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Ägypten
21. - 23. Juli 2011 (25.953 km) Ägypten

Gegen 22.30 Uhr brechen wir auf zum 2 km entfernten Hafen in Aqaba. Zur Einstimmung auf die bekanntermaßen sehr langwierigen Grenzformalitäten an der Ägyptischen Grenze dürfen wir schon mal eine Stunde Schlange stehen für die Ausreise aus Jordanien.

Ausreise Jordanien:

Einreise Ägypten an Bord der Fähre:

Wir sind auf einem Schiff voller Araber, 2 ½ Südafrikaner (Anneke ist ja in London geboren, deshalb zur Hälfte Große Britin) und zwei Deutsche. Die Foreigners dürfen in die VIP- und Familienlounge. Diese ist natürlich klimatisiert oder besser tiefgekühlt.

Wir hatten die letzten Tage mit Temperaturen über 35°C und Wassertemperaturen im Pool von 32°C leben müssen. Entsprechend leicht sind wir geschürzt und die 18°C lassen uns schaudern. An Schlafen ist nicht zu denken. Den Sonnenaufgang über Saudi Arabien verfolgen wir dankbar vom naturwarmen Oberdeck.

zoll zoll zoll

Bis wir dann endlich im Hafen anlegen ist es fast 7 Uhr, bis wir von Bord kommen 8 Uhr.

Jetzt beginnen die Ägypten-Einreiseformalitäten, die ein freundlicher Einheimischer gegen Zahlung von 100 £E pro Fahrzeug (rund € 12,50) für uns erledigt. Nach ca 3 Stunden ist alles erledigt. Der freundliche ägyptische Helfer fordert noch ein bisschen Nachschlag für die "CIA", dem geben wir nicht nach. Alles in allem hat uns der Grenzübertritt 1170 £E (ca. € 150) gekostet.

£E 535 Straßengebühr
£E 200 Autoversicherung
£E 75 CIA
£E 50 Gebühr Auto
£E 65 keine Ahnung
£E 50 Fee to open a file
£E 75 ägyptische Nummernschilder
£E 20 Bakschisch Zoll
£E 100 Bakschisch Helfer

Dann noch eine Stunde an einem Stand für
Internet (215 £E = € 27 für 3 GB) und Telefon-SIM-Card (25 £E).

Gegen Mittag verabschieden wir uns für 3-4 Tage von unseren neuen südafrikanischen Freunden. Sie wollen direkt in den Süden nach Sharm el Sheikh, während wir ein Öko-Camp 25 km nördlich vom Hafen in Nuveiba kennenlernen wollen

Im Basata Camp (www.basata.com) finden wir das Paradies?
Total übermüdet fahren wir, wie geheißen, längs des Strandes und stecken an der schönsten Stelle fest.

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Na gut, dann bleiben wir halt.

Das Camp (N 29° 12,364' O 34° 44,120') ist die einzige Eco Lodge in Ägypten. Der studierte Bauingenieur Sherif el Ghamrawy gründete schon 1976 sozusagen "in the middle of nowhere" dieses an die Natur angepasste Paradies. Im Camp herrscht Vertrauen. Wir bedienen uns selbst aus den Vorräten, notieren das Entnommene. Bei der Abreise wird abgerechnet.

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Wir stehen 50 m zum Camp mit allen Annehmlichkeiten, 10 m zum schönsten Schnorchelrevier. Was heißt hier schnorcheln? Mit bloßem Auge (die Bilder sind mit keiner Unterwasserkamera gemacht) beobachten wir Fische zwischen Korallen, Seeigeln, Muränen und vielem bunten Getier mehr, was wir bisher nur aus dem Seewasseraquarium kennen.

fisch fisch fisch fisch fisch fisch fisch fisch fisch Hier haben wir unser eigenes Seewasserparadies, indem wir mit den Fischen schwimmen dürfen.

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24. - 31. Juli 2011 (26.249 km)

Immer noch Sinai Halbinsel. Wir sind faul geworden. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Sinai Halbinsel unserer Ansicht nach landschaftlich und kulturell nicht allzu viel zu bieten hat.
Aber vielleicht sind wir auch ein bisschen satt, was ja bekanntlich auch faul macht.

fisch fisch fisch fisch fisch fisch

Andererseits bietet die Halbinsel mit dem Fortsatz Ras Mohammed (‏رأس محمد‎) an der Südspitze das vielleicht schönste Schnorchelrevier dem wir begegnen werden. In diesem Naturpark (€ 15 Eintritt) treffen wird auf die nördlichsten Mangrovenbäume der Welt, streifen einen Salzsee, beobachten Wasserschildkröte und Haie, begegnen einem Fuchs und schütteln den Kopf über die Gegensätze in der Kleiderordnung.

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Also, warum nicht? OF-EN am Strand aufbauen und den Tag und die See genießen. Zum Abendessen gibt's Tracey's BBQ-Pizza.

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Unsere Freunde ziehen am nächsten Tag weiter, wir wollen
noch eine Weile im Paradies bleiben.

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In diesem Naturpark lässt es sich wirklich aushalten, wenn dann nicht auf einmal Busse ausgeschüttet werden und Ägypter Zelte direkt vor unserer Nase aufbauen. Das wirkt auf uns wie eine Startflagge. Und weg (auf zeit?) sind wir.

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Ein Kulturdenkmal in diesem Teil Ägyptens allerdings ist Pflicht. Das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster. Hier ist der (heute nicht mehr brennende) Busch am Altar des Klosters zu besichtigen, der für Moses Zeichen war den Berg Sinai zu besteigen um dort von Gott die zehn Gebote überreicht zu bekommen.

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Da wir jetzt schon eine Weile auf den Spuren des Ägyptenflüchtlings wandeln, sagen wie uns auch hier, aufi geht’s.

