, kaum befahrenen Straße einen ruhigen Platz und eine ebensolche Nacht.

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Ohne Frühstück fahren wir los, weil schon in 100 km der Park ist und wir dort nach Buchung der Rundtour sicher Zeit finden werden ein Frühstück nachzuholen. Aber nach 60 km stoppt uns eine Schranke. Die Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt, was wir auch schon gehört hatten. Aber heute ist Samstag und an Wochenenden soll die Straße offen sein. Wir werden aufgeklärt, das sei mal im Juli und August so gewesen, aber zur Zeit werde die Wochenenden durchgearbeitet.

Da hilft keine Diskussion, wir müssen umkehren, was einen Umweg von 360 km (!) bedeutetet, statt der noch 40 km von hier. Alles nicht so schlimm, weil nach 280 km der Eingang zum National Park Talampaya (S29 47.074 W67 59.625) liegt, den wir ja auch besuchen wollen. Vorher noch ein kurzer Tankstop in Villa Union und Erkundigungen bei der Touristinfo.

Im Park Talampaya buchen wir eine 2 ½ Stunden Rundtour für 430 AR$ im geschlossenen, klimatisierten Minibus; es ist hier 37 °C heiß. Wir haben Glück und sind die einzigen Fahrgäste. Die anderen Parkbesucher haben den große Overlandbus gebucht, wohl wegen der besseren Aussicht vom Oberdeck.

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Wir machen fünf mal Halt auf der Tour, mit jeweils 15 Minuten Fußmarsch, was bei der Hitze völlig ausreicht.

Stationen in der Wüstenlandschaft  sind Felsmalereien, eine Oase gespeist von einem unterirdischen Fluss, diverse Felsformationen, Kathedrale, Mönch, Turm und je nach Fantasie vieles andere mehr.

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Wenn wir auch manchmal ans Türkische Kapadokien oder an den Namibischen Brandberg erinnert werden, so richtig mithalten können die Argentinier da nicht. Trotzdem sind wir voll zufrieden mit der Tour und sehen im Park Talampaya eine weiteres Highlight unserer Argentinienreise.

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Wenn wir schon in der Nähe sind, wollen wir aber doch den Park Ischigualasto – Land ohne Leben in der Ketschua Sprache -  besuchen. Wir fahren noch die restlichen 80 km bis zum Ziel (S30 09.7870 W67 50.539), zu dem wir am Morgen aufgebrochen waren. Morgen Früh wollen wir gleich mit dem ersten Konvoi in den Park fahren, der den 40 km Parcour mit Parkwächter-Begleitung angeht.

Dazu kommt es aber leider nicht. In der Nacht entlädt sich ein Tropengewitter, wie wir noch keines mitgemacht haben. Von Blitzen, Donner und Sturmböen begleitet, ergießen sich Wassermassen abgewechselt von Hagelschauern; und das über etwa 1 ½  Stunden. Der Morgen ist trüb und der lehmige Boden von Pfützen übersäht. Autoreifen sind sofort schlammverklebte Slicks und kommen auf dem glitschigen Boden nicht voran. Man will warten, was die Sonne leisten kann und eventuell am Nachmittag eine Tour wagen. Das wollen wir nicht und brechen auf Richtung Osten, Cordoba.

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Wir haben etwa 20 km mit 3! Flussdurchfahrten hinter uns, als ein reißender Strom den OF-EN endgültig stoppt. Wir waren die Strecke ja schon am Vorabend gefahren, da war hier alles trocken. Jetzt ergießen sich immer wieder Wasserströme über die Straße. Vor dem wir jetzt stehen, stehen noch andere, auch 4x4 Fahrzeuge und wir trauen uns auch nicht. Wollen wir hier warten, bis die Fluten nachlassen?

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Iris hat die Idee eine Umfahrung zu probieren. letztlich sind es dann 170 km bis Patquia, statt der geplantren 85. Aber die sind unterhaltsam, weil ein bisschen abenteuerlich. Immer wieder geht es durch Flüsschen, einmal dürfen wir einen einheimischen PKW aus dem Schlamm schleppen, dann sind wir mal der erste, der es wagt durch einen Fluss zu fahren und die Fahrer der abwartenden Autos heben anerkennend den Daumen.