Nachts um zwei Uhr treffen wir uns mit Tracey, Anneke und André auf 1570 m am Kloster und von einem Führer geführt (£E 110 ) geht’s aufwärts. Vor uns schon hunderte Japaner, Russen und andere, die auch den Sonnenaufgang gegen 4.30 Uhr vom Gipfel aus erwarten.

Der Berg ist nicht schwierig aber anstrengend. Die letzten Meter geht’s über nicht gezählte 750 Stufen bis zur Gipfelkappelle auf 2285 m. Wir brauchen tatsächlich 2 ½ Stunden und Wolfram, der meinte, wenn Tracey Anneke den Berg hinaufträgt könne auch er sein Päckchen (ist eigentlich ein Paket) den Berg raufschleppen, pfeift aus dem letzten Loch.

sinai sinai sinai

Unser Führer zeigt uns eine Ecke abseits der Massen, in der wir vor Sonnenaufgang noch etwas verschnaufen und die Bergwelt alleine bewundern können. Und dann erscheint sie über dem Horizont, erst als kleine helle waagrechte Sichel, dann als Halbkreis, dann als Kugel, alles innerhalb von Minuten. Die Sonne wir beklatscht von ca 400 Zuschauern wie ein Pilot nach der Landung. Es ist vollbracht und der Abstieg angesagt. Nur wenig schneller sind wir gegen 7 Uhr wieder im Tal.

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Jetzt müssen wir noch 2 Stunden warten bis das Kloster öffnet. Bei Pfefferminztee im Beduinencafe entscheiden wir auf den eh nicht mehr brennenden Busch zu verzichten und lieber Schlaf nachzuholen. Zurück geht’s, die ZAs in ihr Hotel in Sharm El Sheik und wir an den Strand in Dahab, etwas nördlicher.

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Am nächsten Tag finden wir bei der Ortsbesichtigung ein neu eröffnetes Hotel mit kaum Gästen. Wir buchen einen Platz im Hof für unseren OF-EN inkl. Pool- und Strandnutzung, 3 Tage für umgerechnet ca. € 40.

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Der Ort gefällt uns, es gibt Ralph's German Bakery mit echt deutschem Brot und Brötchen. Der Münchener Bäckermeister hat sich hier vor ein paar Jahren niedergelassen und verwöhnt uns jetzt mit seiner Backkunst.

Eigentlich ist ja alles ganz schön, wenn da nicht die schlechten Nachrichten aus der Heimat wären:

Jan hat sich fürsorglich um unser Mercedesproblem gekümmert und im Geländewagenforum - www.viermalvier.de - unter G300 um Hilfe angefragt. Damit hat er eine Lawine losgetreten, die eigentlich zur Umkehr auffordert. Das Problem ist bekannt und scheinbar hat selbst unsere Armee in Kundus mit dem Nato-Diesel Schwierigkeiten an ihren Fahrzeugen. Die Aussage eines Fachmanns: „ ... dass es eine Frage der Zeit ist, wie lange der Motor das mitmacht“ bringt uns ins Grübeln. Aber besser hier in schönster Umgebung grübeln, als eines Tages irgendwo mit kaputtem Motor in der Wüste stehen.

Dienstag geht’s erst mal weiter Richtung Kairo. Dort werden wir wieder mal Mercedes Benz Fachleute um Rat fragen. Vielleicht finden die ja eine Lösung, die uns weiterfahren lässt.

Inscha' Allah ‏إن شاء الل

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1. - 16. August 2011
(26.740 km)

Zugegeben, wir haben schon länger nichts mehr von uns hören lassen. Aber nicht, weil es uns nicht gut geht, wir sind glücklich, haben eine wunderschöne Zeit nur das alte Problem mit unserer Mercedes ist noch nicht gelöst.

Nach 3 Tagen Stellplatz am Hotel zieht es uns zurück in die Freiheit. Zunächst ist es das Blue Hole, nördlich von Dahab, das Wolfram zum Schnorcheln einlädt.

Es ist nur ein kurzer Steg, der bis zur Riffkante führt, wo die unbeschreibliche Wasserwelt des Roten Meeres zu bewundern ist. Das wissen auch andere. Bus -und Kameltouren führen dorthin, sodass wir bald wieder fliehen.

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Wir finden einen ruhigeren Platz bei Mohamed (N 28° 25,016' O 34° 27,376') in seinem Beduinenlager, wenige Kilometer südlich von Dahab „at the end of nowhere“. Auch hier liegt die Unterwasserwelt ganz nah am Ufer. Doch die See ist sehr rau und wir begnügen uns mit Faulenzen. Wir spielen Backgammon mit dem einzigen weiteren Gast. John ist Däne, fährt in London seit 6 Jahren einen roten Sightseeing-Bus und studiert nebenbei Ökologie. Wir reden über Gott und die Welt mit diesem interessanten und unterhaltsamem Knaben.

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Nach zwei identischen Makkaronigerichten von Mohamed ist die Zeit gekommen, dass wir unsere südafrikanischen Freunde wieder treffen.

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Tracey und André haben dem ägyptischen „Hotelmanager“ Ashraf „a ride to Cairo“ versprochen. Auf der gemeinsamen Weiterreise kommt er auf die Idee zukünftig als Reiseführer zu arbeiten. Er führt uns von Sharm el Sheikh nach Ismailiya und von dort über den Suezkanal nach Kairo.

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Dort angekommen müssen wir zunächst sein Zuhause kennenlernen. Die Mutter bereitet uns ein ägyptisches Fischgericht. Wir essen vom Fußboden der Diele, zur Schonung des Teppichs wird Zeitungspapier ausgelegt. Als Dessert gibt’s natürlich das haarig süße Kunafa,

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was nur zu Ramadan zubereitet wird. Trotz, oder gerade wegen der ungewöhnlichen Umgebung schmeckt das Essen hervorragend.