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Bis Chamical fahren wir 260 km in "nur" 6 Stunden. Hier gibt es einen Lunch und auf trockenen Straßen geht’s weiter bis ins urige Cruz del Eje. Dort ist der Campingplatz  an der Staumauer verwaist, die Straßenränder von Wochenendausflüglern zugeparkt, ebenso wie der näher am Ort liegende Campingplatz.

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Im Ort werden wir dann von einem PKW gestoppt, dem zwei blonde Jugendliche aufgeregt entspringen. Fin und Caro hatten unser Auto schon an der Staumauer gesehen und jetzt wollen die beiden Austauschschüler erfahren, wie ein OF-EN sich nach Cruz del Eje verirrt. Wir tauschen uns ein bisschen aus, bevor wir ins Val de Punilla nach Süden abbiegen.

Einen ansprechenden Campingplatz (S30 51.768 W64 29.881) finden wir am Fuße des Cerro Uritorco, mit 1979 m der höchste Berg der Sierras Chicas. Die Menschen, die hier campen, gehören der Alternativen Szene an und unterstreichen das mit langen bunt gefärbten Haaren, Dreadlocks und ausgefallener Kleidung. Räucherstäbchendüfte wabern durch die Luft, alle sind absolut ruhig und entspannt und wir fühlen uns wohl hier.

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Geweckt werden wir am Morgen von Vogelgezwitscher, was auch sehr angenehm ist. Iris leistet ihren Beitrag mit Brotbacken, was der Luft ein zusätzliches Aroma gibt. Es ist richtig schön hier, nur die Sanitäranlagen können nicht mit halten. Gestank, kaltes Wasser und versiffte Fliesen holen uns von der Wolke. Wir packen in Ruhe und ziehen weiter ins Tal Richtung Villa Carlos Paz. In Cosquín finden wir endlich die an Wohnmobilen geforderten Aufkleber, 90 km/h und zwei rote 50 cm lange Balken, die beide reflektierend das Heck zieren müssen.

Bisher hatte uns noch niemand danach gefragt, aber Ende der Woche werden wir nach Paraña kommen, wo die Polizei angeblich darauf lauert unbestückte, ausländische WoMos abzuzocken. Wir müssen uns nur noch einen Landesaufkleber ALEMANIA basteln, den mit den arabischen Schriftzeichen wird man hier wohl nicht anerkennen !

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Nach 80 km Tagesetappe sind wir auf dem ACA Platz (S31 24.115 W64 28.202) in Villa Carlos Paz. Mit unserem ADAC Ausweis reduzieren wir die 132 AR$ Gebühren um 36AR$ und freuen uns über das Schnäppchen. Der Platz ist riesig und so können wir Abstand zu den Nachbarn halten. Der Zugang zum Lago San Roque ist durch eine Zaun und eine Straße erschwert, der Straßenlärm wird vollständig von Vogelgeplärr übertönt.

Villa Carlos Paz ist der bei den Argentiniern nach Mar Del Plata und Bariloche drittbeliebteste Urlaubsort. Da muss es noch einiges zu sehen geben, aber wahrscheinlich im Umland. Die Beliebtheit von Bariloche und Umgebung können wir nachvollziehen, die Stadt, die wir heute durchfahren haben lässt da noch viel erwarten.

Als Wolfram am Abend die Rezeption mit WiFi Verbindung besuchen will, kommt ihm ein deutsches WoMo entgegen, Marieluise und Manfred. Die Freude ist groß, der Abend wird lang.

Nachdem wir am nächsten Morgen unsere Kommunikations-Pflichten mit der Heimat erfüllt haben, fahren wir am Nachmittag gemeinsam mit dem Bus nach Cordoba. 36 Km für 19 AR$ pro Person im klimatisierten Reisebus, Abfahrt direkt vom Eingang des Campingplatzes.

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Zunächst erkunden wir die Großstadt zu Fuß, Mercado Norte, Iglesia Cathedral de Cordoba, Cabildo Historico, das alte Rathaus mit der Touristinfo und Manzana Jesuitica de Cordoba, alles liegt in kurzer Umgebung von der zentralen Plaza San Martin.

Argentinien Argentinien Argentinien Um 18 Uhr geht's dann weiter mit einem Doppeldeckerbus, von dessen Oberdeck wir einen größeren Teil der Millionenstadt erkunden können.

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Durstig und hungrig stürmen wir um 19.30 Uhr La Parilla de Raul (S31 25.229 W64 11.2216), werden aber auf 20.30 Uhr vertröstet, vorher isst keine Argentinier. Als wir dann nach einem Bier um die Ecke mit deutscher Pünktlichkeit um 20.30 Uhr einen zweiten Anlauf nehmen sind wir lange Zeit die einzigen Gäste. Für 130 AR$ (12 €) Parilla (Gegrilltes), all you can eat, einschließlich riesigem ausgefallenen Salatbuffet, der Hunger ist schnell gesättigt. Trotzdem, das nächste Mal werden wir Lomo (Steak) wählen, das Gegrillte besteht aus Würsten , Sparerips und recht fetten Schweine- und Beefteilen, von denen man nicht viel essen mag.

Um 23 Uhr nehmen wir den Minibus vom Mercado Sud (S31 25.243 W64 11.051) zurück nach Villa Carlos Paz, wo wir müde in unsere Betten fallen.

13. – 18. Februar 2014 (km 118.631)
Cordoba - Paraná - Pueblo Liebig - Gualeguaychú

Donnerstag den 13.2. starten wir von Villa Carlos Paz nach Osten. Die RN19 ist meist autobahnähnlich ausgebaut und kostenpflichtig. Wir kommen gut voran, durch kleine Orte mit großen Namen, wie San Francisco.

Santa Fé durchfahren wir und unterqueren den Río Paraná in einem Tunnel nach Paraná. Hier sind wir mit Marieluise und Manfred verabredet. Am Touristoffice erfahren wir vom gerade stattfindenen Mate-Festival und wo wir einen Campingplatz und Supermarkt finden.

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Auf dem zunächst gewählten Rasenstellplatz im einfachen Camp Municipal (S31 42.233 W60 28.829) werden wir von Moskitos angefallen und flüchten schnell auf den aspahaltierten Parkplatz des Camps, wo wir gemütlich den Abend im Freien ausklingen lassen können.

Auch am nächsten Tag ist Strecke angesagt. Auf der RN18 geht es weiter nach Osten. Im kleinen Ort Salvador machen wir eine Pause, tanken Geld und Diesel und essen ein MEGA-Eis, bevor es 30 km Richtung Südost bis Ubajay geht. Von hier sind wir bald im Camp Aurora Del Palmar, wo organisierte Ausflüge in den Parc National El Palmar angeboten werden.

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Allerdings spricht uns keines der Angebote Reiten, Bootstour oder Safari an und wir fahren weiter zur Info des Parks, wo wir wieder entscheiden weiterzufahren. Wir hatten in Argentinien jetzt schon reichlich attraktive Parks besucht und aussterbenden Yatay-Palmen, Nandus und giftige Grubenottern sind uns kein Geld wert.

Erst nördlich von Colon im kleinen Ort Pueblo Liebig schlagen wir unser Bushcamp (S32 09.139 W58 11.266) auf, traumhaft und direkt am Río Uruguay. Bei klarer Vollmondnacht sitzen wir lange draußen und erst, als wir gegen 22 Uhr in unsere Camper gehen, beginnt die rhythmische Live-Musik in der benachbarten Strandbar.

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Iris steht gegen halb zwei Uhr wieder auf und mischt sich unter die tanzenden und feiernden Argentinier. Die junge Rhythmusgruppe macht wirklich mitreisende Musik. Die Virtuosität des Sängers begeistert weniger.

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Samstag ist unser Ziel Gualeguaychú. „... findet hier im Februar eine der ausgelassensten Karnevalsfeiern des Landes statt, wo dann junge Leute mit nacktem Oberkörper herumlaufen, die sich wirklich sehen lassen können“, so schreibt der Lonely Planet Reiseführer; genug Grund den kleinen Ort zu besuchen. Zunächst lassen wir im Ort unsere Gasflasche auffüllen (S33 00.562 W58 31.033), 5 kg für 4,80 € und fahren dann zur Touristinfo, die alles zum Karnevalsumzug erklären kann.