Im Anschluss ziehen wir gemeinsam durch die Nacht über den örtlichen Markt. Hier tanzt der muslimische Bär. Nach Sonnenuntergang wird die Unterbrechung des Fastens gefeiert. Es ist Donnerstag Abend und für die Ägypter beginnt das Wochenende.

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Den Rest der Nacht verbringen wir auf einem Plateau N 30° 0,620' O 31° 17,102' hoch über den nächtlichen Lichtern von Kairo. Der nächste Morgen ist leider etwas diesig, sodass wir die Pyramiden nur erahnen können.

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Den Tag verbringen wir im Islamischen Viertel. Hier erleben wir das ursprüngliche Kairo, die Gassen sind nur etwas mehr als schulterbreit und ohne Ashraf hätten wir nie wieder herausgefunden.

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Die Krönung dieses Altstadtbesuches ist ein ausgesprochen leckeres Picknick zwischen altem Handwerk und Müllbergen.

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Am Nachmittag verabschieden wir uns dann von Ashraf um Mike zu treffen. Der Lehrer aus England hatte uns an einer Tankstelle in Dahab angesprochen: „are you overlanding?“, und uns einen Stellplatz in seiner neuen Heimat Kairo angeboten. In einer ruhigen Wohnstraße, wo neben der Werksatt seiner Off-Road-Kollegen auch ein englischer Club liegt, richten wir uns für die nächsten 5 Tage häuslich ein. Immer mal wieder taucht ein anderer dieser Off-Roadfreunde auf und freut sich mit uns fachzusimpeln.

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Wir brauchen die Zeit, es liegt einiges an: Aufenthaltserlaubnis und ägyptische Autozulassung müssen verlängert und Mercedes muss besucht werden.

Vorab, wir hatten ein Visum für 3 Monate, haben aber nur eine Aufenthaltsgenehmigung für einen Monat an der Grenze Jordanien / Ägypten erhalten. Unser Tipp: unbedingt den korrekten Aufenthalt  an der Grenze erledigen,  die Verlängerung kostet Zeit, Nerven und Geld!!!

Um den Aufenthalt der Personen zu verlängern fahren wir mit der Metro in die Innenstadt.

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  • Die ROTE Metrolinie
  • Haltestelle Sadat
  • Ausgang zum El Mogamma
  • Administration of Passports Immigration and Nationality
  • Schalter 42

Der riesige Platz ist gespickt mit Polizei und Panzern, hier hatten in den letzten Monaten die Demonstrationen stattgefunden. Heute herrscht hier eine ruhige entspannte Stimmung. Nach ca. 2 Stunden haben wir unseren Stempel für einen weiteren Monat bis 19. Oktober 2011 im Pass (umsonst) und müssen erkennen, dass wir hier die Verlängerung der Autozulassung nicht erhalten. Das wird beim Zoll am Flughafen erledigt.

Um es kurz zu machen: Der Fixer (üblicherweise freundlicher Helfer), der uns gleich bei der Einfahrt am Flughafen abfängt, bekommt nach 2 Stunden zähneknirschend £E 1.400 für einen weiteren Monat mit dem Auto. Versicherung haben wir keine. Zur Erinnerung, an der Grenze haben wir für einen Monat £E 1.140 einschließlich Versicherung und Nummernschilder bezahlt. Nach heftigen Diskussionen gibt er uns £E 200 zurück und wir haben immer noch zuviel bezahlt.

Wir nehmen’s locker und freuen uns auf einen Trip in die Dünen mit
„Mike – I know someone“ (er kennt wirklich für jedes Problem jemanden). Bei Sonnenuntergang erreichen Südafrikaner, Engländer, Ägypter, Deutsche und ein Hund den traumhaften Dünenplatz. Lager- und Grillfeuer werden gezündet und die Seele baumelt.

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Am nächsten Morgen trennen wir uns nach einigen kurzen Abstechern mit den leichten 4x4 PKWs auf die Dünengipfel von Mike und seiner Familie. Wir gehen alleine weiter auf Wüstensafari.

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Wir durchqueren mehrere Oasen, erleben die Schwarze Wüste (Camp Wild Baharia N 28° 21,326' O 28° 54,060'), übernachten in der Weißen Wüste und landen in der Roten Wüste. Die Bilder zeigen, wie überwältigend unsere Erlebnisse sind!

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An unserem Übernachtungslatz in der Weißen Wüste wissen wir nicht wo wir zuerst hinschauen sollen, zur untergehenden Sonne oder zum aufsteigenden Mond gegenüber. Das Farbenspiel ist überwältigend. Begleitet von Wolfgangs Musikmischung träumt jeder vor sich hin, beobachtet von diversen Wüstenbewohnern.

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Neuester Stand zu unserer Mercedes: Im Sand läuft sie in Wolframs Händen wie am Schnürchen ;-)) aber sie zwinkert dabei immer wieder mit dem roten Lämpchen.

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Wir wollen sie afrikatauglich machen und die Abgas-, Auspuffanlage von Euro5 zu Euro3 umbauen lassen. Wo und wie ist noch unser großes Problem. Kairo wäre nächstliegend, aber die Teile aus Deutschland müssen durch den Zoll und man erklärt uns, während der Ramadanfeiertage geht hier gar nichts. Also warten bis Anfang, Mitte September?

Zur Zeit sind wir auf dem Weg durch die Oasen der westlichen Wüste in Richtung Luxor, von dort Nilabwärts zurück nach Kairo.

Bis dahin إلى اللِقاء

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17. - 31. August 2011
(29.240 km)

Im ersten Ort der Oase Dakhla, El Qasr suchen wir den Abzweig zur Quelle Bir Gabal. Den finden wir auch, nur die Quelle nicht, zumindest nichts was unseren Vorstellungen entspricht.

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Auch am nächsten Morgen bei Licht ist neben dem Palmenhain nur ein trockenes Brunnengemäuer und ein dickes Wasserleitungsrohr zu erkennen.