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Im Ort gibt es den eingezäunten Corsodromo (S33 01.062 W58 31.202), wo am Nordeingang auch die Eintrittskarten zu kaufen sind. Grundsätzlich werden 150 AR$ fällig, um auf das Gelände zu kommen. Für die Tribünensitzplätze sind je nach Lage nochmals 50-100 AR$ zu zahlen. Die VIP-Plätze kosten 660 AR$ und wir haben nicht mal gefragt, was man alles dafür bekommt.

Der schöne Campingplatz Punta Sur (S33 00.513 W 58 29.285) liegt etwa 8 km außerhalb, wo wir zwei traumhafte Stellplätze direkt am Río Gualeguaychú belegen (200 AR$ /Fahrzeug und Nacht).

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Der Umzug beginnt um 22 Uhr und soll bis 3 Uhr morgens dauern. Um 21.30 Uhr fahren wir mit dem Taxi auf das Gelände und was wir dort dann erleben ist grandios. Leider können die Bilder all dies nicht wieder geben: Farben, Kostüme, wunderschöne fast nackte Menschen,

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Rhythmen, vibrierende Hintern, unglaublich! Zu den Kostümen ist noch zu erwähnen, dass manche Keuschheitsgürtel der Damen keine Gürtel sind und die Teile nur mittels Dübeltechnik Halt gefunden haben können. (so Wolframs Erkenntnis!)

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Erschöpft rufen wir gegen halb vier Uhr unseren Taxifahrer an, der uns zurück ins Camp bringt. Auch um elf Uhr am nächsten Tag sind wir noch nicht ausgeschlafen und vertrödeln den Sonntag ohne große Aktivitäten. Ein bisschen Planung für die kommenden Tage, Manfred und Marieluise werden nach Buenos Aires weiterfahren, wir Richtung Uruguay. So ist am Montagmorgen Abschied angesagt. Wir gehen auf die RN136 und fahren nach 40 km über den Río Uruguay.

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20. – 25. April 2014 (km 128.901) von Bolivien
Grenzort:La Quiaza - Humauaca - Jujuy - Salta - Cafayate

Die Einreise in Argentinien dauert wieder etwas länger. Der das Zollpapier für den OF-EN bearbeitende junge Beamte spricht Englisch und so ist auch diese Hürde bald geschafft. Noch eine Besichtigungsrunde durch den OF-EN, dann noch für 30 Pesos die Reifen desinfizieren und wir können unsere Reise fortsetzen.

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In Argentinien heißt die Grenzstadt La Quiaza, von hier bis Humahuaca sind es auf brauchbarer Straße noch 160 km. Dort finden wir im einfachen Camping Bella Vista (S23 12.153 W65 20.715) einen Stellplatz und machen uns zu Fuß auf in den urigen Ort. Es ist Ostersonntag, die meisten Geschäfte in Humahuaca sind geschlossen.

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Nur die Marktbuden der Indios bieten unter Panflötenklängen viel Handgemachtes. Im gemütlichen und sehr stilvollen Restaurant Ser Andino (S23 12.248 W65 20.893) finden wir neben exzellentem Abendessen auch noch schnelles WiFi zum Skypen.

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Ostermontag scheint hier kein Feiertag zu sein und im netten Tilcara, 45 km südlicher finden wir alle Läden geöffnet, dazu noch einen Markt mit ähnlichen Strickwaren wie wir sie schon in Humahuaca bestaunen konnten.

Hier im Nordwesten Argentiniens liegt der Anteil der indigenen Bevölkerung beinahe bei 80% und wenn uns dieses Land bisher schon sehr gut gefallen hat, hier finden wir das Südamerika, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Von Tilcara bis San Salvador de Jujuy sind es nur noch  80 km. Die RN9 führt hier durch die Quebrada de Humahuaca, die auch „Schlucht der Farben“ genannt wird. Form und Farben der Felswände längs des Río Grande, der derzeit kein Wasser führt sind umwerfend. Es sieht aus, als würde die Erde hier ihren Mantel mit dem bunten Innenfutter nach außen tragen.

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Der Ort Jujuy selbst spricht uns nicht besonders an. Als wir auch noch feststellen, dass der Campingplatz El Refugio (S24 07.071 W65 24.240) nicht wie im Reiseführer beschrieben 3 km westlich der Innenstadt liegt, sondern 13 km, sind wir noch weniger begeistert. Wir waren auf der RN9 vorbeigefahren und müssen uns jetzt zunächst durch die Stadt und dann durch eine Baustelle im Feierabendverkehr zurückquälen. Der so strahlend und farbenprächtig begonnene Tag endet dann auch noch bewölkt mit Nieselregen.