Drum geht’s bald weiter nach Mut, dem Hauptort der Oase. Man darf sich die Oase nicht als kleinen grünen Flecken vorstellen, das sind schon größere Gebiete mit mehreren kleinen Ortschaften. Zwischen den Oasen allerdings ist fast nichts, außer Sand und Geröll, Felshügel und Dünen.

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Die verbindenden Straßen sind ganz passabel, ab und zu mal sandverweht. Geschwindigkeits-Bumps vor Militärkontrollstationen wecken uns immer wieder aus der Monotonie der Wüstenlandschaft.

In der östlichsten Oase Kharga geht’s Richtung Süden nach Paris. In diesem kleinen Ort teilt sich die Straße, die in Richtung Süden weiter nach Abu Simbel führt. Dieser Weg darf allerdings nur mit Militärbegleitung genutzt werden, weshalb wir uns für den Abzweig Richtung Osten, Luxor entscheiden.

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In Luxor finden wir am östlichen Nilufer im REZEIKY-Camp (N 25°  42. 688 E  32° 38.907 ) andere Afrika-Reisende, mit denen wir uns austauschen. Ein Paar aus England, noch etwas reifer als wir, hat auf seinem Auto den Walspruch “adventure instead of dementia“ stehen, was uns sehr imponiert.

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Nach zwei Tagen ziehen wir weiter ans Westufer, wo uns Ahmed in seinem Camp Al Salam (N 25° 41,763' O 32° 37,734') direkt am Nilufer empfängt.

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Allerdings ist hier kein Platz für unsere beiden Autos. Kurzerhand wird der Cousin und ein Freund angerufen, Wolfram um einen Abbruchhammer gebeten und schon ist der Einfahrtsbereich so erweitert, dass auch Andrés Landrover noch reinpasst.

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Ahmeds Frau ist eine hervorragende Köchin, die uns Andrés Grillkünste kurzzeitig vergessen lässt. Wir verbringen zwei weitere herrliche Tage in Luxor und chillen in diesem FlowerPower Backpacker Camp.



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Der Ausflug ins Tal der Könige ist Pflicht, dort nerven allerdings die Händler und die Eintrittsgebühren sind so überzogen, dass wir nach dem Besuch von 3 Gräbern entscheiden nach Norden Richtung Kairo weiterzuziehen.

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Unser Lager in Assiut schlagen wir auf dem Universitätscampus
(N 27° 11,337' O 31° 10,409') auf. Der erste Versuch im Bereich eines Polizeiclubs (Empfehlung Reise-Knowhow) einen sicheren Stellplatz zu finden scheitert an den vielen Kindern und Jugendlichen, die unsere Autos umringen und besteigen. Wir sind deshalb dankbar als wir in dem geschlossenen Uni-Areal direkt auf der Anfahrt zum Guesthouse Übernachtungsplätze finden.

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Nach einem kurzen Zwischenstopp zum Lunch in Minya auf einem Bootsrestaurant am Nil gehts gegen Abend zurück nach Kairo.

Camp Salma (N 29 58.170' E 31 10.540') in der Nähe der Pyramiden bietet uns und zwei weiteren Campern aus Deutschland reichlich Platz. Monika und Gerd hatten wir in Luxor schon getroffen. Die beiden sind mit Ihrem selbstausgebauten Steyr-Unimog auf der Rückreise von Südafrika und haben einige Tipps zur Strecke, die wir noch vor uns haben. Das zweite deutsche Auto, ein Mercedes LKW Baujahr 1965, ist das Zuhause von Frank. Mit seiner Hündin Abraxas ist er schon über 2 ½ Jahre unterwegs und plant hier in Kairo die Rückreise nach Deutschland.

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Seine Hoffnung ist, dass Libyen bald wieder offen ist, um dann von hier Richtung Westen bis Tunesien zu ziehen und dort eine erschwingliche Fähre nach Europa zu finden.

Am nächsten Tag haben wir wieder Termin bei Mercedes. Wir wollen die 30.000 km Inspektion machen und nach dem Kühlsystem sehen lassen. Seit einiger Zeit verlieren wir Wasser. Wo genau  können auch die MB Mechaniker nicht orten und so wird zu den schon georderten Teilen für den Umbau des Abgassystems noch eine Wasserpumpe bestellt. Ohne die Teile kann zunächst nicht viel repariert werden und uns wird empfohlen unseren geplanten Ausflug zur Oase SIWA zu stornieren. Schade, aber wir wollen unsere Mercedes nicht herausfordern. Trotzdem hält es uns nicht lange in dem Moloch Kairo.

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Dieser Ort ist eine hupende Müllhalde. Hier werden alle Sinnesorgane überfordert. Das Autofahren ist in wahrscheinlich keiner anderen Stadt der Welt so anspruchsvoll.

Trotzdem oder gerade weil wahrscheinlich  weniger als 5 % der Autofahrer jemals eine Fahrschule besucht haben, geschweige denn eine Fahrprüfung gemacht haben, herrscht hier Gesetzlosigkeit. Keine Rücksicht im wahrsten Sinne des Wortes.

Es geht nur vorwärts ohne Berücksichtigung einer Fahrspur. Und wo keine Fahrspur, brauchts auch keinen Blinker. Lediglich die Hupe wird reichlich eingesetzt. Zwischen dem ganzen Gekeile laufen natürlich auch noch Fußgänger rum. Einer mit Trillerpfeife versucht gegen das Gehupe anzukommen.

Also hier will Wolfram keinen Geburtstag feiern. So geht’s gemeinsam mit unseren Freunden nach Süden in die Oase Fayum nach Wadi Rayan.

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Ein wunderschöner Abend mit Gegrilltem beschließt den Feiertag würdig.

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Tags darauf verbringen wir am See und den nahen Wasserfällen.

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Wadi Hitan (N 29° 15,849' O 30° 1,366'), knapp 45 km westlich ist nicht nur wegen der Landschaft einen Abstecher wert. Hier hat man urzeitliche Skelette von Walen und anderen Meeresbewohnern gefunden. In der Wüste wahrlich eine Attraktion.

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Zurück in Kairo sind Behördengänge angesagt. Vor einer Woche schon waren wir auf der sudanesischen Botschaft (Metro bis Sadat, Ausgang El Morgama N 30° 2,484' O 31° 14,144') und haben dort mit dem Visumantrag auch die Gebühr von ₤E 600 pro Person bezahlt. Es war nur noch der Stempel in den Pass zu drücken als die Herren dort um zwei Uhr einfach Feierabend machen wollen. Jetzt hatte Wolfram wieder mal einen Auftritt.

Diesmal allerdings ohne Erfolg. Auf seine sture Aussage die Botschaft nicht ohne Visum verlassen zu wollen, entgegnet der Konsul persönlich ebenso stur er, Wolfram, werde in dieser Botschaft überhaupt nie ein Visum erhalten und könne gerne sein Geld wiederhaben. Er solle zusehen wie er an ein Sudanvisum komme.

Nun waren Friedensgespräche angesagt. Und nach Beschwörungen mit Engelszungen bekommen wir die Erlaubnis in 3 Tagen nochmals vorsprechen zu dürfen.

Nach den 3 Tagen, für uns wieder mit einer zweistündigen Anreise in der dickbepackten Metro verbunden, bekommen wir dann die Antwort, heute nicht, vielleicht morgen, vielleicht Sonntag. Ihr wisst hier ist Freitag Sonntag und Sonntag kein freier Tag.

Inzwischen mussten wir uns tränenreich von Tracey, André und Anneke verabschieden. Die drei können nicht mit uns hier wochenlang warten bis Mercedes die Erstzteile beischafft. Sie wollen ja an Weihnachten in SA sein. Aber wir sind alle 5 sicher, dass wir uns ab Kenia wiedertreffen, spätestens in SA :-))

Am Sonntag bekommen wir dann tatsächlich nach 3 Stunden Wartezeit unser Sudanvisum. Inzwischen ist es zu spät für die Äthiopische Botschaft, wo wir deshalb erst am nächsten Tag unsere Antrage vorlegen. 30 USD bitte pro Antrag. Nein ₤E nehmen wir nicht. Außerdem ist morgen Eid Al-Fitr, einer der größten religiösen Feiertage des Islam zum Ende des Ramadan. Kommt doch Sonntag wieder dann gibts auch Montag ganz sicher ein Visum. Freundliche Dame.

So unterhält man Reisende in Kairo.

Den Feiertag nutzen wir um unser Tagebuch zu aktualisieren.

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1. - 10 September 2011 (30.693 km)

Dann hält uns aber nichts mehr in Kairo! Wir haben bis mindestens Sonntag Zeit, vorher müssen wir nicht wieder zurück sein. Zum Roten Meer sind es nur 180 km.

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Eine gut ausgebaute Autobahn führt uns in 2 ½ h nach Ain Sukhna. Was uns dort erwartet ist nicht ganz nach unserem Geschmack. Hotelkomplexe in einer Größenordnung, wie wir sie bisher noch nicht gesehen haben. Tausend Zimmer in einem Gebäude, wie eine Welle an die Küste gebaut. Alle mit Blick auf den Golf von Suez mit seinen Ölbohrinseln. Einen beschaulichen Strand, wie wir es vom Sinai kennen gibt’s hier nicht.

Also weiter nach Süden, vorbei an weiteren Hotelanlagen. Der Reiseführer warnt: In den freien Küstenstreifen können noch Minenfelder aus dem Krieg mit Israel liegen. Die kilometerlangen Traumstände sind dann doch nicht sehr einladend.

Also weiter nach Süden. So kommt’s, dass es dunkel wird und wir nach ca. 450 km Fahrt froh sind etwa 25 km nördlich von Hurghada den Ort El Gouna zu finden.

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Wir hatten schon davon gehört und darüber gelesen. Ein visionärer Bauunternehmer hat hier auf fast 40 Quadratkilometer Wüste längs einer Bucht eine Kleinstadt entwickelt. Mit Hilfe internationaler und ägyptische Architekten ist ihm hier ein echt großer Wurf gelungen. An natürlichen und neu angelegten Lagunen und Wasserarmen wurde EL Gouna erschaffen. Hotelressort, Apartmentviertel in ansprechendem Baustiel bieten Platz für 15 000 Menschen. Neben Kindergarten, Flugplatz und Golfplatz wurde auch an die Umwelt gedacht.

Spätestens in Downtown, wo ein Schild in den Biergarten einlädt, ist das deutsche Touristenherz gebrochen. Das einheimische Bier aus Sakara ist besser als das des Lizenzgebers Heineken. In Kairo haben wir sogar schon Weizenbier dieser Marke getrunken.

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Als wir dann unsren OF-EN für die Nacht abstellen wollen, begrüßt uns die Touristenpolizei. Wir sollen doch bitte 100 m weiter in besserer Sichtweite zu ihrem Büro parken. Sie können so besser für unsere Sicherheit sorgen!

Das tun wir gerne und stürzen uns dann ins Nachtleben, das wir nun in vollen Zügen genießen können. Schließlich hat Egon heute Geburtstag und wir wollen, wenn schon nicht auf der Michaelismesse in Miltenberg, dann doch von hier aus mitfeiern.

Am nächsten Tag steht ein Stadtbummel mit Frisörbesuch auf der Tagesordnung. Iris erhält einen Thaischnitt, ihre neue Jugend wird nur von wenigen grauen Strähnen gebremst, die inzwischen nicht mehr retuschiert werden.

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Der Ort ist auch bei Licht besehen idyllisch und natürlich. Die Versorgung mit deutschem Brot stärkt unseren Wunsch hier ein paar Tage länger zu bleiben. Am nächsten Morgen begeben wir uns deshalb auf die Suche nach einem Platz mit Meerblick und Frischwasser.