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Am nächsten Morgen begrüßen wir unsere Nachbarn auf dem Campingplatz, die erst in der Dunkelheit am Vorabend angekommen waren. Dalia und Ilan aus Israel hatten ihren Westfalia-VW von Nordamerika nach Chile verschifft und sind jetzt ebenfalls auf dem Weg nach Norden. Wir werden uns sicher noch öfter über den Weg fahren.

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Die etwa 140 km nach Salta führen teils durch üppigen Regenwald und das gepflegte Sträßchen ist meist nur für beide Fahrspuren 4 m breit. Der Verkehr ist recht gering und so können wir die Fahrt trotzdem genießen.

In Salta ist Camping Municipal Carlos Xamena (S24 07.071 W65 24.240 ) schnell gefunden und wir können Melanie und Werner – na klar aus der Schweiz – begrüßen, die von Nordamerika bis hier her gereist sind. Dazu kommen noch die Kanadier Claudia und Curt, mit denen wir auch gleich in Richtung Innenstadt aufbrechen.

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Der Bus 3D fährt direkt an der Einfahrt zum Campingplatz ab und bis ins Zentrum. Von der Plaza 9 de Julio spazieren wir zur Talstation der Gondel, die auf den Hausberg Cerro San Bernardo führt. Von hier hat man einen herrlichen Ausblick über Salta und in das Tal, durch das wir gekommen sind. Claudia und Iris nehmen die 1000 Stufen zurück in die Stadt, während Curt und Wolfram ihre Glieder ;-) schonen.

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Der Weg zurück zur Plaza bietet auch noch genug Bewegung. Dort hat inzwischen die Iglesia Catedral ihre Pforten geöffnet. Der Prunk dieses Gotteshauses ist überwältigend und lässt uns Menschen mickrig wirken. Wie Gottes Vertreter auf Erden der bescheidene Argentinier Papa Francisco das wohl sieht?

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Wir schaffen es noch gerade zurück auf den Campingplatz, bevor es zu regnen anfängt. Dafür beginnt der nächste Tag recht freundlich und wir brechen auf, um Gas für den OF-EN zu suchen. Die erste Füllstation ist geschlossen, die zweite hat kein Gas. Da es noch nicht wirklich dringlich ist, verschieben wir das Auffüllen.

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Dafür fahren wir zu Mercedes (S24 49.018 W65 25.518) um dort noch mal nachsehen zu lassen, warum die Anzeige für die Glühkerzen immer noch zum Werkstatbesuch auffordert. Die Mittagspause ist um 13.30 Uhr zuende, aber der Boss muss entscheiden, wie mit uns umzugehen ist. Er soll erst um 14 Uhr aus der Pause kommen, tatsächlich wird es 14.20 Uhr und wir werden jetzt erst mal registriert und mit Kaffe versorgt. Um 15 Uhr darf Wolfram dann den OF-EN  vor die Werkstatt fahren, wo allerdings noch kein Arbeitsplatz frei ist. Eine halbe Stunde später, dann wieder zurück auf den Parkplatz, weil der OF-EN in der Einfahrt zur Werkstatt stört.

Nach einer weitern halben Stunde ist dann ein Platz an der Diagnoseeinheit frei. Ein junger Mechaniker stellt mit Hilfe des Computers fest, es ist alles in Ordnung, dies müsse nur noch der Elektronik des Fahrzeugs vermittelt werden. Nach mehreren Fehlversuchen tritt tatsächlich kein Fehler mehr auf und wir dürfen nach 3 ½ Stunden und Zahlung von 560 Pesos (42 € nach derzeitigem Blue Dollar Kurs) den Heimweg antreten. Wolfram ist etwas geknickt, sein dicker Bauch hat kein gutes Gefühl.

Erst nach einer Füllung mit Gegrilltem und einigen Bier in angenehmer schweizer und kanadischer Gesellschaft entspannt er. Am nächsten Morgen zeigt sich dann, wie recht das Bäuchlein hatte. Die Kontrolllampe strahlt ihn wieder an. Trotzdem fahren wir nicht mehr in die schlechteste aller bisher besuchten Mercedes Werkstätten.

Unser Weg soll ins 2.280 m hoch gelegnen Cachi führen. Doch 35 km südlich von Salta, wo der Weg dorthin nach Westen abzweigt, entscheiden wir wegen des diesigen Wetters diese Tour zu verschieben. Wir bleiben auf der RN68 und fahren weiter Richtung Cafayate, dem 360 Sonnentage im Jahr nachgesagt werden.

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Etwa auf halber Strecke dorthin beginnt das Quebrada de Cafayate. Wenn wir zunächst glauben die Felsformationen dieses Tals könnten mit den vorgestern bestaunten nicht mithalten, müssen wir unsere Meinung bald revidieren. Die Formen des "Garganta del Diabolo", des "Anfiteatro " und von "El Obelisco" lassen uns anhalten und versuchen diese Naturkulisse auf Fotos festzuhalten.

In Cafayate, der zweiten Weinhauptstadt Argentiniens nach Mendoza, suchen wir von soviel Naturschönheit ermattet den Camping Luz y Fuerza auf (S26 04.858 W65 58.611). Kurz nach uns kommen Carolin und Adrian ins Camp. Sie aus Berchtesgaden, er aus der Schweiz. Die jungen Leute sind in Kanada gestartet, wo sie sich in Britisch Columbia ein Auto gekauft haben und zunächst in Kanada nach Norden bis Inuvik gefahren und von dort zu ihrer Südtour aufgebrochen sind. Die beiden so sympathischen neuen Freunde sind ebenfalls schon drei Jahre unterwegs und der gemeinsame Grillabend ist wieder mal sehr kurzweilig. Als Iris nachts so gegen 0 Uhr wieder aufsteht um wieder mal einer Musik zu folgen hat sie endlich Gelegenheit an einer Peña teilzunehmen. Man tanzt Jakaré. Aufgewühlt und begeistert kann sie nach einer Stunde wieder zum OF-EN zurückkehren.

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Der Versuch am nächsten Morgen in Cafayate die Gasflasche gefüllt zu bekommen scheitert kläglich, da in der einzigen Füllstation die passenden Adapter für unsere europäische Flasche nicht gefunden werden wollen!. Wahrscheinlich müssen wir auf unserer in den nächsten Tagen geplanten Tour nochmals einen Abstecher nach Salta machen, um nicht ohne Gas über die Anden nach Chile zu fahren.

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Im Ort können wir bei Juliette (S26 04.403 W65 58.720) wenigstens die Wäsche waschen lassen und in einer Vinotec den Weinvorrat auffüllen. Auch Adrian erledigt hier in den vielen kleinen Lädchen einige Einkäufe und wir verabreden den gestrigen Grillabend zu wiederholen. Diese Aussichten motivieren wieder und wir nutzen den Schwung um die vergange Woche im Tagebuch festzuhalten.

26. – 30. April 2014 (km129.668)
Cafayate - Cachi - Jama - nach Chile

Nach einem weiteren schönen Grillabend müssen wir uns von unseren neuen Freunden wieder verabschieden. Sie sind auf dem Weg nach Osten, später weiter nach Süden. Wir werden in den nächsten Tagen weiter Richtung Norden fahren.

Während wir die Zeit im Camp für weitere Arbeiten am Tagebuch nutzen, fahren Melanie und Werner auf den Platz. Sie waren von Salta nach Cachi gefahren und sind deswegen erst jetzt in Cafayate.  Die Begrüßung ist herzlich, ein weiterer Grillabend mit Reisegefährten in Sicht.

Leider ist das Internet in dieser Region so träge, dass wir zwar  Mails empfangen und schreiben können, das Upload des Tagbuchs muss auf eine bessere Verbindung warten.

Sonntags spazieren wir gemeinsam nach und durch Cafayate. Wir müssen uns für den 4. Grillabend in Folge eindecken. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher ins Weinmuseum, das mit tollen Illustrationen auf Spanisch und Englisch über den höchst gelegenen Weinanbau der Erde in dieser trockenen Lage berichtet.

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Mit Melanie tauschen wir Bücher und sind alle glücklich wieder frischen, spannenden Lesestoff zu haben. Sofort vertiefen wir uns in das neue Material. Am Abend zum Grillierten gibt es verschiedene Weine der Region und Reisegeschichten.