Wir wollen uns gerade in einer etwas vom Tourismus verschonten Zone einrichten, da sind sie wieder zur Stelle. Unsere Freunde von der Tourist Police. Die waren doch immer so nett und hilfsbereit. Vielleicht haben die ja noch einen besonderen Tipp für einen einsamen Stellplatz. Ein Telefonat soll weiterhelfen und nach 5 Minuten Palaver werden wir eingeladen doch bitte ihrem Fahrzeug zu folgen.

Wenn eine Amtsperson in weißer Uniform mit Aufschrift „Tourist Police“ einlädt, folgt der gute Deutsche und wir landen direkt im Büro des Polizeipräsidenten von El Gouna.

Der Mann ist fast so groß wie Wolfram, nicht so weiß wie er, dafür schwarz, und von Gewicht noch mächtiger. Ja wirklich!  So einer gewichtigen Person hört man gut zu. Sein Englisch ist auch ganz passabel, und neben viel Blabla über Sicherheit, für die er in El Gouna verantwortlich ist und damit auch für unsere Sicherheit, erklärt er uns, ohne Wohnsitz, Hotel oder Apartment nicht hier bleiben zu dürfen. Unsere Idee ein Hotelzimmer zu buchen und dann auf dem Hotelparkplatz in unseren OF-EN zu wohnen, kann er gar nicht nachvollziehen.

Wir müssen nach Hurghada, dort gibt es bei der Polizeistation Erlaubnisse zum Campieren und man bekommt Stellplätze zugewiesen. El Gouna ist damit für uns Geschichte. Unterstrichen wird dies durch eine Polizeieskorte zum Ortsausgang.

Nach diesem Erleben macht Hurghada auch nicht den guten Eindruck. Wir erwarten nicht viel und finden auch keinen Gefallen an diesem Ort.

Auf der Autobahn geht’s wieder nordwärts Richtung Suez. In Porto Sukhna finden wir gegen Abend ein Hafenrestaurant, das uns einlädt. Der Ort ist zwar nicht so toll, aber der Yachthafen hat einen Parkplatz, auf dem wir übernachten können und das Restaurant ist wirklich gut. Ein schöner Blick über den Hafen und die Öltürme, Paella mit Meeresfrüchten, gebackener Seefisch und Rotwein, so kann man den Freitag beschließen.

Am nächsten Morgen, noch ein kurzer Promenadenbummel und weiter geht’s zurück nach Kairo. Hier suchen wir unseren alten Stellplatz an der Straße im Ortsteil Maadi auf und  siehe da, neue Bekannte. Mike hatte uns schon von Samy und Darrel erzählt. Die beiden sind gerade von Kurzurlauben zurück und schrauben an ihren Landrovern.

Wir stellen uns vor und verabreden uns für später im englischen ACE Club. Mike “Defender“ ist auch da, ein Deutsch-Amerikaner den wir schon von unserem ersten Aufenthalt in diesem Ortsteil kennen. Es werden 3 Abende im ACE Club. Tagsüber geht’s mit der Metro in die Innenstadt zur Äthiopischen Botschaft, das Visum erhalten wir tatsächlich innerhalb 24 Stunden.

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In das SALAMA Camp bei den Pyramiden wechseln wir dann um unsere Kabine von Mercedes zu  trennen, die in die Werkstatt darf. Die Wasserpumpe ist da, die viel früher bestellten „EURO3-Teile“ sind im Zoll und  Insha’ Allah auch bald in der Werkstatt.  Die letzte Hoffnung die Fähre nach Sudan gemeinsam mit Tracey und Andrè am Montag zu nehmen, müssen wir aufgeben. Trotzdem planen wir schon mal unsere Strecke durch den Sudan.

Iris ist von Mike „I know someone“ eingeladen die internationale Schule, in der er und seine Frau unterrichten zu besuchen. Der Leiter der Schule führt sie über eine Stunde durch die bestens ausgestattete Anlage. Theater, Schwimmbad, Tennisplätze, Musikräume in wunderschöner Umgebung. Je 10 Kinder werden von einem Lehrer mit Assistentin in Gruppen unterrichtet. Multimedia Tafel sowie Computer bzw. Laptop für jeden sind Standard. Die Schüler und Schülerinnen in Uniform wirken ausgesprochen relaxed aber sehr arbeitseifrig und konzentriert. So muss Schule Freude machen!

Am Abend erhalten wir den Anruf von Mercedes, die Wasserpumpe ist eingebaut, der Umbau soll Sonntag, spätestens Montag erfolgen. Da wir Sudan- und Äthiopien- Visum in der Tasche haben, kann's dann endlich weitergehen?!

Schon am vergangen Sonntag haben wir den Hinweis bekommen uns nicht in der Nähe der Israelischen Botschaft aufzuhalten. So haben wir gestern auch gar nichts von den Unruhen mitbekommen.

Hoffentlich bleibt das so.

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11. - 16 September 2011 (31.783 km)

On the Road again.

Endlich können wir Kairo verlassen. Gestern hat unsere Mercedes ihr neues Höschen (Euro3auspuffanlage) bekommen. An dieser Stelle nochmal ganz herzlichen Dank an unsere Freunde aus Messel Jan und Sonja (http://www.afrika-offroad.de). Die beiden haben diese Aktion überhaupt erst in die Wege geleitet, indem sie uns die Umbauanleitung für Mercedes besorgt haben.

Der vorhandene Katalysator wurde gegen einen einfacheren getauscht und der Dieselpartikelfilter ausgebaut. Die Leute von Mercedes Kairo haben tolle Arbeit geleistet. Zuerst war die Wasserpumpe, weil tatsächlich undicht, getauscht worden. Nach dem Umbau des Auspuffsystems gab's dann noch einen Ölservice und Kontrolle des gesamten Fahrzeugs. Sechs Tage (Freitag, Samstag sind ja arbeitsfrei) haben wir in unserem Haus ohne Auto gelebt, unsere Fortbewegungsmittel waren die Metro und öffentliche (mini)Busse.

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Meist ist die Metro übervoll besetzt, doch für Iris gab’s immer einen Platz. Hier stehen die jungen Männer noch auf für ältere Damen. Es sind aber immer nur Menschen männlichen Geschlechts, die ihren Platz anbieten. In den Minibus hat sich nur Iris gewagt und das auch nur mit Franks Begleitung. Es ist soooo einfach: einsteigen, 0,50 LE ( 0,06 €) über die vor uns Sitzenden zum Fahrer reichen lassen und aussteigen wenn's passt. Hauptbeschäftigung des Fahrers ist übrigens nicht das Fahren, er muss Geld wechseln, Streit schlichten, telefonieren, Zigarette rauchen... und ist dabei manchmal gerade 16 Jahre alt.

Dienstag Abend gab es noch ein großes Abschiednehmen im ACE Club (The Association of Cairo Expatriates). Samy, Darell, Mike "Defender" und vor allem Mike "I-know-someone" mit Frau Rehab haben uns ganz herzlich verabschiedet. Diese "Expats" werden ihre neue Heimat so schnell nicht verlassen, es lebt sich gut hier in Kairo

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Inzwischen sitzen wir wieder in unserem Auto und können den Verkehr "entspannt" von innen erleben. Unser Ziel ist Adam's Home (N 24° 10.1337' E 32° 51.9698') in Assuan. Dort warten noch andere Overlander auf die Fähre über den Nassersee nach Sudan. Mark, Alex und ihr Sohn Caleb haben UK verlassen und wollen sich in Uganda niederlassen, um in einem Gefängnis Sozialarbeit zu leisten. Leon reist seit einem Monat durch Ägypten. Er startet nächstes Semester in Berlin mit seinem Studium der Islamwissen-
schaften. Alles spannende Menschen!

Wenn wir Glück haben, kommen wir auf die Fähre am nächsten Montag. In schā' Allāh.

Sobald wir wieder Internet haben melden wir uns, ok?   

مع السلامة

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17. - 24. September 2011 (32.867 km)

Das Glück ist manchmal anders als man vorher glaubt. Es liegt in unserem Fall auch nicht in Allahs Hand, sondern in Mr. Salahs. Der ist hier in Assuan zuständig für den Fährticketverkauf und befindet, dass wir noch nicht dran sind.

Unser Auto sei zu groß und da hilft auch kein Blabla, wenn er uns heute ein Ticket verkaufe, werde unser Auto ins Wasser fallen. Das wollen wir dann doch nicht, wo es gerade doch die neue Auspuff- anlage bekommen hat.

Auch ohne Ticket ziehen wir das Ausreiseprozedere am 17.9. durch:

Vorab: Man braucht keinen Fixer, vor allem nicht den Fixer Kamel, der sich aufdrängt.

Ergänzung eine Woche später 24.9.11 siehe unten

 

Aufenthaltserlaubnis ist kein Problem, da wir Visa bis zum 2. Oktober haben, aber die Zulassung war in Kairo schon mal verlängert worden und eine zweite Verlängerung ist für Caravans nicht möglich. Das Auto müsse bis zur Ausreise im Zoll versiegelt stehen bleiben.

Nach etwa einer Stunde Diskussion mit Mr. Ahmed, unterbrochen von Telefonaten mit dem Kairoer Zoll einigen wir uns darauf, dass wir das Auto wieder mitnehmen. Der Zollwichtel ( Wichtel sind nach Franks Definition, kleine Wichtigtuer, die nichts zu sagen haben) verspricht uns nicht gesehen zu haben.
Gleichzeitig werde er seinem Kollegen, der in der Folgewoche Dienst hat empfehlen nur eine kleine Strafe für die Überschreitung der Zulassungsdauer zu verhängen. (hat er natürlich nicht)

Dafür verschwinden 200 ₤E in seiner Schreibtischschublade und er wird freundlich, wie alle besten Freunde in Ägypten. Wenn wir von Polizei oder Militär angehalten würden, sollten wir ihn anrufen, damit er alles mit denen regeln könne. Von wegen hat uns nie gesehen!


Nach diesem Ausflug zm Hafen geht’s zurück zu Adams Home. Hier wartet dann das Glück auf uns, in Gestalt von Mohamed.

Leon war bereits in den letzten Tagen mit ihm unterwegs und schwärmt, wenn es einen Ägypter gibt, der für seine Hilfe und Freundlichkeit kein Geld nimmt oder Kommission, von denen die uns mit überzogenen Preisen neppen, dann ist es dieser Mohamed Telefon 002 012244 21767

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Die nächsten Tage sind entsprechen kurzweilig, wie unsere Bilder zeigen. Bei einem Besuch zweier nubischer Dörfer – Mohamed ist Nubier – besichtigen wir sowohl, die für Touristen gestylten Häuser, wie auch die ganz ursprünglichen Behausungen von Mohameds Familie.

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Den Abend beschließt ein Essen gekocht von Mohameds Mutter im Haus seiner Eltern.

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Am nächsten Tag besehen wir uns dann die Dörfer von der Wasserseite. Mohamed hat das Boot eines Cousins einschließlich Kapitän gechartert und wir schippern über den ersten Nilkatarakt bis zum alten Damm und wieder nilabwärts nach Assuan.

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Dort gibt es dann ein Picknick auf dem Boot. Diese rundum traumhafte Tour , ca. 5 ½ Stunden auf dem Wasser exklusiv für Leon und uns hat übrigens einschließlich Picknick 220 ₤E gekostet , das sind 9 EUR pro Person.