Montag morgen verabschieden wir uns von Melanie und Werner, holen in Cafayate die Wäsche von Julietta (S26 04.403 W65 58.720) und lassen uns auf einen dritten vergeblichen Versuch zum Erwerb von Gas ein.

Dann geht’s auf die RN40 Richtung Cachi. Zunächst 25 km bis San Carlos auf sehr guter Straße. Dort sprechen wir zwei Männer auf der Straße an und fragen nach Gas. „Ja hier gibt es Gas!“ „Wo denn?“ „Ja, hier bei uns!“( S25 53.606 W65 55.709) Unglaublich, die beiden wollen auch helfen. Wir bauen die Flasche aus, zeigen unsere Adapter und Wolfram folgt in die Garage.

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Dort wird noch ein Gasschlauch angepasst. Alles nicht so einfach, wie es jetzt beschrieben ist, aber die beiden sind virtuos und wollen. Also klappt’s auch. 3 kg Gas fließen aus einer großen hochgestellten Flasche in unsere kleine. Dafür zahlen wir 50 AR$ (3,75 € nach BlueDollarKurs) und Iris kann wieder backen und kochen.

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Die Piste, die 5 km hinter dem Ort beginnt ist brauchbar, die Landschaft grandios. 80 km weiter machen wir einen Abstecher in den malerischen Ort Molinos, wo wir uns bei El Rancho ein lokales Mittagessen gönnen und anschließend Fotos schießen. Zurück auf der RN40 verwöhnt uns die Gebirgslandschaft weiter mit ihren Farben und Skulpturen.

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Auch der Ort Cachi ist freundlich und auf dem Camping Municipal  (S25 07.303 W66 10.054 ) finden wir einen sicheren Stellplatz mit warmen Duschen, 25 AR$/nacht/P. Iris erledigt noch ein paar Einkäufe fürs Abendessen und genießt danach den Sonnenuntergang auf dem Hausberg mit herrlichem Blick auf den Ort und die weite Landschaft.

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Von Cachi nach San Antonio de los Cobres sind es 145 km, zunächst auf schneller Piste. Dann aber geht’s in die Höhe bis nahezu 5000 m ü.N.N.. Die Straße wird immer enger, bleibt aber gut befahrbar.

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Mit dem vereinzelten Gegenverkehr findet man(n) immer schnell eine Lösung. Einer muss immer zurück bis zur nächsten kleinen Bucht, die es erlaubt den anderen passieren zu lassen. Auch hier ist die Landschaft wieder erstaunlich.

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Von San Antonio geht’s dann auf der RN51 nach Westen. Die Straßenverhältnisse hier zehren an Material und Nerven. Ob der Abstecher, 10 km hinter San Antonio auf der RN40 nach Norden zum Eisenbahnviadukt sich lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Wir machen ihn, knapp 13 km eine Richtung auf schlechtem Geläuf.

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Auch nach Rückkehr auf die RN51 wird die Straße kaum besser, das Abenteurer beginnt aber erst, als wir über die RP37 auf die RP70 nach Norden abbiegen. Meist ist diese Regionalstraße nur eine Spur, die sich im Wüstensand vermuten lässt oder Wellblechuntergrund. Als die Dunkelheit einbricht, fahren wir in der Nähe des Salzsees Salar Cauchari nur ein paar Meter von der Straße ab und schlagen unser Nachlager (S23 44.936 W66 48.280) in 3.960 m Höhe auf. Trotz überwältigendem Sternenhimmel finden wir beide nur wenig Schlaf. Ist es die dünne Luft? Aber wir haben ja zu lesen.

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Am Morgen, es ist -3,5°C kalt, zeigt uns auch Mercedes, dass sie mit der dünnen Luft ihre Schwierigkeiten hat. Es dauert etliche Startversuche, bis der Motor endlich läuft. Aber unsere Mercedes lässt uns nicht im Stich und wir können die restlichen 17 km Wüste bis zur RN52 unter die Räder nehmen. Auf nagelneuer Asphaltdecke geht’s dann weiter zur Grenzstation in Jama auf 4.200 m Höhe.

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Wir vertanken die restlichen Argentinischen Pesos , bevor wir die Ausreisestempel beantragen und das Fahrzeugpapier dem Argentinischen Zoll zurückgeben.

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