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Ursprünglich haben wir für den Abend den Besuch eines Fischrestaurants geplant, das Essen auf dem Boot war dann so nachhaltig, dass wir dies auf den nächsten Tag verschieben.

Auch an diesem Tag steht uns unser persönlicher Betreuer zur Verfügung und fährt uns mit seinem Auto durch die Gegend. Einkaufen und der Zugticketkauf für Leon, er muss morgen abreisen, stehen auf dem Programm. Die Krönung, Leon und Wolfram bekommen jeder eine Galabia, die die beiden dann stolz ins Fischrestaurant ausführen.

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Danach heißt es von Leon Abschied nehmen, sein Zug geht am nächsten Morgen um 5 Uhr. Wer bringt ihn zur Bahn? Klar, Mohamed steht um 4 Uhr vor Adams Home, weckt Leon, hilft ihm packen und setzt ihn pünktlich in den Zug. Dass Leon ab und zu Mami zu ihm sagt, gefällt dem 34jährigen gar nicht, er will nur Habibi, ein Freund sein.

Irgendwie müssen wir uns diesem Freund doch erkenntlich zeigen können. Der Nubische Kapitän erhält neue Visitenkarten. Unser IT- Equipment gepaart mit Iris Know-How machen Mohamed und Cousin Samy, Urenkel von Adam (Home) glücklich. Es ist schön all die strahlenden Gesichter zu sehen und Wolfram gönnt sich ein, zwei Bier.

nub nub 

Ein Besuch beim Sudanischen Generalkonsulat, zur Verlängerung der auslaufenden Visa und bei Mr. Salah, der uns beinahe einen Platz auf der nächsten Fähre verspricht sind die Freuden des nächsten Tages, bevor es an die Arbeit für unseren neuen Bericht geht. Dem mit großer Wahrscheinlichkeit letzten aus Ägypten.
In schā' Allāh.

إن شاء الله

Ergänzung von Samstag 24.9.11:

Um 9 Uhr in Mr. Salahs Büro (N 24º 05.947' E 32º 54.000):

am Hafen (N 23° 58.419 E 32° 53.823) links durchs Tor fahren

Geschafft! Um 14.30 Uhr ist unser OF-EN ist auf der Autofähre, zusammen mit vier weiteren Overlandern. Wir werden am Montag auf der Personenfähre folgen, mit Sicherheit :-)) bis dahin dürfen wir mit den zwei netten Kenianern Kairu und Humphrey in Mohameds Flat wohnen. Unser echter Freund Muhamed versorgt uns wie Muttern.

إلى اللِقاء

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24. -27. September 2011 (32.961 km)

Bis unser Auto auf die Fähre verladen werden konnte, waren noch einige Hürden zu bestehen. Die Zollkontrollen waren recht lax. Auch wenn der Zollbeamte, der gerne ein Bakschisch hätte keines bekommt, werden wir nicht gründlich durchsucht. Warum auch, ist ja der Ausreisezoll.

Der Zoll ist aber auch für unsere Autopapiere zuständig und der Stempel in unser Carnet dauert dann doch etwas länger. Als der Stempler feststellt, dass unsere Aufenthaltserlaubnis und die ägyptische Zulassung unseres Autos seit 5 Tagen abgelaufen ist, wittert er Cash.

300 ₤E Strafe will er uns aufbrummen. Dabei hatte sein Kollege vor einer Woche noch versprochen zu organisieren, dass die Strafe klein bleibt. Den kennt er gar nicht. Letztlich müssen wir Dank Iris Charme nur 200 ₤E Strafe lassen, zu den offiziellen 30 ₤E Gebühr, die alle zahlen.

Endlich ist es dann soweit, das Auto wird verladen. Weil es das größte ist soll es zum Schluss drauf, was das Risiko birgt, dass es dann vielleicht nicht mehr auf die Barge passt. Also ein bisschen drängeln und wir sind drauf, alles ganz schön eng hier.

boot boot boot

Den Tag lassen wir gemeinsam mit Mohamed und den Kenianern in einem Restaurant auf dem Nil ausklingen. Sonntag werden dann im Sudanesischen Generalkonsulat in Assuan die Visa verlängert, was nur knapp eine ¾ Stunde dauert und nichts kostet.

Wir können also rechtzeitig noch den Kamelmarkt in Kom Ombo 25 km nördlich von Assuan besuchen. Hier gibt es neben hunderten Kamelen alles was der Kameltreiber so braucht. Spannend ist, wie die verkauften Tiere auf die bereitstehenden Fahrzeuge verladen werden. Tierschützer schauen hier besser weg.

kamel kamel kamel

Am Abend noch ein Essen im Souk von Assuan, eine sehr gute Empfehlung aus dem Reiseführer, Al Sayeda Nafisa, wieder gemeinsam mit den beiden Kenianern und unserem lieben Freund Mohamed.

Am nächsten Morgen sind wir dann gegen 10 Uhr am Hafen um auf unsere Passagierfähre einzuchecken. Mit uns sind da noch über 600 Afrikaner mit unbeschreiblich viel Gepäck. Offiziell passen knapp 400 Menschen, jeder mit 6 kg Gepäck, auf das Boot.

Beim einchecken geht es also zu wie im Kairo Stadtverkehr. Gelernt ist gelernt und in knapp zwei Stunden sind wir in unserer Luxus-Kabine. Hoffentlich wird’s bald dunkel, dass wir dieses Elend nicht mehr ansehen müssen. Bloß nicht über diesen überfüllten schrottreifen Dampfer aus den 1950er Jahren länger nachdenken. Die mitgebrachte Rotweinflasche hilft locker zu bleiben.

faere faere

Um 17.30 Uhr legen wir dann ab und um 19.00 Uhr ist es ja auch schon dunkel. Kurz nach Sonnenaufgang um 5.30 Uhr passieren wir Abu Simbel. Und wenig später auch die Sudanesische Grenze.

Ägypten adé إلى اللِقاء

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Ägypten